Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.08.2011

18:52 Uhr

Euro-Krise

IG-Metallchef Huber plädiert für europäische Wirtschaftsregierung

ExklusivDie Forderung von IG-Metallchef Berthold Huber ist in Deutschland nicht sehr populär. Er will eine einheitliche und demokratisch legitimierte europäische Wirtschaftsregierung.

IG Metallchef Berthold Huber. Quelle: Reuters

IG Metallchef Berthold Huber.

BerlinIG-Metall-Chef Berthold Huber nennt in einem Gastkommentar für das Handelsblatt die "mangelnde Fantasie und damit verbundene mangelnde Entschlossenheit einer überwiegend technokratischen Politiker-Elite" als größte Gefahr für Europa. Die EU stecke in ihrer tiefsten Krise, die lasse sich aber mit Mut und politischem Willen überwinden: "Ich kann James K. Galbraith nur zustimmen: Eine einheitliche europäische Struktur wäre größer und mächtiger als die Finanzmärkte."

Konkret schlägt Huber vor, eine "einheitlich agierende, demokratisch legitimierte und mit Weisungsrecht ausgestattete europäische Wirtschaftsregierung" zu schaffen. Es reiche nicht aus, europaweit eine strikte Schuldengrenze durchzusetzen. Europa müsse gleichzeitig die Staatsfinanzen konsolidieren und sinnvolle europäische Investitionsprojekte anschieben.

Als weitere europäische Aufgabe nennt der Gewerkschaftschef die Energiewende: "Sie bietet die große Chance, ein politisch verbindendes und ökonomisch erfolgreiches Europa-Projekt zu initiieren, ein großes Investitionsvorhaben, das wirtschaftliche Dynamik entwickelt und sich am Ende rechnet." Was die Finanzierung angeht, hält Huber es für sinnvoll, Vermögende zu beteiligen: über eine fest verzinsliche "Zukunftsanleihe".

Huber wendet sich gegen chauvinistische Töne in der Debatte wie das "Märchen von arbeitsfaulen und früh verrenteten Südeuropäern." Mittlerweile verlaufe die Debatte anders, nämlich entlang der Linie: keine deutschen Steuergelder für die verfehlte Schuldenpolitik der anderen. Darin entdeckt der IG-Metallchef sowohl einen richtigen Kern - die Konsolidierung - als auch eine Aufforderung zum nationalen Alleingang, den er klar ablehnt.

Für Huber sollte das überwölbende Motto immer noch Willy Brandts Wort von 1979 sein: "Es gehört uns allen, dieses Europa!"

 

Von

th

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Roman

10.08.2011, 20:02 Uhr

So So, Auch die IG Metall...
Gibt es denn in Deutschland nicht mal mehr EINE Institution die sich für den deutschen Bürger einsetzt?? Will Huber Chef einer Europa IG Metall werden?? Was sind seine Absichten? Nachdem die Gewerkschaften schon den Reallohnverlust der Deutschen in den letzten 10 Jahren hingenommen haben... Wollen wir den in Zukunft Europa Ingenieure? Europa Ärzte? Europa Bauern? Am besten wir harmonisieren gleich noch die Fruchtbarkeit der Böden, damit alle die gleichen Chancen haben...
Der Angriff der Aushölung der deutschen Wirtschaftskultur hat begonnen ganz neben bei, eine der besten der Welt bisher.. Best practice ist wohl nicht mehr gewollt... naja, wenigstens kennen wir nun die Gesichter falls es schief läuft, und das wird es! Fragen wir doch mal die Zentralwirtschaft in Moskau....

Buerge-r

10.08.2011, 20:05 Uhr

"Eine einheitliche europäische Struktur wäre größer und mächtiger als die Finanzmärkte."

Wenn diese Struktur auf dieser Illusion eines gegeneinander - unser edler politische Wille GEGEN "die" bösen (Finanz)märkte - beruht, wird sie enden wie die Sowjetunion. Der Markt, das (Bauch)-Gefühl hat immer den längeren Atem. Deshalb macht es keinen Sinn gegen "den" Markt irgend etwas zu veranstalten. Schon gar nicht, wenn man unter Schizophrenie leidet und die bösen Märkte tagsüber bekämpft und in der Dunkelheit der Nacht füttert.

Denn mit den "bösen" Finanzmärkten meint Huber wohl deren Übertreibungen (Zockerei, Blasen, Derivate, Instabilität). Diese wird aber gerade durch hemmungslose Zentralbanken mit ihren nicht endenden Falschgeldemissionen erst ermöglicht und gedopt. Hier muss er sich zunächst um den Chef seines gewerkschaftsnahen Wirtschaftsforschungsinstitut Bofinger kümmern, der noch mal den Turbo bei der Produktion neuer Jetons (Eurobond, Gelddrucken, Staatsverschuldung) zünden und die Krebsgeschwulst dieser betrügerischen und entarteteten Finanzmärkte mit noch mehr Stoff versorgen und so noch mehr mästen möchte.

Alles in allem versuchen kluge Leute sich die Naturkräfte, zu denen die Marktkräfte gehören, nutzbar zu machen, sie zu lenken und zu kanalisieren, was eine Kunst ist aber stellen sich nicht als Herren der Welt über die Natur, wodurch sie nur Exzesse und Psychosen ernten und scheitern werden (s. Ostblock).

axelklug

11.08.2011, 08:56 Uhr

Nun ja, als "Naturkräfte" kann man die Auswüchse der Märkte wohl eher nicht bezeichnen. I die Finanzpolitik gehört,wie in anderen Politikbereichen üblich, eine solide Ordnungskomponente. D.h., wenn bestimmte Benchmarks überschritten werden muß der Staat oder die EU (je nachdem wie dies politisch gewollt ist) einen Riegel vorschieben. Aus Gründen des Gemeinwohls! (Dies hat nichts mit Gemeinheit zu tun und darf sich auch nicht, wie das Wort schon zeigt, auf Partikularinteressen reduzieren.)

Ansonsten sollten alle Eurosceptics mal daran denken, wie sich die Deutschen fühlen , wenn der wildgewordene "Börsenderwisch" auf die Idee kommt gegen Deutschland zu wetten! Wetten dass dann alle rufen: Wo ist Europa? Wer hilft jetzt uns? Die Thatcher´sche Devise "I want my money back" funktionierte nicht in UK (die langfristigen Folgen sind gerade zu beobachten), wird in D´land nicht funktionieren und eben auch nicht in der EU.
MfG A.K.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×