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19.08.2012

12:04 Uhr

EU-Auflagen

E10 entpuppt sich als Öko-Dilemma

Der Ökosprit E10 steht vor dem Aus - parteiübergreifend macht sich Unmut breit über einen Kraftstoff, dessen ökologische und ethische Bilanz durchwachsen ausfällt. Doch der Ausstieg ist nicht so einfach, wie es scheint.

E10 ist nach wie vor alles andere als ein Renner an der Zapfsäule. dapd

E10 ist nach wie vor alles andere als ein Renner an der Zapfsäule.

BerlinDer Biosprit E10 legt zu an deutschen Tankstellen. Der Absatz klettert seit Monaten, wenn auch langsam. Der Anteil am Benzinabsatz stieg im Juli auf 14,3 Prozent, aber auch der Literpreis steuert mit durchschnittlich 1,66 Euro auf einen Rekord zu.

Doch wie lange gibt es E10 überhaupt noch? Schon 2011 war der baldige Tod vorausgesagt worden, damals ging es um den Käuferstreik, weil Autofahrer um ihre Motoren fürchteten, wenn sie den Rübensprit tanken. Nun geht es um Grundsätzliches.

Es kommt selten vor, dass Politiker von SPD und Grünen, Umwelt- und Verbraucherschützer dem Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) beipflichten. Mit seiner Forderung nach einem sofortigen E10-Verkaufsstopp setzt Niebel auch den zuständigen Umweltminister Peter Altmaier (CDU) unter Druck. Die derzeit händeringend nach Profilierungsthemen suchende FDP hat eine Debatte ausgelöst, die wegen der globalen Dürrefolgen nicht so schnell abebben dürfte.

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Altmaiers Haus geht bisher trotz mehrfacher Nachfragen nicht näher auf Niebels E10-Forderung ein, es gibt nur ein allgemeines Bekenntnis zur Bioenergie, vor allem zur Biomasse für die Strom- und Wärmegewinnung in Biogasanlagen. Aber das verschärft das Problem zum Teil - in Ländern wie Niedersachsen drohe durch den Maisbedarf für Biomasse und Tierfutter eine „Vermaisung“ der Landschaft, heißt es.

Denn neben Biosprit und Biogas forciert der Futtermittelbedarf für den steigenden Fleischkonsum die Konkurrenz zur Produktion von Nahrungsmitteln. So gibt es neben der Tank/Teller- inzwischen auch eine Tank/Trog-Debatte. Ein Vehikel bei großen Biogasanlagen könnte ein Auslaufen der Förderung sein. Die Bürger subventionieren sie mit Milliardengeldern über den Strompreis.

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Altmaier hält die bereits mehr als 7.100 Biogasanlagen für wichtig, weil sie grundlastfähig sind - sie können kontinuierlich Strom liefern und sind anders als Wind und Sonne nicht von den Launen des Wetters abhängig.

Doch zunächst steht vor allem E10 im Fokus. Das Problem: Wenn die Bundesregierung den Sprit wirklich kippen will, muss sie sich auf EU-Ebene für Alternativen einsetzen. Ein Einfrieren oder Senken der Bioquote müsste gemeinsam von den EU-Staaten vereinbart werden.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

19.08.2012, 12:28 Uhr

An ein Ende des ökologischen Unsinns namens E 10 kann ich nicht glauben. Müsste die Politik doch einräumen, dass sie sich geirrt und sich vor der Verabschiedung des Gesetzes nicht ausreichend informiert hat. Deshalb wird der Blödsinn bis zum vermeintlichen Endsieg durchgehalten.

Bestes Beispiel ist doch der Euro. Er ist schon lange tot. Was machen die verbissenen Euro-Fetischisten? Durchhalten bis zum Untergang.

Charly

19.08.2012, 12:47 Uhr

@el Sapo

wieso ist die Herstellung von Äthanol (E10) ökologischer Unsinn?
Die Herstellung von Treibstoffen aus Biomasse ist nichts anderes als eingefangene Sonnenergie, Äthanol ist nichts anderes als ein Accu für Sonnenenergie.

Dabei ist es unerheblich ob Äthanol aus essbaren Pflanzen oder nicht essbaren Pflanzen hergestellt wird.
Entscheidend ist allein der Bedarf an landwirtschaftlicher Fläche.

Im Übrigen ist die moderne Intensivlandwirtschaft ohne Maschinenpark, - also ohne flüssigen Treibstoff überhaupt nicht zu halten. Anders ausgedrückt, die Nichtherstellung von Treibstoffen aus Biomasse verteuert ebenfalls die Lebensmittel.

Ökologisch unsinnig ist es hingegen z.B. SUV's und andere dicke Autos zu fahren. Seltsamerweise sind es die gleichen Typen die a) dicke Autos fahren und b) über die Herstellung von Treibstoffen aus Biomasse klagen.

Die Welt ist halt plemplem, total verblödet und dekadent.


renatestein

19.08.2012, 13:02 Uhr


Bio-Sprit,
eine der vielen Geschenke unserer aktuellen Regierung
an die wenigen MACHTGIERIGEN,GELDGEILEN,GEWISSENLOSEN
Lobbyisten.
Vielen Dank
Renate Stein


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