Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.07.2013

09:08 Uhr

Euro Hawk

Neue Probleme für de Maizière

In der Euro-Hawk-Affäre ist ein Dokument zum Vorschein gekommen. Es belegt nach Angaben der Süddeutschen Zeitung: De Maizière kannte die Probleme der Drohne genau und frühzeitig.

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) bezeichnete bereits am 12. März 2013 die Zulassung der Drohne als schwierig und risikobehaftet. dpa

Bundesverteidigungsminister Thomas de Maiziere (CDU) bezeichnete bereits am 12. März 2013 die Zulassung der Drohne als schwierig und risikobehaftet.

BerlinVerteidigungsminister Thomas de Maizière hat in der Euro-Hawk-Affäre anscheinend bereits vor dem 13. Mai gewusst, dass sich die Zulassung der Drohne „als extrem schwierig und risikobehaftet" gestalte. So geht es jedenfalls nach Informationen der Süddeutschen Zeitung aus einem Dokument zur Vorbereitung auf ein Gespräch mit Abgeordneten der Regierungsfraktionen hervor.

Dieses Dokument zeichnete er am 12. März ab. Das widerspricht also seiner Aussage im vergangenen Monat, er habe nur einmal vor dem 13. Mai, nämlich in einer Besprechung am 1. März 2012, von Zulassungsproblemen gehört.

Am 13. Mai 2013 billigte er die Entscheidung seiner Staatssekretäre, die Serienbeschaffung der Aufklärungsdrohne zu stoppen. In dem aufgetauchten Dokument mit dem Aktenzeichen 01-02-03/BE heißt es jedoch bereits, die „ursprünglich geplante Serienbeschaffung Euro Hawk“ sei „extrem risikobehaftet und derzeit nicht absehbar“. Gegebenenfalls seien Alternativen zu betrachten, die als Trägerplattform für die Aufklärungselektronik in Frage kämen. Eine Entscheidung über „das weitere Vorgehen hinsichtlich der Serienbeschaffung“ werde „derzeit vorbereitet“.

Die Chronologie des Euro-Hawk-Projekts

2001

Die rot-grüne Koalition bringt die Entwicklung einer Aufklärungsdrohne auf den Weg, die in über 20 Kilometern Höhe fliegen kann. Das unbemannte Flugzeug selbst soll vom US-Konzern Northrop Grumman gestellt werden, die Aufklärungstechnik soll von EADS kommen.

Oktober 2003

Erstmals finden in Deutschland Tests mit einer „Global Hawk“ statt. Aus dem US-Modell soll später die „Euro Hawk“ entstehen.

Januar 2007

Das Verteidigungsministerium unterzeichnet mit EADS und Northrop Grumman einen Vertrag über Entwicklung und Bau der Drohne. Der Auftrag hat nach Firmenangaben einen Wert von 430 Millionen Euro.

Juli 2011

Ein Prototyp absolviert einen mehr als 20-stündigen und nach offiziellen Angaben erfolgreichen Testflug von Kalifornien zu einem Luftwaffenstützpunkt im bayerischen Manching.

Oktober 2011

„Euro Hawk“ wird der Öffentlichkeit vorgestellt.

Ende 2011

Das Verteidigungsministerium stellt nach eigenen Angaben fest, dass eine Zulassung von „Euro Hawk“ nur mit erheblichem Mehraufwand möglich ist. Parlament und Öffentlichkeit werden aber zunächst nicht darüber informiert.

Januar 2013

Die „Super-Drohne“ ist sechs Stunden lang auf einem ersten Testflug über Deutschland unterwegs - auch dieser wird als erfolgreich gewertet. Start- und Landepunkt ist erneut Manching in Bayern.

Mai 2013

Das Verteidigungsministerium zieht wegen massiver Probleme bei der Zulassung für den europäischen Luftraum die Reißleine. Für 120 Komponenten fehlen die Konstruktionsdokumente. Allein für eine Musterzulassung müssten weitere 600 Millionen Euro investiert werden. Die Aufklärungstechnik soll aber weiter genutzt werden.

Demnach könnte dem Minister also bewusst gewesen sein, dass die Entscheidung über die Zukunft des Projekts unmittelbar bevor stand. So heißt es unter der Zwischenüberschrift „Sprechempfehlung“: „Ich werde Sie über die weitere Vorgehensweise voraussichtlich im 2. Quartal 2013 unterrichten.“

Das der SZ vorliegende Dokument stammt aus der Abteilung Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung und gelangte über die Staatssekretäre Stéphane Beemelmans und Rüdiger Wolf an den Minister.

In einer E-Mail eines Beamten am 11. März heißt es zudem, dass der Entscheidungsprozess noch laufe und die Zulassung der Drohne sich als äußerst schwierig gestalte. Dies liegt der Süddeutschen Zeitung ebenfalls vor. Der Beamte bat in der Email, die Aussage über die Schwierigkeiten mit der Zulassung „von der aktiven in die reaktive Sprechempfehlung zu übernehmen“. Das bedeutet, dass der Minister nur auf Nachfrage diese Aussage vor den Abgeordneten machen sollte – also nicht von sich aus.

Zu dem Dokument vom 12. März will sich das Ministerium noch nicht äußern und verweist auf die am Montag beginnenden Zeugenbefragungen im Euro-Hawk-Untersuchungsausschuss.

Was den Euro Hawk vom Global Hawk unterscheidet

Wodurch unterscheiden sich Global Hawk und Euro Hawk?

