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28.04.2011

16:33 Uhr

Ethikkommission

Alle wollen den Atomausstieg, keiner will ihn bezahlen

Bei der ersten öffentlichen Anhörung der Ethikkommission schoben Verbände und Industrie sich den schwarzen Peter zu. Wer den Atomausstieg bezahlen soll, bleibt schleierhaft. Die Atombranche verteidigt weiter ihre Meiler.

Die Ethikkommission debattiert über Atomkraftwerke und den Netzausbau. Quelle: dpa

Die Ethikkommission debattiert über Atomkraftwerke und den Netzausbau.

BerlinElf Stunden lang will die Ethikkommission der Bundesregierung heute öffentlich über zukünftige Energieversorgung Deutschlands debattieren. Dabei steht der große politische Konsens schon zu Beginn der Debatte fest: Deutschland will aus der Atomenergie aussteigen. Die plötzliche energiepolitische Kehrtwende der Bundesregierung nach dem Japan-Gau hinterlässt viele offene Fragen. Die Ethikkommission unter der Leitung des ehemaligen Umweltministers Klaus Töpfer muss darum vor allem klären, wer für die Energiewende zahlen muss. Energiekonzerne drohen mit höheren Energiepreisen bei einem schnellen Ausstieg. Umweltverbände warnen vor den Gefahren und Kosten der Atomkraft. Töpfer muss vermitteln.

„Wie kann eine Zukunft ohne Kernenergie so schnell wie möglich realisiert werden?“, fragte Töpfer zum Auftakt. Es müsse darum gehen, die Kernenergie zu verlassen, ohne Arbeitsplätze zu gefährden und ohne das Klima zusätzlich durch eine verstärkte Kohlestromerzeugung zu gefährden, erklärte der Ex-Umweltminister. Sein Ziel ist also nicht weniger als die Quadratur des Kreises.

Matthias Kleiner, Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft und neben dem früheren Bundesumweltminister Töpfer Vorsitzender des Gremiums, betonte, die Kommission wolle zu einem breiten gesellschaftlichen Konsens beitragen in der Atomdebatte. „Nichts ist alternativlos“, betonte Kleiner. Es soll also keine Denkverbote geben.

Zahlreiche Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft stehen dem Gremium deswegen heute Rede und Antwort. Auch Vertreter von Stadtwerken, der energieintensiven Industrie, Umweltverbänden und Forschern aus dem Bereich der erneuerbaren Energien werden gehört. Wer den Ausstieg bezahlen soll, ist offen. Viel zu verlieren haben vor allem die Energiekonzerne.

E.ON-Chef Johannes Teyssen kam deswegen auch mit einer Kampfansage zur Sitzung der Kommission: „Jeder weiß, ein sofortiger Ausstieg ist ohnehin nicht möglich“, sagte Teyssen. Die Kernenergie sei als Brückentechnologie nötig, um den Übergang zu erneuerbaren Energien störungsfrei und zu bezahlbaren Preise zu gewährleisten. „Man kann diese Brücke auch nicht beliebig kürzer oder schmaler machen, weil das Tal, das sie überbrücken soll, nicht beliebig verkleinert werden kann.“ Nur mit dieser Brücke könne Deutschland seinen klimapolitischen Verpflichtungen nachkommen und auf den Import von Nuklearstrom aus Nachbarländern verzichten.

Ein schnellerer Ausstieg führe nur zu weniger Klimaschutz, mehr Energie-Importen und höheren Energiepreisen. Das bislang noch geltende Energiekonzept der Bundesregierung, das eine Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke beinhaltete, beurteilte Teyssen als geeigneten Weg für einen Übergang vom Zeitalter der fossilen zu dem der erneuerbaren Energien binnen einer Generation. Er respektiere aber, dass mit der Atomkatastrophe in in Japan bei vielen Menschen neue tiefe Zweifel an der Kernenergie ausgelöst wurden. Auch ihm selbst und seinem Unternehmen gehe es durchaus nicht vordergründig um Gewinne oder um Marktmacht.

Kommentare (24)

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Nachdenker

28.04.2011, 14:25 Uhr

"Alle wollen... Jeder weiß..."

Blablabla.
Man redet also schon vom "wie" des Ausstiegs.
Wie wäre es, erstmal überhaupt das "ob" zu diskutieren?
Oder sind dann unsere großen scheinheiligen "Ethiker" beleidigt?

Dupnod

28.04.2011, 15:01 Uhr

Gute Frage, aber alle Medien berichten ja, dass die gesamte Bevölkerung hinter dem sofortigen Ausstieg stehen würde. Diese Frage ist eigentlich ein Frevel, dafür wurde man im Mittelalter ja verbrannt... Es ist erschütternd zu sehen wie einseitig zur Zeit in Deutschland die Atomdebatte abläuft, für jede Stimmen für die Atomkraft (die es nicht auf die Voderseite des Handelsblatts schafft) werden 5 Kontra und gut plaziert am nächsten Tag hingestellt!

Demokrat

28.04.2011, 15:20 Uhr

Ist doch ganz einfach:

Rechnen wir doch mal alle Steuergelder, mit denen die Rahmenbedingungen für den Atomstrom subventioniert werden, mit rein. Uuuupsss....Mann ist der Atomstrom teuer...und wohin eigentlich mit dem Müll? Unters Kanzleramt? Gar keine so blöde Idee...

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