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23.12.2013

07:17 Uhr

Ex-EZB-Direktor Asmussen

„Nur arbeiten macht nicht glücklich“

Der Wechsel von Jörg Asmussen vom EZB-Direktorium zum Staatssekretär im Arbeitsministerium ist ein Abstieg auf der Karriereleiter. Mit dem Schritt will er mehr Zeit für seine Familie haben, sagt er.

„Ich bin im Jahr 2013 rechnerisch zehnmal um den Globus geflogen“: der ehemalige EZB-Direktor Jörg Asmussen. dpa

„Ich bin im Jahr 2013 rechnerisch zehnmal um den Globus geflogen“: der ehemalige EZB-Direktor Jörg Asmussen.

DüsseldorfDer bisherige EZB-Direktor Jörg Asmussen hat die privaten Gründe für seinen Wechsel von der Europäischen Zentralbank ins Bundesministerium für Arbeit und Soziales näher erläutert. „Der Dienstsitz Frankfurt und die häufigen Dienstreisen waren auf Dauer nicht mit dem Familienwohnsitz Berlin und insbesondere meinen sehr jungen Kindern zu vereinbaren“, sagte Asmussen, der Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) als Staatssekretär zuarbeiten wird, der „Rheinischen Post“ (Montagsausgabe). „Ich bin im Jahr 2013 rechnerisch zehnmal um den Globus geflogen.“ Sein Job-Wechsel habe „ausschließlich“ private Gründe, versicherte Asmussen.

Überhaupt beobachtet Asmussen eine neue Prioritätensetzung bei männlichen Spitzenpolitikern, die sich mit dem Motto zusammenfassen lasse: „Der Job kann noch so toll sein, nur arbeiten macht nicht glücklich.“ Änderungsbedarf sieht der studierte Volkswirt aber auch in der übrigen Arbeitswelt. „Wir werden als Gesellschaft insgesamt dafür sorgen müssen, dass unsere Arbeit so organisiert wird, dass sie mit den unterschiedlichen Lebensphasen, wie Kindererziehung oder zu pflegenden Angehörigen, besser zusammenpasst“, sagte er der „Rheinischen Post“.

Tipps für den Jobwechsel

Aktiv werden, statt frustriert sein

Lassen Sie sich nicht frustrieren. Im Gegensatz zu manch Anderen haben Sie das Glück, noch einen festen Job zu haben. Werden Sie aktiv, nutzen Sie die Zeit lieber, die Fühler nach Alternativen auszustrecken und Businesskontakte aufzubauen.

Den Jobwechsel gut abwägen

Bevor Sie das Handtuch werfen und den Jobwechsel ansteuern, hinterfragen Sie bitte alle Pro- und Contra-Punkte dieser Entscheidung. Haben Sie schon einen neuen Job in Aussicht bzw. wirklich sicher? Wunderbar! Zeichnet sich da noch so ganz und gar keine Alternative ab, harren Sie lieber noch ein wenig aus und nutzen Sie die Zeit dazu, aus gesicherter Position heraus auf Jobsuche zu gehen.

Seien Sie Stratege

Auch wenn Sie innerlich bereits gekündigt haben, lassen Sie sich bitte nicht dazu verleiten, im Team schlechte Stimmung zu verbreiten, den Chef durch den Kakao zu ziehen, nur noch das Notwendigste zu tun oder sich wie auch immer geartet zum Unternehmensfeind Nr. 1 zu machen.

Bewerben Sie sich aus sicherer Position heraus

Bewerben aus gesicherter Position heraus macht nicht nur aus finanzieller Sicht wesentlich entspannter, sondern bringt auch bessere Jobaussichten. Jeder Arbeitssuchende wird Ihnen bestätigen, dass es wesentlich schwerer ist, einen neuen Job zu finden, wenn man bereits ohne Anstellung ist. Gehen Sie deshalb nicht erst auf Jobsuche, wenn Sie bereits gekündigt haben, sondern fangen Sie damit bereits an, wenn Ihnen die ersten Kündigungsgedanken kommen.

