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26.03.2016

10:47 Uhr

Erwerbstätigenrechnung

Ostdeutsche arbeiten im Jahresschnitt zwei Wochen mehr als Westdeutsche

Mit einer Arbeitszeit von durchschnittlich 1454 Stunden pro Jahr sind Thüringer die fleißigsten Deutschen – gut 100 Stunden mehr als in Westdeutschland. In NRW und im Saarland sind die Werte am niedrigsten.

Viele Ostdeutsche, die eigentlich in Teilzeitstellen arbeiten, stocken ihre Arbeitszeit auf. dapd

Strukturelle Unterschiede

Viele Ostdeutsche, die eigentlich in Teilzeitstellen arbeiten, stocken ihre Arbeitszeit auf.

ErfurtOstdeutsche Erwerbstätige haben einem Bericht zufolge im vergangenen Jahr im Durchschnitt etwa zwei Wochen länger gearbeitet als westdeutsche. Im Osten seien im Jahr 2015 im Schnitt 1436 Stunden gearbeitet worden, berichtete die „Thüringer Allgemeine“ aus Erfurt vom Samstag unter Berufung auf Daten des Arbeitskreises Erwerbstätigenrechnung des Bundes und der Länder. Dies waren demnach 77 Stunden mehr als die 1359 in Westdeutschland geleisteten Stunden.

Dem Bericht zufolge wuchs der Abstand zwischen ost- und westdeutschen Erwerbstätigen im vergangenen Jahr um weitere fünf Arbeitsstunden an. Für das Jahr 2014 wurden 1427 Stunden für den Osten und 1355 Stunden für den Westen angegeben. Die höchsten Werte gab es demnach im Jahr 2015 in Thüringen mit 1454 Stunden, gefolgt von Brandenburg mit 1444 Stunden. Die niedrigsten Werte wurden dem Bericht zufolge für Nordrhein-Westfalen und das Saarland mit jeweils 1335 Stunden ermittelt.

Als Grund für die Unterschiede wurden vor allem strukturelle Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt genannt. „Gerade in Ostdeutschland wird unfreiwillige Teilzeitarbeit aufgestockt bis hin zu Vollzeitstellen, weil die Betroffenen Interesse an einem höheren Einkommen haben“, sagte der stellvertretende Leiter des IfO-Instituts in Dresden, Joachim Ragnitz. Zudem seien nach Einführung des Mindestlohns Minijobs in sozialversicherungspflichtige Stellen mit längeren Arbeitszeiten umgewandelt worden.

Die Linke und der Unrechtsstaat DDR

Das Bekenntnis

SPD und Grüne haben von der Linkspartei verlangt, ein Papier zu unterzeichnen, in dem die DDR als “Unrechtsstaat” bezeichnet wird. Die Thüringer Führung der Linken willigte ein. Das Papier soll Präambel des Koalitionsvertrags werden.

Der Widerspruch

Querschüsse gegen die Erklärung gab es vom  Vorsitzenden der Bundestagsfraktion, Gregor Gysi. Er benutze den Begriff nicht, sagte er. „Wenn ich die DDR als Unrechtsstaat bezeichne, dann erkläre ich, dass die drei Westmächte das Recht hatten, die Bundesrepublik zu gründen, die Sowjetunion aber als Antwort nicht das Recht hatte, die DDR zu gründen.“

Das Missverständnis

Er gestand ein, dass in der DDR grobes Unrecht geschehen sei. Später ruderte Gysi zurück, sprach von einem Missverständnis. Auch in der Fraktion im Erfurter Landtag bezeichneten manche Abgeordnete den „Unrechtsstaat“ als „Kampfbegriff“. Es ist der Preis, den sie auf dem Weg zur Macht zahlen müssen.

Die Stasi-Vergangenheit

Wie sehr das Erbe der SED noch in der Thüringer Linken präsent ist, zeigt auch ein Blick in die Fraktion. Zwei Abgeordnete waren inoffizielle Mitarbeiter (IM) der Stasi. Frank Kuschel etwa hat noch bis zur Wende 1989 für den DDR-Geheimdienst gearbeitet. Ina Leukefeld war Mitte der 1980er Jahre IM. Beide distanzieren sich heute von ihrer früheren Tätigkeit. Kritikern von Rot-Rot-Grün dienen die beiden als Beweis dafür, wie wenig die Linke ihr DDR-Erbe verarbeitet hat.

Die Regierungsmitglieder

Im Sondierungspapier von Rot-Rot-Grün heißt es, dass Personen „die direkt oder indirekt mit dem Sicherheitssystem der DDR zusammengearbeitet haben“ nicht in die Regierung berufen werden dürfen. Ein klares Signal an die ehemaligen Stasi-IM. Außerdem sollen Heimkinderfonds finanziell gestärkt und die wissenschaftliche Aufarbeitung der DDR gefördert werden.

Von

afp

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