Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.06.2011

19:40 Uhr

Ex-Finanzminister

Steinbrück fordert Schuldenerlass für Griechenland

VonJan Mallien

Gastvortrag an der Uni Duisburg: Der heimliche SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück warnt vor einem Zerfall des europäischen Währungssystems. "Das würde die Mark aufwerten bis zum Mond."

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück: Europäische Partnerländer im Stich zu lassen, kommt nicht in Frage. Quelle: dapd

Ex-Finanzminister Peer Steinbrück: Europäische Partnerländer im Stich zu lassen, kommt nicht in Frage.

DuisburgEigentlich wollte sich Peer Steinbrück in seinem Vortrag an der Uni Duisburg mit den Konsequenzen der Finanzkrise befassen, doch dann redete er vor allem über Griechenland und kritisierte das Krisenmanagement der Regierung. Deutschland habe in den vergangenen Monaten in Europa stark an Ansehen verloren. "Wir haben zu viele Pirouetten gedreht und unsere Partner und die Märkte verwirrt", sagte der Ex-Finanzminister. Mit Blick auf Griechenland sagte er: "Ohne Umschuldung geht es nicht. Die Alternative ist das Modell des Schreckens ohne Ende."

Der Hörsaal ist brechend voll. An den Gängen und in der Tür stehen Studenten. Doch sie sind im Hörsaal in der Minderheit: Die meisten Steinbrück-Fans haben graue Haare. Sie lauschen ihm, wie er mit dem Mikrofon in der Hand seine Vorstellungen zur Griechenland-Krise skizziert. Er fordert eine Entschuldungskonferenz, an der auch die Rating-Agenturen beteiligt werden sollten. Diese solle eine Umschuldung beschließen. Außerdem müssten sich die Eu-Länder auf ein einheitliches Insolvenzverfahren für Banken einigen. Dies sei umso wichtiger, da im Zuge einer Umschuldung Griechenlands weitere Banken in Schwierigkeiten geraten könnten. Die Krisenländer der EU könnten sich aber nicht allein durch Einsparungen sanieren. Die Wettbewerbsfähigkeit von Griechenland, Irland und Portugal müsse durch ein Investitionsprogramm verbessert werden.

Steinbrück kritisierte, dass Politiker die Europäische Zentralbank (EZB) dazu gedrängt hätten, ausfallgefährdete Staatsanleihen der Krisenländer zu kaufen. Die EZB solle ihre Bilanz säubern und von ihr übernommene Staatsanleihen auf die beiden Euro-Rettungsschirme übertragen. Er schätze das Volumen dieser von der EZB aufgekauften Papiere auf 70 bis 75 Milliarden Euro. Zum Vorschlag einer staatlichen Rating-Agentur sagte Steinbrück: "Einer staatlichen Rating-Agentur trauen die Leute nicht bis zum nächsten Briefkasten."

Europäische Partnerländer im Stich zu lassen, komme nicht in Frage, betonte Steinbrück. „Wenn das europäische Währungssystem zerfällt, würde die Mark aufgewertet bis zum Mond und die Drachme abgewertet bis zum Erdmittelpunkt.“ Dies würde die deutschen Exporte extrem verteuern und in Griechenland politische Instabilität schaffen. „Das ist eine gefährliche Debatte“, sagte Steinbrück. „Deutschland kann es nur so gut gehen wie seinen europäischen Nachbarn.“

Nur in einer Frage gab sich Steinbrück wortkarg. "Ich habe sie akustisch nicht verstanden", sagte er auf die Frage eines Journalisten, der wissen will, wer 2013 SPD-Kanzlerkandidat wird.

Kommentare (13)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.06.2011, 20:10 Uhr

Mensch Steinbrück, zum Flenz säuft man doch keinen Asbach.
Aus gemachten Fehlern nichts gelernt und trotz Buch hat der Kerl immer noch brandgefährliche Ideen drauf.
"Das würde die Mark aufwerten bis zum Mond." ? Nein, das Gegenmittel ist eine Mrd. DM aus der Druckerpresse zur Schuldentilgung und dann kannste hinterm Mond verschimmeln.

Äh, wieviel Mark muß man aufeinander schichten, um den Mond zu erreichen?

Profit

21.06.2011, 20:19 Uhr

Arroganter Wichtigtuer!

nutrix

21.06.2011, 20:44 Uhr

Von welcher Mark und welcher Drachme reden Sie da, bitteschön, Herr Steinbrück?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×