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29.07.2016

08:41 Uhr

EU-Pauschalreiserichtlinie

Reiseverband wirft Bundesregierung Wortbruch vor

VonDietmar Neuerer

Ein toller Urlaub hängt am Wetter und einem schönen Strand. Doch was tun bei ärgerlichen Pannen? Neue Regeln sollen für bessere Absicherung sorgen. Doch gegen die Pläne der Bundesregierung gibt es auch starke Vorbehalte.

Die EU definiert den Begriff der Pauschalreise neu und wirft damit komplizierte Fragen auf. dpa

Strand auf Mallorca.

Die EU definiert den Begriff der Pauschalreise neu und wirft damit komplizierte Fragen auf.

BerlinDer Deutsche Reise-Verband (DRV) hat der Bundesregierung bei der Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in nationales Recht Wortbruch vorgeworfen. Hintergrund sind Änderungen reiserechtlicher Vorschriften. Danach gelten Reisebüros künftig faktisch als Pauschalreiseveranstalter, sobald sie einem Kunden mehrere Einzelleistungen zu einer Reise zusammenstellen. Und sie würden bei Pannen entsprechend haften.

„Der DRV hat bereits während des EU-Gesetzgebungsverfahrens darauf aufmerksam gemacht, welche negativen Konsequenzen diese Entscheidungen für unsere Mitglieder haben würden. Uns ist damals von Seiten Ihres Hauses und einer Vielzahl an Bundestagsabgeordneten entgegnet worden, dass die Bedenken des Verbandes übertrieben seien und sich an der alltäglichen Arbeit im Reisebüro kaum etwas ändern würde“, heißt es in einem Schreiben der DRV-Vizepräsidenten Ralf Hieke und Andreas Heimann an  den Parlamentarischen Staatssekretär im Justiz- und Verbraucherministerium, Ulrich Kelber (SPD).

Nun stelle der DRV aber fest, „dass die Zusagen im Referentenentwurf keine Entsprechung finden“, bemängeln Hieke und Heimann in ihrem Brief, der dem Handelsblatt vorliegt. „Würden die dort formulierten Regelungen den Eingang in das Bundesgesetz erhalten, dann hätte dies deutlich spürbare negative Implikationen für den Vertrieb.“ Dann würde es den Reisebüros künftig „deutlich erschwert, entsprechend der Kundenwünsche Leistungselemente zu einer Urlaubsreise zusammenzuführen, ohne dabei in die Veranstalterhaftung zu geraten“. Hieke und Heimann warnen, dass dann Teile des Geschäftsfeldes „wegbrechen und die Reisebüros zu Händlern von vorgefertigten Produkten deklassiert“ würden.

Was blumige Formulierungen in Reisekatalogen bedeuten

Idylle in ruhiger Lage

Die Unterkunft liegt fernab der touristischen Infrastruktur.

Touristisch gut erschlossen

Das heißt, es steht Riesenhotel neben Riesenhotel und es sind Massen an Touristen zu erwarten.

Direkt am Meer

Statt am erhofften Badestrand liegt das Hotel womöglich an einer Steilküste oder dem Hafen.

Meerseite

Den Blick aufs Meer garantiert das nicht, vermutlich ist er durch andere Häuser versperrt.

Naturbelassener Strand

Dahinter verbirgt sich wahrscheinlich ein ungepflegter Strand. Mit feinem Sand kann der Urlauber nicht rechnen, eher mit Kieselsteinen, manchmal sogar mit Müll. Eventuell liegt der Strand auch im Abwasserbereich.

Aufstrebende Gegend

Derart angepriesene Urlaubsorte erweisen sich oft als unterentwickelt. Zudem stören meist zahlreiche Baustellen das Urlaubsvergnügen.

Verkehrsgünstige Lage

Das Hotel liegt wahrscheinlich an der Hauptverkehrsstraße. Autolärm rund um die Uhr wird den Gästen kaum Ruhe und Erholung gönnen.

Unmittelbar an der Strandpromenade

Was sich nach gepflegter Flaniermeile anhört, ist oft eine viel befahrene Küstenstraße.

Relativ ruhig im Zentrum der Altstadt

Die Gäste sollten am besten ein Mittagsschläfchen halten, um nachts wieder fit zu sein, wenn Leben in die Gegend kommt.

Internationale Atmosphäre

Alkoholisierte aus aller Welt möchten sich lautstark amüsieren.

Familiäre Atmosphäre

Es ist damit zu rechnen, dass die Tischnachbarn im Bikini oder Jogginganzug zu Abend essen.

Kinderfreundliches Haus

Ruhebedürftige sollten sich hier nicht einquartieren. Kinder sind nun mal etwas lauter.

Neues Hotel

Möglicherweise ist die Hotelanlage noch gar nicht ganz fertig und Garten oder Terrasse sind noch eine Baustelle.

Zweckmäßig eingerichtete Unterkunft

Dies bedeutet Minimalausstattung ohne jeglichen Komfort.

Helle und freundliche Zimmer

Das ist ein bisschen besser als die "zweckmäßig eingerichtete Unterkunft", aber kein besonderer Komfort.

Unaufdringlicher Service

Die Kellner sind hier mitunter so unaufdringlich, dass es mit dem Abendessen länger dauern kann.

Kontinentales Frühstück

Auf den Tisch kommen nur Brot, Marmelade, Butter, Kaffee und Tee. Spricht der Katalog von einem "verstärkten Frühstück", dann gibt es vielleicht auch Wurst oder Käse und ein Ei.

Beheizbarer Swimmingpool

Das garantiert noch lange kein warmes Wasser.

Bis Anfang kommenden Jahres will das Ministerium den Gesetzgebungsprozess zur Umsetzung der EU-Reiserichtlinie abschließen; bis Mitte Juli 2018 soll die Richtlinie dann umgesetzt sein. Sie ersetzt die derzeitigen Regelungen in der EU, die noch aus dem Jahr 1990 stammen.

Auch bei Verbraucherschützern stoßen die geplanten Änderungen auf deutliche Kritik. Neben längst überfälligen Anpassungen bringe die angedachte Reform auch „gravierende Verschlechterungen“ für Verbraucher, heißt es in einer Stellungnahme des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV).

„Mit der geplanten Reform des Pauschalreiserechts verpasst der Gesetzgeber eine Chance für verbraucherfreundlichere Regelungen. Urlauber brauchen Planungssicherheit bei Pauschalreisen“, sagte Kerstin Hoppe, Reiserechtsexpertin beim VZBV.

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