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20.06.2012

11:55 Uhr

Euro-Gruppe

Frankreich zieht gegen Schäuble ins Feld

VonMichael Inacker, Thomas Hanke, Donata Riedel

Die Chancen von Finanzminister Wolfgang Schäuble auf den Posten des Euro-Gruppen-Chefs sind kleiner geworden. Seit dem Sieg der Sozialisten beansprucht Frankreich immer stärker eine führende Rolle in der Euro-Zone.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts, CDU) im Gespräch mit dem Euro-Gruppenchef und Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker. dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (rechts, CDU) im Gespräch mit dem Euro-Gruppenchef und Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker.

Berlin/ParisBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) muss offenbar mit hartem Widerstand aus Frankreich gegen seine Kandidatur als Chef der Euro-Gruppe rechnen. Inzwischen hält man es in der Bundesregierung für unwahrscheinlich, dass Schäuble bei dieser Position zum Zuge kommt. Dies bedeutet zugleich einen weiteren schweren Rückschlag für die deutsche Politik im Ringen um die europäischen Top-Jobs.

In den vergangenen Monaten waren bereits bei der Besetzung der Spitzen von Europäischer Zentralbank (EZB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) keine deutschen Wunschkandidaten zum Zuge gekommen.

Zwei Entwicklungen, so heißt es in der Bundesregierung, erschweren die Beförderung Schäubles: Für die EBRD hatte man sich im Frühjahr - noch unter dem damaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy - auf einen französischen Kandidaten geeinigt - gewählt wurde aber ein Brite. Die Franzosen wollten also Kompensation.

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Schäubles Rückzug auf Raten vom Anspruch auf die Führung der Euro-Gruppe zeigt die Schwächen deutscher Interessenpolitik. Doch das ist nur das jüngste Beispiel missglückter Taktiererei seitens der Bundesregierung.

Zugleich sind nach dem Sieg der Sozialisten bei den Wahlen vergangenen Sonntag die Ambitionen von Präsident François Hollande offenbar gestiegen, in der Euro-Zone eine führende Rolle einzunehmen. Er arbeite, so heißt es bei deutschen Spitzendiplomaten, offenbar an einem großen Gesamtpaket zur Verbindung inhaltlicher und personalpolitischer Wünsche aus Paris.

Vergangene Woche richtete sich das französische Augenmerk zwar noch auf den Chefposten beim dauerhaften Rettungsschirm ESM. Jetzt soll es wohl doch eher der Vorsitz der Euro-Gruppe der Finanzminister sein, den Paris für sich beanspruchen will. Für den allerdings bewirbt sich seit Wochen Schäuble.

Kommentare (86)

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ESM-Nein

20.06.2012, 12:14 Uhr

Eine von den FPIIGS zum Euro-Gruppen-Chef machen?

Den Bock zum Gärtner oder den Bankräuber zum Kassenwart?
Europs Irrsinn ist grenzenlos.

Aber die Stimmen von SPD & Grünen hat Hollande ja schon.

Account gelöscht!

20.06.2012, 12:17 Uhr

Ob Moscovici oder Schäuble ist egal. Letztlich vertreten beide französische Interessen. Wie lange will sich Frau Merkel noch von Hollande vorführen lassen. Die Achse Berlin-Paris ist eher unheimlich als beruhigend. Eine Achse mit Nord- und Osteuropa wäre für deutsche Interessen eher geeignet. Die Franzosen wollen keine Partnerschaft. Die Franzosen wollen dominieren.

Account gelöscht!

20.06.2012, 12:21 Uhr

Ob die jetzt noch einen Posten mehr oder weniger haben, ist angesichts der Ausgangslage eigentlich unbedeutend.
Wieso allerdings ein nationaler Wahlsieg mehr Gewicht innerhalb Europas zur Folge haben soll, hat mir bislang niemand erklären können. Sind unsere Politiker phsychisch so schwach, dass sie sich von so etwas unbedeutendem wirklich beeindrucken lassen?
Dieses ganze EU Konstrukt ist nicht nur finanziell sondern auch mental ein einziger Haufen Dreck. Und helfen wird nur die Flucht aus dem Ganzen. Dann sind wir zwar erledigt, aber erstens sind wir das beim Verbleib auch und zweitens könnte man diesen ganzen Südeuropa-Versagern dann einmal den Finger zeigen.

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