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23.01.2012

17:56 Uhr

Euro-Krise

Ex-Kohl-Berater kritisiert deutschen Europakurs

ExklusivEx-Kohl Berater Horst Teltschik sieht finanzielle Transfers innerhalb Europas als selbstverständlich an. In der jetzigen Verschuldungskrise gehe es nicht nur um ökonomische, sondern vor allem um politische Fragen.

Helmut Kohls Ex-Berater Horst Teltschik. Reuters

Helmut Kohls Ex-Berater Horst Teltschik.

Düsseldorf"Solidarität in und für Europa scheint zu einem Fremdwort geworden zu sein", schreibt Horst Teltschik, ehemaliger außenpolitischer Berater von Ex-Kanzler Helmut Kohl und Ex-Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt. "Solidarität war aber von Anfang an innerhalb der Europäischen Gemeinschaft selbstverständlich. Sie war gewissermaßen das Bindemittel, das die Mitgliedstaaten zusammengefügt hat."

Finanzielle Transfers innerhalb der Gemeinschaft seien bis heute selbstverständlich. Davon habe auch Deutschland vor allem nach der Wiedervereinigung profitiert. Dass die wirtschaftlich starken Mitglieder mehr leisten müssen und die schwächeren mehr erhalten, sei am Ende selbst von Margaret Thatcher bei all ihrem britischen Eigensinn niemals grundsätzlich infrage gestellt worden. Heute gelten wir Deutsche als „Anführer der EU-Intoleranz“, so der neue italienische Ministerpräsident Mario Monti.

"Viele der Ratgeber aus Wissenschaft und Wirtschaft vergessen, dass es in der jetzigen Verschuldungskrise nicht ausschließlich um ökonomische Fragen geht.", schreibt Teltschik. "Die Integration Europas war von Anfang an zuallererst ein politisches Ziel und ist es bis heute." Die Einführung des Euros als gemeinsamer Währung sei für Bundeskanzler Helmut Kohl eine Frage von Krieg und Frieden gewesen. Er wollte mit diesem Schritt die europäische Integration „irreversibel“ machen und damit den Frieden in Europa dauerhaft sichern. "Das scheinen viele öffentlichen Ratgeber nicht wahrhaben zu wollen. Bundeskanzlerin Merkel habe deshalb recht, wenn sie immer wieder mit Nachdruck sage: „Wenn der Euro scheitert, scheitert die Europäische Union.“

Viele Verantwortliche in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft seien heute dabei, die Solidarität mit unseren europäischen Partnern aufzukündigen. Das alles spiele sich in einem Augenblick ab, in dem die Zukunft der Euro-Zone und damit das Schicksal der Europäischen Union maßgeblich von der Politik Deutschlands abhängen. "Unsere Partner erwarten gerade auch heute von der deutschen Politik konzeptionelle Beiträge zur Lösung der anstehenden Probleme", so Teltschik. 

Von

cr

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

23.01.2012, 21:09 Uhr

Solidarität für Europa? Für welche Interessensgruppe äußert sich, hier, Herr Teltschick?

Diese Solidarität erweist Deutschland seit Jahrzehnten. Und genauso lange wurde die italienische Lira gestützt, trotz mehrfacher Abwertung, wurden Verluste aus den Abwertungen des Franc, mit populistischem Europa Gehabe hingenommen, wurde Spanien und Portugal gestützt. Herr Teltschick, wird keine Inflation spüren, diese wird ja seit Jahren "belächelt". Aber, die normalen menschen hier im Land, die wollen keinen endlosen Weg nach Europa. Wir wurden mit der Einführung des EURO, mit einer Art Lügenteppich überzogen. "Der EURO ist so stabil, wie die D- Mark". Ja, wenn wir diesen jahrelang mit hunderten Milliarden ständig unterfüttern. Während Hartz4`ler nach 2 Wochen kein Geld mehr haben, weil alles, aber auch alles, im stetigen Teuerungsprozess begriffen ist. Weil Energie, bereits heute, für viele, unter uns, zum Luxus geworden ist. Währenddessen wird einem ominösen Europa, das uns Deutsche nur noch Unglück bringen wird, Herrn Teltschick sicher nicht, das Geld und Vermögen von uns Deutschen nur so in den endlos tiefen Rachen geschmissen. Auf die Art und Weise, wurde Deutschland nach dem 1. WK., in die Pleite gehetzt. Lieber eine Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Und raus aus dem EURO! Nach wie vor kann die Bundesbank indirekt über das TARGET2 ausgeblutet werden, keiner hat den Mut den Abfluss unseres Geldes zu stoppen. Bereits das Vermögen eines ganzen Jahreshaushaltes, haben sich die Schuldner-Staaten abgebucht. Herr Steinbrück, im Jahr 2007 Finanzminister, hinterließ uns diese "Lücke".

Rainer_J

23.01.2012, 21:34 Uhr

Naiv, naiver, Teltschick. Dieser Bastard hat die Fehlkonstruktion Euro persönlich zu verantworten!

Ex-FDPler

23.01.2012, 21:51 Uhr

Das ist etwas ganz Anderes, als den Deutschen bei der Einführung des Euros versprochen wurde. Teltschick will Krieg in Deutschland! Er will, dass die Bevölkerung die politische Klasse lyncht. Anders vermag ich das nicht zu verstehen!
Die CDU ist auf dem völlig falschen Weg. Deutsche, die gnadenlos Deutsche für ein "politisches Projekt" versklaven wollen, sollten sich hüten. Denn der Zorn wird sie treffen. Die Deutschen werden sich nicht versklaven lassen!
RAUS AUS DEM EURO!

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