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21.06.2012

15:40 Uhr

Euro-Gruppe

Osteuropabank-Chef kritisiert Merkels Personalpolitik

VonDirk Heilmann

ExklusivDer Osteuropabank-Chef Thomas Mirow spricht sich gegen Finanzminister Schäuble als Vorsitzender der Euro-Gruppe aus. In dem Amt dürfe man nicht die deutschen Interessen verfechten.

Thomas Mirow geht mit der Bundesregierung hart in die Kritik. Reuters

Thomas Mirow geht mit der Bundesregierung hart in die Kritik.

LondonDer scheidende Präsident der Osteuropabank (EBRD), Thomas Mirow, hat der Bundesregierung eine falsche Strategie bei der Besetzung von Spitzenposten auf europäischer Ebene vorgeworfen. „Ungeschicklichkeit und kleinkariertes politisches Kästchendenken“ verhinderten, dass mehr Deutsche an der Spitze internationaler Organisationen stünden, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt (Freitagausgabe) in London.

Konkret kritisierte er die von der Bundesregierung lange favorisierte Idee, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) an die Spitze der Euro-Gruppe zu hieven, die aus den Finanzministern der 17 Euro-Staaten besteht. „Ein deutscher Finanzminister an der Spitze der Euro-Gruppe würde den Eindruck einer deutschen Vorherrschaft in der Euro-Zone verstärken“, warnte er. Außerdem müsse er als Vorsitzender Kompromisse schmieden und könne dann nicht mehr die deutschen Interessen verfechten. Sinnvoller wäre es aus seiner Sicht, dafür zu kämpfen, dass der Chef des Rettungsschirms EFSF, Klaus Regling, den gleichen Posten beim dauerhaften Rettungsmechanismus ESM bekommt.

Die Bundesregierung hatte den SPD-Politiker Mirow nicht bei dem Versuch unterstützt, sich für eine zweite Amtszeit zum EBRD-Präsidenten wählen zu lassen und  sich stattdessen sogar hinter einen französischen Gegenkandidaten gestellt. Darüber habe sie ihn nicht einmal offiziell informiert, klagte Mirow. „ Es ist ein großer Fehler, auf einem Feld, auf dem man starke Interessen hat, ohne jede Not eine Führungsposition preiszugeben“, kritisierte er.

Kommentare (9)

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Zullus

21.06.2012, 16:18 Uhr

Was bilden die Franzosen sich eigentlich ein, und warum sind die Deutschen so nachgiebig. Von 1985 bis 1994 war jacques Delors Kommissionspräsident, Trichet wurde 2. EZB - Präsident, wobei der erste nach 2 Jahren weichen mußte, Mit Strauß - Kahn hatten sie einen desaströsen IWF - Direktor, und als sein nachfolger eine Französin, nämlich Lagarde.
Eigentlich ein bißchen viel französisch, oder?
Gemessen an der Wichtigkeit und Wirtschaftskraft sind die franzosen in der Vergangenheit überpräsentiert.
Ich hoffe, daß Merkel gegenüber Hollande Kante zeigt und nicht zuläßt, daß ein Franzose Nachfolger vun Juncker wird.

opinologe

21.06.2012, 16:37 Uhr

Es gilt das Gesetz: Wer zahlt, bestimmt die Richtung

Account gelöscht!

21.06.2012, 16:42 Uhr

@Zullus
Die Franzosen haben eine eng verwobene politische Elite, die sehr strategisch die legitimen Interessen Frankreichs vertritt.

In Deutschland gilt das Vertreten deutscher Interessen als unmoralisch. Dieser typisch deutsche Selbsthass ermöglicht es Frankreich, die deutsche wirtschaftliche und politische Macht "einzubinden", also zu begrenzen und für eigene Zwecke zu nutzen.

Nur deswegen gibt es u.a. die EU und den Euro in dieser Form.

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