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31.03.2016

17:13 Uhr

EU-Vorgabe

Die meisten Deutschen sind für Plastiktüten-Gebühr

„Darf’s noch eine Tüte sein?“: Die meisten Deutschen können nach dem Einkauf auf diese Frage verzichten. Vier von fünf sind für eine Plastiktüten-Gebühr. Und mehr als die Hälfte befürwortet sogar ein komplettes Verbot.

Die EU verlangt von ihren Mitgliedstaaten, den jährlichen Verbrauch von Plastiktüten auf 40 Tüten pro Kopf zu begrenzen. dpa

Plastiktüte am Ende?

Die EU verlangt von ihren Mitgliedstaaten, den jährlichen Verbrauch von Plastiktüten auf 40 Tüten pro Kopf zu begrenzen.

KölnDie meisten Deutschen sind dafür, dass Plastiktüten im Einzelhandel nicht mehr länger umsonst abgegeben werden. Bei einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov erklärten 80 Prozent der Befragten, sie fänden es „sehr gut“ oder „eher gut“, dass immer mehr Geschäfte Geld für die Kunststofftaschen nehmen. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) plädierte sogar dafür, dass die Ausgabe von Plastiktüten in Geschäften komplett verboten werden sollte.

Die Zahl der Gegner der Plastiktüten-Gebühr war dagegen mit 15 Prozent vergleichsweise gering. Gegenüber einer ähnlichen Umfrage vor einem Jahr hat sich damit die Zahl der Befürworter einer Kostenpflicht für Plastiktüten noch einmal erhöht. Damals hatten sich 71 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, 24 Prozent dagegen.

Die Umfrage gibt damit Plänen des deutschen Einzelhandels Rückenwind, der in den nächsten Jahren die Zahl der gratis angebotenen Plastiktüten deutlich reduzieren will. Hintergrund ist eine EU-Vorgabe nach der der Pro-Kopf-Verbrauch von Kunststofftüten bis 2025 auf 40 Tüten im Jahr sinken soll. In Deutschland sind es derzeit noch 71 Tüten je Einwohner.

So schmeißen Sie weniger weg

Planvoller einkaufen

Machen Sie sich einen Essensplan über die Woche und legen Sie dabei Tage fest, an denen es Fisch, Pasta oder Fleisch geben soll. Schauen Sie vor dem Einkauf in Kühl- und Vorratsschrank nach, was Sie noch haben.

Kaufen Sie nur das ein, was Sie wirklich benötigen. Lassen Sie sich nicht von angeblichen Schnäppchen („Nimm zwei - zahl eins“) verführen.
Achten Sie stattdessen bewusst auf heruntergesetzte Waren mit noch kurzem Gütedatum. Kaufen Sie Obst und Gemüse frisch auf dem Wochenmarkt.

Reste verwerten

Messen Sie vor der Zubereitung die Essensportionen ab. Brauchen Sie Reste einer Mahlzeit auf, indem Sie sie am nächsten Tag mit zur Arbeit nehmen. Wärmen Sie Speisen wieder auf und frieren Sie überschüssiges Brot und Brötchen ein.

Kreieren Sie aus den restlichen Zutaten und Speisereste neue Gerichte. Machen Sie Suppen und Eintöpfe daraus und frieren sie ein.

Tagebuch führen

Versuchen Sie auch einmal über einen Monat hinweg in einem Tagbuch genau zu erfassen, wie viel Sie und Ihre Familie tatsächlich wegwerfen. Machen Sie einen sportlichen Wettkampf daraus, es im nächsten Monat besser zu machen. Wer verliert, muss aus Resten ein Dreigangmenü zaubern.

Und versuchen Sie Ihre Kinder anzuhalten, Ihre Mahlzeiten aufzuessen, indem Sie mit gutem Vorbild vorangehen.

Umweltverträglich konsumieren

Auch ohne jeden Tag im Biomarkt einzukaufen und Vegetarier oder Veganer zu werden, kann man umweltverträglicher konsumieren. Das geht so:

  • auf regionale Produkte Wert legen
  • mehr frische Produkte als Tiefgekühltes
  • weniger , aber dafür besseres Fleisch konsumieren
  • für den Einkauf nachhaltige Verkehrsmittel nutzen
  • möglichst wenige Mahlzeiten im Restaurant einnehmen
  • auf ökologische Herstellung achten
  • effiziente Haushaltsgeräte einsetzen
  • energiebewusstes Kochen
  • auf Ökostrom umsteigen
Regional einkaufen

Regionalität ist ein wesentliches Prinzip nachhaltigen Wirtschaftens. Sie sichert Arbeitsplätze bei heimischen Erzeugern und Verarbeitern von Lebensmitteln und sorgt für den Erhalt der lokalen bäuerlichen Landwirtschaft und der regionalen Kulturwirtschaft.

Durch kurze Wege zwischen Erzeuger, Verkäufer und Verbraucher tragen regionale Kreisläufe zur Umweltentlastung und zur Reduzierung von Lebensmittelmüll bei.

Wer regionale Produkte bevorzugt, erhält qualitativ hochwertige, frische Ware, fördert soziale Kommunikation und schafft die Basis für ein neues Verhältnis zu Nahrung und Konsum.

