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20.08.2013

16:05 Uhr

Erzbischof vs. Euro-Gegner

Kein Segen für die AfD

VonDietmar Neuerer

Ungewöhnlich deutlich hat sich Erzbischof Zollitsch in den Wahlkampf eingeschaltet. Den Euro-Kurs Merkels stützt er, ihre Kritiker von der AfD nennt er Nostalgiker. Die reagieren nun und gehen in die Offensive.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch: Nichtwahl-Empfehlung für die AfD. dpa

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch: Nichtwahl-Empfehlung für die AfD.

BerlinWenn sich der Vorsitzende der Katholischen Bischofskonferenz, der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch, zu Wort meldet, dann geht es meist um Themen von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Auch dass der Bischof in der Tagespolitik mitmischt, liegt in der Natur der Sache. Immerhin ist er der oberste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland. Ungewöhnlich ist allerdings, dass Zollitsch in diesen Tagen ziemlich deutlich in den Bundestagswahlkampf eingegriffen hat.

„Ich sehe keine Alternative zum Euro“, sagte der Erzbischof dem „Badischen Tagblatt“: „Denn der zwingt uns, weiter zusammenzukommen.“ Man müsse „den Ländern, die Hilfe brauchen, wirklich helfen.“ Der Kirchenmann rät denn auch vor diesem Hintergrund, die euroskeptische Partei Alternative für Deutschland (AfD) nicht zu wählen. Auf die Frage, ob die AfD seinen bischöflichen Segen habe, antwortete Zollitsch: „Nein, unsere Zukunft liegt in Europa und nicht in der Rückkehr in die Nationalstaaten. Ich hoffe, dass wir diese Frage auf Dauer überwunden haben, und dass es nur ein paar Nostalgiker sind, die nicht in den Bundestag einziehen werden.“

Wer die AfD anführt

Bernd Lucke, Sprecher

Bernd Lucke ist Professor für Makroökonomie an der Universität Hamburg, 2004 war er Berater der Weltbank. Lucke sieht sich als „Christdemokrat, der von seiner Partei verlassen wurde“ und so verließ er nach 33 Jahren Mitgliedschaft die CDU, in die er mit 16 eintrat. Er fordert eine geordnete Auflösung des Euro-Zwangsverbandes. Eine Option sei die Einführung von Parallelwährungen. Dafür müsste Deutschland eine Änderung der Verträge erzwingen.

Konrad Adam, Sprecher

Der ehemalige FAZ-Redakteur vertrat schon 2003 die Meinung, dass die fehlende Einheit von Staatsvolk und Staat die EU geradewegs zur Despotie führen müsse. Denn die bürokratische Zentrale in Brüssel ziehe mehr und mehr Kompetenzen an sich, die nicht durch Volkszustimmung legitimiert seien. 2005 bezeichnet er die europäischen Politiker als „zeitgerecht regierende Tyrannen“, die sich von dem „Glauben an den Legitimationsbedarf jeglicher Herrschaft“ losgesagt hätten.

Frauke Petry, Sprecherin

Frauke Petry wurde am 1. Juni 1975 geboren. Sie ist Mitglied des Sächsischen Gleichstellungsbeirats und Landesbeauftragte für Sachsen des Vereins zur Unterstützung der Wahlalternative 2013. Außerdem ist sie Trägerin des Bundesverdienstordens.

Alexander Gauland, stellvertretender Sprecher

Gauland war bis 2011 Mitglied der CDU und in den 1980er Jahren Staatssekretär in der hessischen Staatskanzlei unter Ministerpräsident Walter Wallmann. Gauland beklagt den Verlust des Konservativen in der CDU und ist ein vehementer Gegner des „Brüsseler Großstaats“. Er war schon immer ein Euro-Skeptiker. Für ihn ist Europa ein „Kontinent der Nationen“ ohne gemeinsame europäische Kultur. Die Einführung des Euro sieht er vornehmlich
dem Interesse der anderen Staaten geschuldet, ein zu starkes Erstarken Deutschlands zu verhindern.

Die AfD reagierte umgehend auf die Volte. „Wir respektieren die theologische Kompetenz von Erzbischof Zollitsch, aber er sollte auch unsere Kompetenz in volks- und finanzwirtschaftlichen Fragen respektieren,“ sagte AfD-Chef Bernd Lucke. Er wandte sich insbesondere gegen die Aussage, die AfD sei einen Zusammenschluss von ein paar „Nostalgikern“, die zurück zu den Nationalstaaten wollten.

„Europa besteht aus Nationalstaaten“, betonte Lucke. „Es ist ein Konsens aller Parteien, dass dies auch so bleiben soll. Aber gerade weil wir ein zukunftsfähiges Europa anstreben, dürfen wir nicht auf Zuruf Schulden übernehmen und den eigenen Steuerzahlern auflasten.“ Vielmehr bräuchten wir Änderungen an der Währungsunion, da es insbesondere den südlichen Ländern an Wettbewerbsfähigkeit mangele.

In der Union stießen die deutlichen Worte des Erzbischofs auf Zuspruch. „Ich habe immer gesagt, dass der Euro mehr ist als eine Währung. Wenn andere gewichtige Gruppen in unserer Gesellschaft dies auch so sehen, freut mich das“, sagte der Vize-Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion, Michael Meister Handelsblatt Online.

Kommentare (212)

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Earthtourist

20.08.2013, 14:19 Uhr

Das ist was uns noch fehlte; die Kirche in der Politik wie vor 1200 Jahren. Bald vielleicht die 'Neo-Inquisition' dazu.

Account gelöscht!

20.08.2013, 14:22 Uhr

Soll die Kirche doch ihre unfassbaren Reichtümer verkaufen und die Dolce-Vita-Staaten retten.

Die Kirche ist z.B. im Rheinland der mit Abstand größte Grundstückseigentümer.

werner

20.08.2013, 14:24 Uhr

dieser scheinheilige luegendackel kann sich in der regulierung des schadenersatzes an missbrauchte kinder und haftstrafen fuer deren peiniger austoben.in der politik hat der ueberhaupt nichts zu suchen.sein maul kann er aufreissen fuer die lobpreisung seines herrn aber nicht fuer klassifizierung in der politik,die zudem noch falsch ist.hitler war doch auch katholik

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