Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.05.2015

12:47 Uhr

Europäische Integration

Gauck warnt vor „Rückkehr in Nationalismen“

Ohne die Europäische Union wäre Deutschland „nicht so stabil, nicht so sicher und nicht so frei“, sagt Bundespräsident Joachim Gauck bei der Verleihung des Karlspreises. Trotzdem sorgt er sich um das europäische Projekt.

Bundespräsident Joachim Gauck winkt in Aachen vor der Verleihung des Karlspreises dem Publikum zu. dpa

Verleihung des Karlspreises

Bundespräsident Joachim Gauck winkt in Aachen vor der Verleihung des Karlspreises dem Publikum zu.

AachenBundespräsident Joachim Gauck hat eindringlich für den Zusammenhalt in Europa geworben. Eine „Geschichte von der Rückkehr eines Europa der konkurrierenden Nationalismen möchte ich nicht erleben“, sagte Gauck am Donnerstag bei der Zeremonie zur Verleihung des Aachener Karlspreises an den Präsidenten des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD). In einigen Mitgliedsstaaten sinke die Bereitschaft, sich weiterhin einzulassen auf eine gemeinsame Zukunft. Das Wachstum von Kritik in vielen europäischen Staaten sei „alarmierend“.

Der Bundespräsident versicherte zugleich, Deutschland werde „ein verlässlicher Anwalt des europäischen Einigungsprozesses“ bleiben. Es werde weiter „unbeirrt und intensiv“ an der Union mitbauen. Nie sei Deutschland europäischer als heute gewesen, es sei ein „zuverlässiger Stabilitätsanker“. Ohne die Union wäre Deutschland „nicht so stabil, nicht so sicher und nicht so frei“.

Gauck lobte auch die bisherigen Reformanstrengungen in der EU. Es seien weitreichende Reformen eingeleitet worden, sagte der Bundespräsident. So werde die Union demokratischer, weil die Rechte des Europäischen Parlaments ebenso gestärkt seien wie das Initiativrecht der Bürger. Die Eurozone wappne sich durch neue Regeln gegen künftige Finanz- und Schuldenkrisen. „Im Angesicht der russischen Landnahme in der Ukraine haben wir gemerkt: wenn unsere Union herausgefordert wird, agiert sie geschlossen und entschlossen“, sagte Gauck zur Ukraine-Krise.

Meilensteine der EU

25. März 1957

Die Bundesrepublik Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und die Niederlanden schließen die Römischen Verträge zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und der Europäischen Atomgemeinschaft (EURATOM).

1968

Die Länder der EWG vollenden den Binnenmarkt und schaffen alle Zölle auf gegenseitige Exporte und Importe ab.

1. Januar 1973

Dänemark, Irland, Großbritannien und Nordirland treten der EWG und EURATOM bei.

1. Januar 1981

Griechenland tritt der EWG bei.

1. Januar 1986

Portugal und Spanien treten der EWG bei.

7. Februar 1992

Maastrichter Vertrag über die Europäische Union. Die europäische Zusammenarbeit wird über die Politik hinaus auf Bildung, Kultur, Gesundheitswesen, Verbraucherschutz, Industrie, Entwicklungshilfe, Außen- und Sicherheitspolitik, Justiz und Inneres erweitert. Außerdem wird die Gründung der europäischen Gemeinschaftswährung Euro beschlossen.

1. Januar 1995

Österreich, Schweden und Finnland treten der Europäischen Union bei.

16 März 1995

Inkrafttreten des Schengener Abkommens über den Wegfall der Personenkontrollen an den Binnengrenzen.

1. Januar 1999

11 EU-Länder führen die Gemeinschaftswährung Euro ein – darunter Deutschland. Zunächst als Buchgeld, ab 1. Januar 2001 mit eigenen Münzen und Scheinen.

1. Mai 2004

Die EU erweitert sich nach Osten und nimmt Polen, Tschechien, Ungarn die Slowakei, Slowenien und die drei baltischen Staaten auf. Außerdem treten Zypern und Malta der EU bei.

1. Januar 2007

Bulgarien und Rumänien werden EU-Mitglied.

10. Dezember 2012

Die EU erhält den Friedensnobelpreis wegen ihres Beitrags zur Förderung von Frieden, Versöhnung und Demokratie.

Der Bundespräsident erinnerte auch an weitere Krisen und Bedrohungen. Vor den Toren der Union sprächen die Waffen – ob in Libyen oder im Irak, in Syrien oder in der Ukraine. „Es sind oftmals Ideologen, Nationalisten, Fanatiker und Terroristen, die Frieden und Freiheit der Völker bedrohen“, sagte Gauck. Es gehe um die Grundlagen der Friedensordnung, die Bedrohung grundlegender Werte und Haltungen sowie um Sicherheit. Immer wenn es um Fundamentales gehe, „ist es unerlässlich, dass wir Europäer eng zusammenrücken“.

Gauck appellierte auch an die Verantwortung der Bürger: „Zum ersten Mal sind alle Bürger der Union gefordert, für das gemeinsame Europa zu streiten und zu kämpfen.“ Zum ersten Mal werde eine Krise im europäischen Einigungsprozess „nicht allein durch die Entschlossenheit politischer Eliten zu überwinden sein“.

Von

afp

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ingo Ulrich

15.05.2015, 09:17 Uhr

" „nicht so stabil, nicht so sicher und nicht so frei“"

Was ist das für eine Aussage ?
Die Stimmung und das Vertauen in Europa untereinander war vor der Einführung der Euro-Währung und der zu schnellen, kopflosen EU-Erweiterung stabiler, sicherer und freier !!!

Speziell seit Rot/Grün mit Ihrer Deregulierungs-Orgien (u.a. Finanzen + Arbeitsrecht) wurden die EU-Bürger betrogen, ausgetrickst und belogen ! Es wurde eine Scheinwelt aufgebaut !

Dieser kranker, krimineller Lobbyismus in D und in der EU nahm seinen europafeindlichen Lauf !

Dieser Schaden, die diese Clique aus Politik+Lobby angerichtet haben, müssen juristisch verfolgt und die verantwortlichen bestraft werden !

Ein Rückschritt bis ins 19. Jahrhundert wurde in einigen Bereichen politisch gewollt unser Europa "entwickelt" !!! Zuwider !

Herr Manfred Zimmer

15.05.2015, 09:23 Uhr

Ihre Kritik ist berechtigt, aber Sie vergessen seine Herkunft.

Aus Sicht ehemaliger DDR-Bürger mag dies was hier als frustrierend empfunden wird als "blühende Wiese" erscheinen.

Sehen wir alles, was der Mann so sagt, aus diesem Blickwinkel.

Wenn ein Herr Gauck jetzt diese Diäten und Pensionsansprüche eines Bundespräsidenten erhält, dann drückt er in seinen Reden nichts Anderes als seine Zufriedenheit aus. Das muss auch jeder im Westen neidlos anerkennen.

Herr Wolfgang Trantow

15.05.2015, 10:20 Uhr

Wieder warnt Hr. Gauck vor Deutschland! Warum weigert er sich hartnäckig für Deutschland/Deutsche einzusetzen. Er vernichtetDeutschland vorsätzlich indem er die Weltbevölkkerung aufruft: Kommt nach Deutschland. Wir zahlen alles, da wir reich sind. Unseren kaputten Staat, Infrastruktur, Bildung, Sozialsystem, welche er mit zerstört, interessieren ihn nicht. Hauptsache er kann, sein Amtseid wohl entsprechend, Deutschland zu Grunde richten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×