Gemüsekisten und -tüten im Abo

Eine Möglichkeit, auch in der Stadt bewusster einzukaufen und zu konsumieren, bieten Gemüseabos, die in vielen Bioläden, Reformhäusern oder auch direkt vom Landwirt als Lieferservice angeboten werden. Die Biobauern füllen die Gemüsekisten- oder tüten jede Woche mit wechselnden, regionalen Zutaten aus ökologischer Landwirtschaft, meistens mit Produkten, die in der Region angebaut und geerntet werden.

Da die Tüte im Voraus bestellt und bezahlt wird, kann der Landwirt genau planen und erntet nur das, was auch verkauft wird. Der Rest bleibt dort, wo er am frischesten gelagert werden kann: unter der Erde.

Einen eigenen Bauern pachten

Bei der Community Supported Agriculture (CSA) in den USA steht der Aufbau einer langfristigen Partnerschaft zwischen Nutzer und Erzeuger im Vordergrund. CSA ist eine kooperative Form der bäuerlichen Direktvermarktung, die komplett auf den Zwischenhandel verzichtet.

Die Verbrauchergemeinschaft - meistens in Form eines Vereins oder einer Konsumgenossenschaft - trägt mit einem festen Monatsbeitrag die Löhne und die laufenden Kosten eines Hofes ihrer Region für ein ganzes Wirtschaftsjahr und wird dafür vom Hof mit Lebensmitteln versorgt.

Dadurch entsteht ein geschlossener Wirtschaftskreislauf, der für alle Beteiligten Vorteile bringt und zusätzlich gut für die Umwelt ist.

Selbsternteprojekte entstehen

Die ständig steigende Anzahl von Selbsternteprojekten wie „Gartenglück“, „Bauerngarten“ oder „Meine Ernte“ zeigt ein wachsendes Bedürfnis vieler Menschen, die Wege noch mehr zu verkürzen und einen stärkeren Bezug zu den eigenen Lebensmitteln zu gewinnen. Sie mieten eine Saison lang ein Beet oder ein Stück Acker vor der Stadt von einem Biobauern.

Das Land wird gemeinsam bewirtschaftet - später können die Mieter dann selbst über 20 Sorten Biogemüse ernten.

Urbane Landwirtschaft

Vielen ernährungsbewussten Menschen reicht es nicht mehr aus, sich Bioprodukte im Supermarkt zu kaufen: Der ökologische Anbau eigener Nutzpflanzen hat auch innerhalb der Städte angefangen. Immer mehr Gruppen erschließen sich grüne Räume in Hinterhöfen, auf Dächern und in stillgelegten Industriegebieten, um Obst und Gemüse zu züchten.

Auch die ansonsten etwas verschnarcht wirkenden Schreibergarten-Kolonien in den Städten erfahren seit ein paar Jahren regen Zulauf durch junge Paare und Familien. Viele Schulen richten wieder einen eigenen Schulgarten ein, geben Kochkurse und vermitteln globale Ernährungszusammenhänge.

Politische Einflussnahme durch Konsum

Der Gedanke des politischen oder kritischen Konsums basiert auf der Überzeugung, dass jeder Einzelne durch seine Kaufentscheidungen die Macht hat, Dinge zu verändern. Als Konsumenten stehen wir am Ende einer globalen Produktions- und Vermarktungskette, die in vielen Fällen mit Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung verbunden ist.

Durch Veränderung unseres Kauf- und Konsumverhaltens können wir sowohl unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern als auch die sozialen Bedingungen der in der Landwirtschaft Beschäftigten verbessern helfen. Konsum wird also zu einer politischen Aktion.

Fairtrade, Carrotmob und Containern

Der Faire Handel baut partnerschaftliche Strukturen auf, die gewährleisten, dass Produkte zu fairen Bedingungen hergestellt und importiert werden. er sichert die sozialen Rechte der Produzenten in den Ländern des Südens (z.B. durch eine Mindestpreis-Garantie bei Kaffee). Den in Genossenschaften organisierten Produzenten wird eine Prämie gezahlt, die sie für soziale Projekte (z.B. Aufbau von Schulen) verwenden können.

Beim Carrotmob kommen Menschen gezielt zusammen, um mit ihrem Einkauf etwas zu bewirken. Die Einzelhändler geben, wie bei einer Auktion, ein Gebot darüber ab, welchen Anteil des Tagesumsatzes sie etwa in energiesparende Maßnahmen investieren wollen. Wer am meisten bietet, wird Gastgeber des Carrotmob. Im Internet rufen die Initiatoren der Aktion dazu auf, genau in diesem Geschäft zu einem bestimmten Zeitpunkt möglichst viel einzukaufen.

Containern ist in der linksalternativen Szene Deutschlands und Österreichs weit verbreitet. Mülltaucher können durch das Suchen nach aussortierten Lebensmitteln viel Geld sparen - doch hauptsächlich wird das Suchen nach Essen in den Hinterhöfen der Supermärkte als Protest gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gesehen.

Diese und weitere Tipps finden Sie in dem Buch von Stefan Kreutzberger und Valentin Thurn "Die Essensvernichter. Warum die Hälfte aller Lebensmittel im Müll landet und wer dafür verantwortlich ist" (Kiepenheuer & Witsch Verlag).

Von

dpa

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