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01.06.2011

20:00 Uhr

Ethische Debatten

Ärzte verbieten Sterbehilfe und stimmen für PID

Es gibt viel zu diskutieren auf dem Ärztetag in Kiel. Nach langen Debatten stimmten die Mediziner für strengere Regeln in der Sterbehilfe. Außerdem sprach sich die Mehrheit der Ärzte für die PID mit engen Grenzen aus.

Ärzte dürfen hoffnungslos kranken Patienten nicht zum Sterben verhelfen. Quelle: ap

Ärzte dürfen hoffnungslos kranken Patienten nicht zum Sterben verhelfen.

KielÄrzte dürfen künftig auch hoffnungslos todkranken Patienten nicht zum Sterben verhelfen. Eine entsprechende Änderung der Berufsordnung beschlossen die Delegierten des 114. Ärztetags in Kiel am Mittwoch nach kontroverser Debatte.

Ärzte haben Sterbenden demnach unter Wahrung ihrer Würde und unter Achtung ihres Willens beizustehen. "Sie dürfen keine Hilfe zur Selbsttötung leisten." Für den Vorstandsantrag der Bundesärztekammer stimmten 166 Delegierte, dagegen 56, es enthielten sich 7. Mehrere Delegierte hatten sich vehement gegen ein Verbot gewandt.

Nach der bisherigen Berufsordnung durften Ärzte das Leben des Sterbenden lediglich "nicht aktiv verkürzen". In einer von der Kammer selbst in Auftrag gegebenen Allensbach-Umfrage aus dem Jahr 2009 waren 30 Prozent für eine Regelung, die einem Arzt erlaubt, einen Todkranken beim Suizid zu unterstützen - etwa mit tödlichen Medikamenten, die der Patient selbst einnimmt.

Ärzte können Approbation verlieren

In der Debatte drangen mehrere Delegierte darauf, die etwas lockere alte Formulierung zu belassen. Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe sagte, Fälle, bei denen ein ärztlich assistierter Suizid vorkomme, würden selten bekannt. "Das ist ja ein Zweierbündnis, und der eine von beiden verstirbt." Noch vor wenigen Monaten hatte Hoppe gesagt: "Wenn Ärzte mit sich selbst im Reinen sind, brechen wir nicht den Stab über sie." Doch die Berufsordnung ist bindend - Verstöße können zur Aberkennung der Approbation führen.

Der Präsident der Gesellschaft für Palliativmedizin, Friedemann Nauck, zeigte sich zuversichtlich, dass weniger Patienten nach aktiver Sterbehilfe oder Hilfe beim Sterben fragen, wenn die Ärzte mit ihren Patienten offen über deren Ängste sprechen. Zentral sei ein weiterer Aufbau von Palliativmedizin in Deutschland. Dabei zähle auch gute Symptomkontrolle und gute Schmerzlinderung. "Es bestehen Defizite", sagte Nauck. Dies betreffe Ausbildung, Finanzierung und flächendeckende Angebote.

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