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13.10.2011

00:00 Uhr

Euro-Krise

Banker fühlen sich von Schäuble ignoriert

VonSven Afhüppe, Ruth Berschens, Frank Matthias Drost, Peter Köhler, Donata Riedel

Frostige Beziehung zwischen Politik und Kreditwirtschaft: Bei den Plänen für eine Kapitalisierung der Banken fühlen sich die Geldhäuser von Finanzminister Wolfgang Schäuble ignoriert. Der wiederum schießt zurück.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble action press

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble

BerlinBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ist bekennender Kunde einer Genossenschaftsbank in Baden-Württemberg. Er meldet sich dort gelegentlich persönlich, wenn ihm die Gebühren beim Abheben von Bargeld am Automaten zu hoch vorkommen. Von diesem direkten Draht zur gesamten Kreditwirtschaft kann derzeit jedoch keine Rede sein.

Die Beziehungen zwischen dem Bundesfinanzministerium und der Kreditwirtschaft sind frostig, beklagen Banker. "Unsere Ratschläge zur Lösung der Finanzmarktkrise sind im Bundesfinanzministerium nicht gefragt. Die Haltung der Bundesregierung gegenüber den Banken ist nicht unbedingt feindselig, aber von großer Skepsis geprägt", bringt es ein Bankenvertreter, der nicht genannt werden möchte, auf den Punkt.

Vertrauensvolle Krisentreffen - wie jenes am 30. Juni - hat es lange nicht mehr gegeben. Damals hatte Schäuble die Spitzen der deutschen Bankenszene ins Finanzministerium eingeladen, um mit ihnen über eine Beteiligung am zweiten Rettungspaket für Griechenland zu verhandeln. Neben den Chefs von Deutscher Bank und Commerzbank, Josef Ackermann und Martin Blessing, waren dabei: Postbank-Chef Stefan Jütte und Hypo-Vereinsbank-Chef Theodor Weimer, Allianz-Vorstand Maximilian Zimmerer und Hans-Jörg Vetter, Chef der Landesbank Baden-Württemberg.

Doch seither hat es eine solche Runde nicht mehr gegeben. Im Gegenteil: Obwohl die Euro-Krise in den vergangenen Wochen an Dramatik gewonnen hat, scheint die Kommunikation zwischen Finanzminister Schäuble und den Bossen der Finanzindustrie eingefroren. Von "Frust" und "Unverständnis" ist in den Frankfurter Banktürmen die Rede, wenn es um die jüngsten Vorschläge der Bundesregierung zur Rekapitalisierung der Banken geht. "Es gibt keinen vertrauensvollen Austausch über die nächsten Schritte der Politik. Der Finanzminister hat sich abgeschottet", klagt ein Bankmanager.

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