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04.06.2015

17:17 Uhr

Erzieher

Kita-Streik endet – Tarifstreit geht weiter

Eltern atmen auf: Die Kitas öffnen wieder. Und das, obwohl es im Tarifstreit keine Einigung gibt: So endeten nach zähen Runden die Verhandlungen für Erzieher und Sozialarbeiter. Nun heißt es Schlichtung statt Streik.

Reaktionen auf Kita-Streik

„Es geht einfach nicht mehr“

Reaktionen auf Kita-Streik: „Es geht einfach nicht mehr“

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BerlinHunderttausende Eltern können erstmal aufatmen: Der Kita-Streik geht nach vier Wochen zu Ende - spätestens am Montag sind die Erzieher wieder für die Kinder da. Arbeitgeber und Gewerkschaften vereinbarten am Donnerstag eine Schlichtung, nachdem die Tarifverhandlungen für kommunale Kita-Erzieher und Sozialarbeiter nach stundenlangen Verhandlungen gescheitert waren.

Für Verdi schlichtet der frühere Oberbürgermeister von Hannover, Herbert Schmalstieg (SPD), die Arbeitgeber benannten zunächst noch keinen Vertreter. Die Schlichter müssen spätestens bis 11. Juni erstmals getagt haben und bis 18. Juni einen Vorschlag auf den Tisch legen. Damit greife eine Friedenspflicht, sagten die Verhandlungsführer Thomas Böhle und Frank Bsirske in Berlin.

Trotzdem plant die Gewerkschaft Verdi weitere Proteste. „Wir werden die Auseinandersetzung aufnehmen, um die Aufwertung der sozialen Berufe zu erreichen“, sagte Verdi-Chef Bsirske nach einer Tagung von rund 300 Delegierten in Frankfurt. Geplant sind Aktionen außerhalb der Arbeitszeit. „Wir haben nicht vor, zu resignieren.“ Am 13. Juni soll es zudem Demonstrationen unter Regie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) geben. Die Gewerkschaften fordern für die kommunalen Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst im Schnitt zehn Prozent mehr Geld.

Bsirske warf den Arbeitgebern vor, sie seien nicht zur Aufwertung des ganzen Berufsfeldes mit seinen rund 240 000 Beschäftigten in den Kommunen bereit gewesen. Sie hätten „ein erschreckendes Maß an Gleichgültigkeit gezeigt“, sagte er in Frankfurt. Der Präsident des kommunalen Arbeitgeberverbands VKA, Böhle, betonte: „Die Arbeitgeber haben in allen Berufsfeldern Verbesserungen vorgeschlagen.“ Wo Handlungsbedarf bestehe, habe man sich Gedanken gemacht, doch die Forderungen der Gewerkschaften seien einfach zu hoch gewesen. „Zu pauschalen Erhöhungen waren wir nicht bereit.“

Kita-Betreuungszeit pro Woche nach Bundesländern

Baden-Württemberg

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 33,8 Stunden
- bis 25 Stunden: 17,3 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 48,5 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 34,2 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,7

Quelle: Statistisches Bundesamt

Bayern

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 31,5 Stunden
- bis 25 Stunden: 34,2 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 33,3 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 32,5 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,7

Berlin

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 42,1 Stunden
- bis 25 Stunden: 10,8 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 21,9 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 67,3 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Brandenburg

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 39,4 Stunden
- bis 25 Stunden: 2,4 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 31,6 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 65,9 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Bremen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 34,8 Stunden
- bis 25 Stunden: 14,8 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 23,9 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 61,3 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,7

Hamburg

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 35,4 Stunden
- bis 25 Stunden: 27,6 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 19,0 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 53,4 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Hessen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 38,6 Stunden
- bis 25 Stunden: 12,2 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 26,5 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 61,3 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,9

Mecklenburg-Vorpommern

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 44,1 Stunden
- bis 25 Stunden: 1,4 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 27,2 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 71,4 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Niedersachsen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 32,8 Stunden
- bis 25 Stunden: 29,2 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 30,0 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 40,8 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,9

Nordrhein-Westfalen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 39,0 Stunden
- bis 25 Stunden: 11,0 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 35,0 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 54,0 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,9

Rheinland-Pfalz

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 39,2 Stunden
- bis 25 Stunden: 6,6 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 33,9 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 59,5 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Saarland

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 45,3 Stunden
- bis 25 Stunden: 2,1 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 20,0 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 77,9 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Sachsen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 41,6 Stunden
- bis 25 Stunden: 4,5 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 14,8 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 80,6 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Sachsen-Anhalt

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 42,0 Stunden
- bis 25 Stunden: 12,9 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 6,6 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 80,5 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Schleswig-Holstein

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 34,2 Stunden
- bis 25 Stunden: 23,2 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 30,4 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 46,3 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,9

Thüringen

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 44,2 Stunden
- bis 25 Stunden: 4,7 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 4,8 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 90,5 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 5,0

Deutschland insgesamt

Durchschnittlich vereinbarte Betreuungszeit pro Woche für Kinder unter 3 Jahren in Kindertageseinrichtungen (März 2014): 37,6 Stunden
- bis 25 Stunden: 15,7 Prozent
- 25 bis 35 Stunden: 28,5 Prozent
- mehr als 35 Stunden: 55,8 Prozent
Durchschnittliche Zahl der Betreuungstage pro Woche: 4,9

Der Schlichter der Gewerkschaften, Schmalstieg, zeigte sich optimistisch, eine Einigung mit den Vertretern der Kommunen zu erreichen. „Da werden wir schon was bewegen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. „Ich glaube, dass die Arbeitgeber wissen, welche wichtige Aufgabe Erzieherinnen und Erzieher im Kindertagesstättenbereich haben.“ Noch sei offen, wann das Schlichtungsverfahren beginne. Den Vorsitz im Schlichterduo hat turnusgemäß die Arbeitgeberseite.

Bei Erzieherinnen und Sozialarbeitern stieß die Schlichtung auf Kritik. Eine Sozialarbeiterin aus Lehrte bei Hannover sagte bei der Verdi-Tagung in Frankfurt: „Wir waren vier Wochen auf der Straße und fragen uns jetzt: wofür?“ Auf einem Plakat warfen Delegierte der Gewerkschaft „Wortbruch“ vor. Bsirske verteidigte das Ergebnis: „Die Öffentlichkeit hätte kein Verständnis, wenn wir die Schlichtung nicht angenommen hätten.“ Das Angebot sei von den kommunalen Arbeitgebern gekommen.

Am 21. April waren die Tarifverhandlungen abgebrochen worden. Seit 8. Mai wurde gestreikt. Am Montag verhandelten Arbeitgeber und Gewerkschaften erneut - bis zum letzten rund 16-stündigen Verhandlungsmarathon.

Von

dpa

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