Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.11.2013

11:15 Uhr

Euro-Krisenländer

Schäuble sieht keine Ansteckungsgefahr mehr

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble lobt die Arbeit der EZB – und warnt dafür, die Maßnahmen der Währungshüter überzustrapazieren. Denn eines dürfe nicht passieren: Dass die Euro-Staaten Reformen vernachlässigen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Lob für die EZB und die Euro-Krisenstaaten. dpa

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU): Lob für die EZB und die Euro-Krisenstaaten.

BerlinDer amtierende Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat vor Fehlanreizen durch die anhaltende Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gewarnt. Die EZB sorge besser für Preisstabilität als ihre Vorgänger, sagte Schäuble am Samstag in Berlin. Es müsse aber darauf geachtet werden, dass mit der Geldpolitik nicht Anreize gemacht werden, Reformen in Euro-Ländern zu verschleppen, sagte Schäuble beim „Führungstreffen Wirtschaft der "Süddeutschen Zeitung"“.

Die Euro-Länder sind nach Einschätzung Schäubles weiter auf dem Weg der Besserung. In den Krisenländern seien Fortschritte zu verzeichnen: „Der Euro ist stabil, die Finanzmärkte sind nicht mehr beunruhigt.“ Es gebe keine Ansteckungsgefahren mehr. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen seien deutlich zurückgegangen. „Die Euro-Zone ist aus der längsten Rezession ihrer Geschichte heraus.“ Das Wachstum sei gering, aber die Wirtschaft lege zu.

Die Folgen der EZB-Niedrigzinspolitik

Schulden steigen

Künstlich niedrig gehaltene Zinsen befördern die Schuldenwirtschaft, insbesondere die der Staaten und der Bankenindustrie.

Spekulationswellen

Künstlich tiefe Zinsen lösen (inflationäre) Spekulationswellen aus, führen zu „Boom-and-Bust“-Zyklen: überhitzte Situationen, in denen, wenn niemand mehr bereit ist, Kredite zu finanzieren, alles in sich zusammenbricht.

Fehlinvestitionen werden künstlich am Leben gehalten

Ein künstlich tief gehaltener Zins befördert, dass unprofitable Investitionsprojekte also Fehlinvestitionen aufrecht gehalten werden.

Verminderter Reformdruck auf Krisenländer

Werden die Zinsen künstlich abgesenkt, so verringert sich der Reformdruck auf Regierungen und Banken, ihre Haushalte beziehungsweise Bilanzen zu verbessern.

Mit Spanien und Irland beendeten die ersten beiden Länder die Hilfsprogramme, Portugal folge im kommenden Jahr. Griechenland habe bessere Wachstumszahlen erzielt als erwartet und sei bei der Reduzierung des staatlichen Defizits schneller vorangekommen. Dem sollte Respekt gezollt werden, betonte Schäuble.

Der griechische Regierungschef Antonis Samaras sprach sich angesichts der Reformerfolge erneut für Erleichterungen beim Schuldenabbau aus. Sollte sich der Primärüberschuss im Athener Etat bestätigen, sollten die Euro-Partner - wie vor einem Jahr zugesagt - prüfen, Griechenland bei seinem Schuldenproblem zu helfen. „Wir benötigen nicht mehr und kein neues Programm“, stellte Samaras klar.

Griechenland erzielt den Primärüberschuss - einen Etat-Plus ohne Berechnung der Zinsen, die das hoch verschuldete Euro-Krisenland an seine Gläubiger zahlen muss - ein Jahr früher als erwartet. Laut Samaras ist es der höchste in der Euro-Zone. Wie am Freitag beim Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies Samaras auch auf das leichte Wirtschaftswachstum nach harten Rezessionsjahren.

Griechenland sei kein aussichtsloser Fall und habe ein „spektakuläres Comeback“ hingelegt. Es gebe Licht am Ende des Tunnels. „Aber wir schalten nicht auf Autopilot“, sagte Samaras. Weitere Reformen müssten angegangen und das Wachstum beschleunigt werden. Dazu gebe es in Griechenland eine stabile Regierung.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×