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27.09.2012

18:48 Uhr

Euro-Krise

Alt-Kanzler Schmidt attackiert Merkel

Bundeskanzlerin Merkel ist für ihre Politik in der Euro-Krise von Alt-Kanzler Helmut Schmitt scharf angegriffen worden. Bundespräsident Gauck hingegen nahm Merkel und ihr Verhalten gegenüber anderen EU-Ländern in Schutz.

Streiten um Merkels Politik: Bundespräsident Joachim Gauck und Alt-Kanzler Helmut Schmidt. Reuters

Streiten um Merkels Politik: Bundespräsident Joachim Gauck und Alt-Kanzler Helmut Schmidt.

BerlinAlt-Kanzler Helmut Schmidt hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für ihre Politik in der Eurokrise erneut scharf angegriffen. Es sei "zum Teil ihre eigene Schuld", dass es in einigen europäischen Ländern Bilder gebe, die Merkel "mit einer Hakenkreuzbinde zeigen", sagte Schmidt am Donnerstag in der ZDF-Talksendung "Maybrit Illner". Die Kanzlerin habe eine "zu starke Zentralisierung auf ihre Person vorgenommen". Einige Nachbarländer hätten "das Gefühl, dass Deutschland ein neues Zentrum sein sollte", kritisierte der Sozialdemokrat.

Bundespräsident Joachim Gauck nahm in der Sendung die Kanzlerin in Schutz. "Wir stehen heute nicht vor dem Problem, dass eine geschichtsvergessene Regierungschefin sagt: am deutschen Wesen soll die Welt genesen", sagte er. Merkel kämpfe auch "stellvertretend für andere benachbarte Nationen" für einen stabilen Euro.

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Es sei falsch, wenn der Eindruck erzeugt werde, dass die Kanzlerin "gegen den Rest Europas steht", sagte Gauck. Er sei überzeugt von Merkels " hoher Rationalität und ihrem Handlungswillen", sagte Gauck. In der Eurokrise sei es selbst für Wissenschaftler "außerordentlich schwer zu wissen, welcher Schritt der richtige ist". "Eine gewisse Risikobereitschaft auch im monetären Bereich gehört mit zu einer guten Politik", fügte der Bundespräsident hinzu. Vor allem dürfe man aber in der Eurokrise nicht die Geduld verlieren, "nicht durchdrehen und nicht hysterisch werden".

Umstrittene Persönlichkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel. dpa

Umstrittene Persönlichkeit: Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Gauck sagte, es könne schon sein, dass es in der EU einmal eine "Wohlstandsdelle" gebe. Europa sei aber "auch im Falle ein gewissen Begrenzung der Freude am Leben ein lebenswerter Raum, wegen der Freiheit und wegen der Demokratie." Er traue hier der deutschen Bevölkerung eine ganz Menge zu. Auch beim Ausbruch der Finanzkrise 2008 seien die Deutschen ruhig geblieben. Rechtsextremisten hätten in der Bundesrepublik politisch keine Chance.

Kommentare (25)

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Account gelöscht!

27.09.2012, 19:04 Uhr

Nein Herr Schmidt, der Holocaust kann keine Rechtfertigung dieser unsäglichen Eurorettung sein. Eine Währung, die gerettet werden muss, sollte man ad acta legen und zu den Nationalwährungen zurückkehren.

Falk

27.09.2012, 19:10 Uhr

H. Schmidt, Hamburg, will Geschichte instrumentalisieren, wie er es auf seiner großen Rede auf dem SPD-Meeting vor einiger Zeit überdeutlich gemacht hat. Deutschland soll wegen der Verbrechen der Nazis auch für die nächsten hunderfünfig Jahre und mit vielen folgenden Generationen auf den Knieen durch die Zukunft gehen und eher in einem tributärem Verhältnis zu dem übrigen Europa stehen, aber nicht als gleichberechtigter Partner, der den Weg Europas als Zentralmacht maßgeblich im Einklang mit den anderen Völkern Europas und unter Wahrung eigener Interessen ohne dabei andere Interessen zu beschädigen, mitbestimmt.

Geschichtspolitik, das ist Schmidts Rezept für die Zukunft.

Diese Rezept ist falsch.Wer Vergangenheit selektiv instrumentalisiert wird niemals ein Europa mit gleichberechtigten und zugleich selbstbewußten Partnern schaffen können, sondern bleibt Gefangener einer seiner eigenen Projektionen.

werner

27.09.2012, 19:10 Uhr

So ist es. Letztlich belegt die völlig abstruse Rechtfertigung des Rettungswahns mit dem Holocaust, dass es keinerlei rationalen Argumente mehr dafür gibt, diese Währung noch länger künstlich am Leben zu halten.

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