Global Hawk und Euro Hawk sind für Außenstehende kaum zu unterscheiden, ihr Design ist beinahe identisch: Beide haben eine Flügelspannweite von gut 40 Metern, sind über 14 Meter lang und fast fünf Meter hoch. Ähnlichkeiten zum namengebenden Falken (englisch: "Hawk") bestehen nicht. Euro Hawk und Global Hawk unterscheiden sich vor allem durch die Modellgeneration und die jeweils eingebaute Überwachungstechnik. Beide gehören aber zur gleichen Modellfamilie.

Wer ist der Hersteller?

Mit einem Jahresumsatz von 25 Milliarden Dollar gehört das im US-Bundesstaat Virginia ansässige Unternehmen Northrop Grumman zu den Schwergewichten der Rüstungsbranche. Die unbemannten Aufklärungsdrohnen sind ein Renommierprodukt der Firma - hier kommt das Know-how des Unternehmens in den Bereichen Flugzeugbau und Überwachungstechnik zusammen.

Was kennzeichnet beide Drohnen?

Beide Modelle wurden von ihrem Hersteller mit dem Beinamen HALE UAV versehen. Hierbei handelt es sich um Abkürzungen, die für ein Unbemanntes Fluggerät ("Unmanned Aerial Vehicle") mit großer Höhe und langer Ausdauer ("High Altitude Long Endurance") stehen. Mehr als 30.000 Kilometer können die ferngesteuerten Drohnen am Stück fliegen - und das in einer Höhe von über 18 Kilometern.

Was ist der Euro Hawk?

Beim Euro Hawk handelt es sich um ein deutsch-amerikanisches Projekt, das auf der zweiten Generation des RQ-4 Global Hawk basiert, wie sie die US-Luftwaffe seit Jahren einsetzt. Der Euro Hawk sollte vom europäischen Luftfahrtkonzern EADS auf die Bedürfnisse der Bundeswehr zugeschnitten werden. Bis zum Stopp des Projekts flossen über 560 Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt.

Was ist der Global Hawk?

Global Hawk ist eigentlich der Oberbegriff für die Drohnen-Familie von Northrop Grumman. In der deutschen Debatte meint der Name aber die neueste Generation des Global Hawk, die Deutschland gemeinsam mit 13 weiteren NATO-Staaten anschaffen will. Im Rahmen des NATO-Programms AGS ("Alliance Ground Surveillance") zur Bodenüberwachung wollen die NATO-Länder eigene Aufklärungskapazitäten aufbauen.

Wesentlicher Baustein des AGS-Programms ist der Erwerb von fünf Global Hawks der noch gar nicht fertig entwickelten vierten Generation. Diese nächste Modellgeneration zeichnet sich nach Angaben von Northrop Grumman vor allem durch eine neue Radartechnik zur Bodenüberwachung aus.

Welche Probleme haben zum Stopp des Euro Hawk geführt?

Die Bundeswehr zeigte sich von der Sicherheit des Euro Hawk stets überzeugt. Fällt die Fernsteuerung aus, fliegt die Drohne automatisch zu ihrem Startplatz zurück. Die Luftsicherheitsbehörden bemängelten aber neben fehlendem Einblick in das technische Innenleben, dass beim Euro Hawk der für eine Zulassung für den europäischen Luftraum nötige Kollisionsschutz fehlt.

Von

hbü

Kommentare (9)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

hoppala

19.07.2013, 09:21 Uhr

Und davon wußte auch die SPD samt ihren ganzen Star-Trampel: hatten sie ja schließlich selbst implementiert?

Account gelöscht!

19.07.2013, 09:30 Uhr

Und täglich grüßt daß Murmeltier..... de Maiziere Bashing.
Ich bin dadurch mittlereweile - nahezu zwangsläufig - zum Fan des Verteidigungsminister geworden, denn irgendjemand will ihn weghaben und da es nicht offen passiert, hat dieser jemand keine guten Absichten.

* weigert er sich, die Bundeswehr notfalls (z.B. bei Demos) im Innern einsetzen zu lassen, falls die Polizei nicht mehr ausreicht, insbesondere wenn sie ihre Legitimität verliert, siehe z.B. http://www.jungewelt.de/2013/07-18/035.php

* weigert er sich, die Angriffskriege der Amerikaner durch die Bundeswehr zu unterstützen (Grüße an die Patriots in der Türkei) oder sonstige Hilfssheriff-Einsätze?
Dabei hat sich doch sein Vorgänger, die US-Marionette zu Guttenberg (derzeit im US-Exil auf eine Comeback-Möglichkeit wartend) so bemüht aus der Wehrpflichtigen-Territorialarmee Bundeswehr eine Söldner-Armee zu machen, die man überall und zu allen Zwecken einsetzen kann (wie übrigens auch die 70000 US-Besatzungssoldaten, die immer noch in Deutschland herumlungern).

Was steckt also dahinter? Welche Interessen wollen ihn weghaben und warum? Solange ich hier keine befriedigende Antwort erhalte, muß ich davon ausgehen, daß er einer der wenigen Mitgliedern dieser Regierung ist, die einen guten Job macht.

Account gelöscht!

19.07.2013, 09:31 Uhr

Politik kann nicht alles öffentlich machen. es gibt zu viele die dies zu Nachteil des Staates, der Demokratie und des Bürgers ausnutzen könnten. Wahre Freiheit hat nun mal ihren Preis

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×