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07.10.2011

14:42 Uhr

Ex-Generalinspekteur

Kujat erklärt Afghanistan-Einsatz für gescheitert

Als der Krieg in Afghanistan begann, war Harald Kujat der oberste Soldat der Bundeswehr. Jetzt stellt er dem Land eine düstere Prognose aus.

Harald Kujat (l.) war einer der Chefplaner für den Afghanistan-Einsatz. AFP

Harald Kujat (l.) war einer der Chefplaner für den Afghanistan-Einsatz.

BerlinDer ehemalige Bundeswehr-Generalinspekteur Harald Kujat hält den internationalen Afghanistan-Einsatz für gescheitert und stellt dem Land eine düstere Prognose aus. „Wenn wir 2014 aus Afghanistan rausgegangen sind, dann werden die Taliban die Macht in wenigen Monaten wieder übernehmen“, sagte Kujat der „Mitteldeutschen Zeitung“ vom Freitag. Der Einsatz habe den politischen Zweck erfüllt, Solidarität mit den USA zu üben. „Wenn man aber das Ziel zum Maßstab nimmt, ein Land und eine Region zu stabilisieren, dann ist dieser Einsatz gescheitert.“ Bei der Bundesregierung stieß diese Einschätzung auf Unverständnis. Alles, was derzeit von der internationalen Gemeinschaft mit tatkräftiger Unterstützung der Bundesrepublik geschehe, diene dem Ziel, auch nach 2014 Afghanistan in die Lage zu versetzen, für eine positive Entwicklung des Lands zu sorgen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Dies betreffe die Sicherheitslage ebenso wie die wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklung. Eine entscheidende Bedeutung komme dafür der Afghanistan-Konferenz in zwei Monaten in Bonn zu. Dort solle es gerade um Wege gehen, wie das von Kujat beschriebene Szenario verhindert werden könne.

Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums sagte, der Aufbau der afghanischen Truppen gehe gut voran. Ziel bleibe, dass der Einsatz mit der Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die Afghanen bis Ende 2014 beendet werde. Es werde aber darüber hinaus ein Engagement geben, dass auf jeden Fall aus einer finanziellen Unterstützung des Militärs bestehen werde. Denkbar sei auch die weitere Beratung und Ausbildung der afghanischen Streitkräfte.

Kujat kritisierte anlässlich des zehnten Jahrestages des Beginns des Afghanistan-Einsatzes: „Wir haben zu lange gebraucht, um zu akzeptieren, dass es sich hier um einen Einsatz handelt, bei dem der Gegner militärisch kämpft und wir militärisch kämpfen müssen.“ Die Argumentation, es gehe um einen Stabilisierungseinsatz, sei zu lange durchgehalten worden. Das Ergebnis sei gewesen, dass die Soldaten nicht das bekommen hätten, was sie bräuchten, um dem Gegner Paroli zu bieten.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

07.10.2011, 12:04 Uhr

Was für eine phantastische Erkenntnis für die getöteten und schwer verletzten deutschen Soldaten und ihre Familien. Über die Kosten für dieses Spielchen will ich in diesem Zusammenhang erst gar nicht reden. Schimpf und Schande über die Verantwortlichen !!

CharlyW.

07.10.2011, 12:15 Uhr

Jedes weitere Blutvergiessen wird sinnlos bleiben. Das war es von Anfang an. Wir wurden alle belogen. Die Verantwortlichen gehören vor Gericht, die Angehörigen der Opfer sollten klagen!

cashca

07.10.2011, 14:05 Uhr

Das habe ich denen schon zu Beginn des Krieges gesagt.
Auch, wenn sie ausgepauert sind und finanziell ebenso am Ende, wenn sie dort die Hütte voll bekommen haben, dann können sie wie ein begossener Pudel abziehen.
Gegen solche länder und Leute kann man nicht gewinnen, es sei denn , man geht voll Pauer mit 500 000 Mann rein um überall gleichzeitig handeln zu können--.
Was die gemacht haben, war doch ein Katze und Maus Spiel.
Wo aus allen Kellerlöchern geschossen wird, da nützt auch die modernste Technik nichts. Aber groß und protzig wurde einmarschiert, jetzt können sie kleinlaut abziehen. Der Westen glaubt immer noch , die "Allmächtigen" der Welt zu sein. Jetzt kommen wir, wir bringen Ordnung und Demokratie-selbstverständlich nach unserer Vorstellung - und das bei dieser Anzahl an Analphabeten - die Demokratie nicht mal schreiben können. Wie vermessen und arrogant muß man da sein.
Hybris kommt vor dem Fall.



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