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11.06.2011

15:19 Uhr

Euro-Schuldenkrise

Kanzlerin Merkel sieht Aufschwung gefährdet

Kanzlerin Merkel hat eindringlich für neue Milliarden-Hilfen für Griechenland geworben. Die Schuldenkrise im Euro-Raum drohe den Aufschwung zu gefährden - eine zweiter Fall Lehman müsse unbedingt verhindert werden.

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands. Quelle: dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel warnt vor den Folgen einer Staatspleite Griechenlands.

BerlinIm Ringen um neue Milliardenhilfen für Griechenland hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) vor massiven Folgen im Falle einer Staatspleite des Schuldensünders gewarnt. „Wir dürfen nichts tun, was den Aufschwung weltweit insgesamt in Gefahr bringt und dann auch in Deutschland wieder in Gefahr bringen würde“, sagte die Kanzlerin in ihrem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast im Internet. „Wenn wir nicht richtig handeln, kann das passieren, aber das wollen wir ja genau verhindern.“

Der Bankrott der US-Investmentbank Lehman Brothers habe in Deutschland 2009 zu einem Wirtschaftseinbruch von fast fünf Prozent geführt, sagte Merkel. Über 60 Prozent des deutschen Exports gingen in den europäischen Bereich. Wenn es allen Europäern gut gehe, gehe es auch der deutschen Exportwirtschaft gut. Wegen der Vorteile des Euro sei es „richtig und gut, dass wir uns auch für den Euro als eine starke Währung einsetzen.“ Deutschland ist derzeit die Konjunktur-Lokomotive in Europa.

Auch FDP-Generalsekretär Christian Lindner sagte, eine ungeordnete Staatsinsolvenz Griechenlands würde Aufschwung und Beschäftigung in Deutschland massiv gefährden. „Übrigens auch die Ersparnisse der Bürger. Wir dürfen einen zweiten Fall Lehman Brothers nicht zulassen“, sagte Lindner der „Frankfurter Rundschau“ (Samstag).

Griechenland steht vor der Staatspleite, wenn keine Lösung für das hoch verschuldete Land gefunden wird. Athen hatte bereits vor gut einem Jahr ein Paket von Europäern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) von 110 Milliarden Euro erhalten. Die nächste Tranche von 12 Milliarden Euro ist im Juli fällig - Athen braucht sie dringend, freigegeben ist sie noch nicht.

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte am Freitag im Bundestag gesagt, um die Juli-Tranche auszahlen zu können, seien weitere Hilfen und ein Anpassungsprogramm nötig. Den Umfang eines neuen Rettungspakets bezifferte Schäuble nicht. Zuletzt war die Rede von einem Finanzbedarf von 90 bis 120 Milliarden Euro - je nach Dauer und Einbindung der Gläubiger und möglicher Privatisierungserlöse. Spekuliert wird über ein Kreditpaket von etwa 60 Milliarden Euro.

Die Finanzminister der Eurozone wollen sich an diesem Dienstag (14.6.) in Brüssel treffen, wie in Kreisen der Eurogruppe bekanntwurde. Diplomaten rechnen damit, dass das neue Rettungspaket für Griechenland besprochen werden soll.

Die Bundesregierung hatte am Freitag breite Rückendeckung der schwarz-gelben Koalition für ihren umstrittenen Griechenland-Kurs mit weiteren Milliarden-Hilfen erhalten. Union und FDP knüpften ihre Zustimmung aber an Bedingungen. So müssten private Geldgeber an einem zweiten Hilfspaket beteiligt werden.

Kommentare (24)

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11.06.2011, 16:21 Uhr

Ach, diese Frau Kanzlerin macht sich Sorgen; die machen wir uns Bürger seit Jahren. Da wird eine Abwrackprämie für gute, fahrtüchtige PKWs beschlossen: Milliarden werden abgewrackt!
Der hastige Beschluss zur AKW-Abschaltung verbrennt weitere Milliarden!
Weitere unsinnige zig-Milliarden werden für die Rettung insolventer Eurostaaten vergeudet!!!
Sehr geehrte Frau Kanzlerin, treten Sie sofort zurück!!!
Lasst uns gemeinsam diese unfähige Kanzlerin stürzen, sofort!!!

marc

11.06.2011, 16:31 Uhr

Griechenland ist für den EURO irrelevant, das muss jedem klar sein. Das BIP Griechenlands entspricht etwa der Hälfte bis zwei Dritteln des BIP von Baden-Württemberg. Als Exportmarkt spielt Griechenland nicht die geringste Rolle, da kaum Industrie vorhanden ist - abgesehen von Reedern, die dort immer noch auf erheblichen Reichtümern sitzen.
Griechenland jetzt aus der Währungsgemeinschaft auszuschließen würde Konsequenz zeigen und dem Euro mehr nützen, als es ständig weiter zu stützen. Die Griechen haben von Anfang an mit gefälschten Zahlen gelogen und sollten jetzt die Konsequenzen tragen. Für den Rest Europas ist ein Verbleib Griechenlands im EURO deutlich schädlicher als ein schneller und konsequenter Ausschluß.
Handeln Sie endlich, Frau Merkel, anstatt ständig nur zu lamentieren!

twain

11.06.2011, 16:57 Uhr

Mit Verlaub: Griechenland Lügen zu unterstellen wäre in Anbetracht der allgemeinüblichen Arbeiten an Bilanzen nicht nur unfair sondern unaufrichtig.

Wenn schon Wahrheiten, dann bitte die ganzen Wahrheiten.

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