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23.05.2013

15:55 Uhr

„Euro-Hawk“-Desaster

Merkels Treuester wird zum Klotz am Bein

VonAnis Micijevic

Thomas de Maizière und Angela Merkel verbindet mehr als die Regierungsbank und die gemeinsame Zeit im Kanzleramt. De Maizière war einer von Merkels ersten Förderern. Nach dem „Euro-Hawk“-Fehlschlag wird er zum Problem.

Die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière. dpa

Die Freundschaft wird auf eine harte Probe gestellt: Bundeskanzlerin Angela Merkel und Verteidigungsminister Thomas de Maizière.

DüsseldorfUnaufgeregt, sachlich, souverän – Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière war lange Zeit einer, auf den sich die Kanzlerin verlassen konnte. Einer, der nie die große Medienbühne suchte wie etwa sein geschasster Vorgänger Karl-Theodor zu Guttenberg. Einer, der während seiner Zeit als Kanzleramtschef unter Merkel stolz berichtete, in jede Berliner Kneipe eintreten zu können, ohne erkannt zu werden.

Er war eine der letzten Persönlichkeiten der Union, die Glaubwürdigkeit verkörperten. Laut Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen war Thomas de Maizière im Mai der drittbeliebteste Politiker nach Angela Merkel und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.

Doch das missglückte Drohnenprojekt „Euro-Hawk“ hat das Image des Merkel-Vertrauten massiv beschädigt. Für die Kanzlerin kommt das Debakel zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt, denn es ist Wahljahr und die Bürger reagieren empfindlich auf Steuermillionen, die zum Fenster hinausgeworfen werden. Dabei stehen die Umfragewerte der CDU auf dem Spiel. Merkel hat de Maizière über ihren Regierungssprecher bereits ihr „volles Vertrauen“ ausgesprochen.

Das sollte ihn eigentlich nicht beruhigen. Der Blogger Sascha Lobo hatte anhand der Rücktritte bzw. Rauswürfe anderer Minister während der Merkel-Ära errechnet, dass in drei Vierteln der Fälle durchschnittlich nach 33,3 Tagen Schluss ist, nachdem die Kanzlerin einem Unterstellten ihr „volles“ oder „vollstes Vertrauen“ ausgesprochen hat.

Doch bei de Maizière liegen die Dinge anders. Merkel kann kurz vor der Bundestagswahl nicht auf einen ihrer engsten Vertrauten verzichten, dem sie sich „menschlich-freundschaftlich verbunden“ fühlt. De Maizière ist neben Wolfgang Schäuble der letzte Minister, auf dessen Loyalität sie bedingungslos zählen kann. Denn selbst die Freundin der Kanzlerin, Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen, hat ihr nicht zuletzt im Rahmen der Renten- und Frauenquotendebatten viele Steine in den Weg gelegt.

Dafür, dass der Verteidigungsminister vorerst gute Chancen hat, das Drohnen-Debakel zu überleben, spricht aber noch ein anderer Grund.

Kommentare (14)

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Oliver42

23.05.2013, 16:22 Uhr

Es ist einfach unglaublich, wie das Verteidigungsministerium hunderte von Millionen Euros "aus dem Fenster wirft". Wenn es wenigstens ein deutsches Rüstungsunternehmen gewesen wäre, das die ganzen Millionen eingesackt hätte und wodurch deutsche Arbeitsplätze gesichert worden wären, aber nein die ganzen Millionen gehen in die USA nach Kalifornien.

Überhaupt Deutschland hat rund 2 Billionen MILLIARDEN an Altschulden; unter Merkel und Schäuble wurde nicht eine einzige Million geschweige denn Milliarde der Altschulden abgebaut und das obgleich seit Jahren die Wirtschaft gut gelaufen ist und es hohe Steuereinnahmen gab.

Diese Bundesregierung verschwendet und wirft Milliarden an Euros den Banken "in den Rachen" und verschenkt es nach Südeuropa...da wird einem als Steuerzahler richtig schlecht !!!

Fracking

23.05.2013, 16:24 Uhr

Merkel stellt sich wie immer hinter den Minister. Das ist sein Abgang! Und wer ist besser?: ein Steuerhinterzieher oder ein Steuerverschwender? Keiner: beide müssen abgestraft werden. Jeder Tag des Ministers im Amt wird Wahlstimmen kosten. Gut so!

zappenduster

23.05.2013, 16:26 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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