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16.04.2015

09:39 Uhr

Euro-Krise

Schäuble setzt Euro-Ultimatum für Griechenland

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Griechenland ein Ultimatum für den Verbleib in der Euro-Zone stellen. Bis zum 30. Juni soll Athen eine Lösung finden. Die EU-Mitgliedschaft wird jedoch nicht in Frage gestellt.

Wolfgang Schäuble will Griechenland zum Handeln bewegen. Bis zum 30. Juni soll Athen eine Lösung im Schuldenstreit finden. Andernfalls droht der Euro-Ausschluss. AFP

Bundesfinanzminister:

Wolfgang Schäuble will Griechenland zum Handeln bewegen. Bis zum 30. Juni soll Athen eine Lösung im Schuldenstreit finden. Andernfalls droht der Euro-Ausschluss.

Berlin„Wenn Griechenland in der Eurozone bleibt, dann muss es halt die Voraussetzungen dafür schaffen,“ erklärt Schäuble in einem Interview mit Bloomberg News im Vorfeld der Tagung des Internationalen Währungsfonds in Washington. „Was immer in Griechenland passiert: Griechenland bleibt Teil Europas und der Europäischen Union“. Spätestens bis zum Ende des laufenden Rettungs-Programms am 30. Juni müsse Griechenland jedoch eine Lösung finden. „Es hängt ausschließlich an Griechenland“.

Schäuble distanzierte sich von einem Bericht der Wochenzeitung Die Zeit, wonach die Bundesregierung an einem Plan arbeite, im Falle eines Zahlungsausfalls Griechenlands, den Verbleib des Landes in der Eurozone zu sichern. Zehnjährige griechische Anleihen waren in der Folge hochgeschnellt und Bankaktien des Landes auf den niedrigsten Stand seit mindestens 20 Jahren abgesackt.

„Solche Pläne haben wir nicht, und wenn wir daran arbeiten würden, weil man in einem Ministerium natürlich über alles nachdenkt, dann würden wir jedenfalls nicht darüber reden“, so Schäuble.

Wenn Griechenland die noch ausstehenden Mittel in Anspruch nehmen will, muss die Regierung in Athen mit den drei Institutionen, dem Internationalen Währungsfonds, der Europäischen Zentralbank und der Europäischen Kommission eine Einigung über die Umsetzung des Reformprogramms erzielen. „Andernfalls können wir nicht auszahlen.“

Gewinner und Verlierer der Euro-Schwäche

Der Euro auf Talfahrt

Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten – erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Wer profitiert von der Euro-Schwäche und wem tut sie weh? (Quelle: dpa)

Gewinner: Die Exporteure

Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger – etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. In der Eurozone spielt der Wechselkurs aber keine Rolle.

Gewinner: Die Konjunktur

Mehr Exporte, mehr Produktion, mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Gewinner: Die DAX-Konzerne

Die lockere Geldpolitik der EZB könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen – allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

Verlierer: Importeure

Wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“

Verlierer: Die Urlauber

Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Für Touristen aus Amerika oder China wird ein Trip in die Eurozone aber attraktiver.

Verlierer: Die Unternehmen

Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

Verlierer: Die Nicht-Eurostaaten

Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner.

Dem griechischen Volk werden bei den Forderungen der Athener Regierung nach Reparationen, Hoffnungen gemacht, die unrealistisch seien, monierte er zudem. Auch eine Schuldenrestrukturierung sei derzeit kein Thema. „Wenn Griechenland Unterstützung will, werden wir diese Unterstützung wie in den letzten Jahren geben, aber natürlich im Rahmen dessen, was wir vereinbaren“. Ein bilaterales Treffen mit dem griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis ist am Rande des IWF-Treffens in Washington nicht geplant.

Die Ratingagentur S&P hat am Mittwochabend die Bonitätsnote von Griechenland von „B-“ auf „CCC+“ abgestuft und den Ausblick als „negativ“ eingestuft. Die Bedingungen hätten sich verschlechtert wegen der Unsicherheit, die sich aus den sich hinziehenden Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und seinen Kreditgebern ergibt, hieß es zur Begründung.

Kommentare (12)

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Herr shar wes

16.04.2015, 11:26 Uhr

Sehr gut, es ist zwingend eine finale Entscheidung herbeizuführen! Anderenfalls wird sich in 100 Jahren nichts ändern und zum Wohle meiner Kinder ist der Austritt von Griechenland zwingend. Besser noch ein Austritt von Deutschland aus diesem kommunistisch sozialistischen Verteiler Gebilde!

Herr shar wes

16.04.2015, 11:27 Uhr

Ach ja übrigens am Besten auch Griechenland raus aus EU und auch NATO, dann können die Grien mit dem schönen Russland oder China oder sonst wem!

Herr Jürgen Bertram

16.04.2015, 12:16 Uhr

"Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble will Griechenland ein Ultimatum für den Verbleib in der Euro-Zone stellen."

Da stellt sich die Frage ob er das mit der Chefin, Mutti Merkel, abgestimmt hat?

Auffällig ist in jedem Fall, dass es das Thema Griechenland (nicht nur beim Handelsblatt) inzwischen nicht mehr auf die Startseite "schafft" - ein Schelm wer Böses dabei denkt..........

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