Nutzen Sie Ihren Feierabend und das Wochenende – nicht die Arbeitszeit - gezielt dazu, sonst stehen Sie am Ende doch schneller auf der Straße, als gewünscht. Gleiches gilt natürlich, wenn Sie sich selbständig machen möchten. Starten Sie damit aus gesicherter Position heraus und wagen Sie den Absprung erst, wenn ein gewisses finanzielles Polster und andere Sicherheiten vorhanden sind.

Steigern Sie Ihren Marktwert

Hat man sich erst einmal dazu entschlossen, den Job zu wechseln, neigt man dazu, träge zu werden und den Joballtag damit zu verbringen, die Zeit totzuschlagen. Seien Sie klüger. Bilden Sie sich aktiv weiter und vertiefen Sie Ihr Wissen. Das erweitert nicht nur Ihre Fachkenntnisse, sondern erhöht zudem Ihren Marktwert. Natürlich gilt auch hier: Bitte nicht während der Arbeitszeit!

Knüpfen Sie ein Netzwerk von guten Kontakten

Nutzen Sie die Zeit im gesicherten Job dazu, aus Ihrer jetzigen Position heraus Kontakte zu knüpfen. An viele offene Stellen kommt man heutzutage über Vitamin B, also gute Beziehungen. Wer da die richtigen Leute kennt und durchschimmern lässt, dass er sich gerade beruflich neuorientiert, kann schneller zu einem neuen Job kommen, als geplant.

Zeigen Sie Präsenz

Nehmen Sie an fachrelevanten Veranstaltungen, regionalen und überregionalen Netzwerktreffen, Karriere- und Existenzgründermessen etc. teil oder tummeln Sie sich in Online Netzwerken wie z.B. Xing. Dabei sind auch private Aktivitäten förderlich. Wer weiß, vielleicht hat der eine oder andere Bekannte ja einen guten Tipp für eine offene Stelle. Wenn Sie eine eigene Firma gründen möchten, bauen Sie schon jetzt Kontakte zu potenziellen Kunden auf.

Luft anhalten und durch

Auch wenn es manchmal schwer fällt - reißen Sie sich am Riemen, atmen Sie beim nächsten Zoff mit den Kollegen lieber einmal mehr durch, anstatt laut zu werden und stehen Sie innerlich lächelnd über den Dingen. Schließlich haben Sie doch noch Größeres vor!

Quelle: www.careerbuilder.de

Asmussen hatte seine achtjährige Amtszeit als EZB-Direktoriumsmitglied am 1. Januar 2012 angetreten. Davor war er Staatssekretär im Finanzministerium, erst unter Ressortchef Peer Steinbrück (SPD), später dann unter Wolfgang Schäuble (CDU). Seine Funktion bei der EZB soll Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger übernehmen. Bevor sie ihren neuen Job antreten kann, muss die Bundesregierung aber noch das Europaparlament konsultieren, bevor schließlich der EU-Ministerrat der Mitgliedstaaten über die Personalie abstimmt.

Von

afp

Kommentare (21)

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leopard

23.12.2013, 08:04 Uhr

"„Wir werden als Gesellschaft insgesamt dafür sorgen müssen, dass unsere Arbeit so organisiert wird, dass sie mit den unterschiedlichen Lebensphasen, wie Kindererziehung oder zu pflegenden Angehörigen, besser zusammenpasst“, sagte er der „Rheinischen Post“. - Weihnachtliche Seifenblasen. Wenigstens ist er offen und zeigt deutlich, dass man als ministeriell Angestellter viel Zeit im Hinterzimmer bekommen kann. Den Einstiegs-BAT wird er dennoch nicht bekommen, aber soviel Zeit wie diese Leute...

Kapturak

23.12.2013, 08:48 Uhr

Die Gründer der sozialen Marktwirtschaft und der DM sind nicht zehnmal um den Globus geflogen, aber sie haben im Gegensatz zu Asmussen etwas geschaffen, das ein Vorbild für ganz Europa hätte sein können. Der Karrierist Asmussen gehört zu denen, die all das kaputt machen.

Account gelöscht!

23.12.2013, 08:51 Uhr

Naja. Er hatte den Job ja gerade mal zwei Jahre. Schon ein wenig seltsam.

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