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14.02.2006

16:32 Uhr

Ex-Minister als Berater gefragt

Wolfgang, der Postensammler

Seit seinem Abschied aus dem Bundeskabinett zieht der SPD-Politiker Wolfgang Clement immer neue, mutmaßlich lukrative Beraterposten an Land - und tut es damit seinem Ex-Chef Gerhard Schröder gleich. So mancher Oppostionspolitiker erregt sich darüber - und hat dabei selber hübsche Pöstchen vorzuweisen.

Wolfgang Clement. Foto: dpa

Wolfgang Clement. Foto: dpa

HB BERLIN. „Wenn ich mit der Politik aufhöre, werde ich Berater“, kündigte Wolfgang Clement vor seinem nicht ganz freiwilligen Ausscheiden aus dem neuen Kabinett an. Seine Pläne setzt der einstige SPD-Superminister in Gerhard Schröders Regierung nun konsequent in die Tat um. Er folgt damit den Vorgaben, die der Ex-Kanzler für sich bei der Suche nach lukrativen Aufgaben für das Leben nach der Politik gesetzt hat.

Ein Aufsichtsratsmandat beim Essener Energieriesen RWE ist der vorerst letzte Posten, den der Ex-Wirtschaft- und Arbeitsminister angenommen hat. Schon eine Reihe weiterer Aufgaben kann der in Wirtschaftskreisen hoch angesehene Sozialdemokrat auf seinen neuen Visitenkarten verzeichnen.

Als Nachfolger des früheren Bertelsmann- Managers Mark Wössner gehört der 65-Jährige bereits seit Dezember dem Aufsichtsrat des Dienstleistungs-Imperiums Dussmann an. Kürzlich wurde Clement in das Kontrollgremium der Berliner Landau Media AG gewählt, einem führenden Anbieter für Medienbeobachtung und Resonanz-Analysen. Von Anfang April an will sich der Ex-Journalist gegen Honorar zudem regelmäßig in der „Welt am Sonntag“ in einer Kolumne zur „Entwicklung der Parteienlandschaft“ äußern, wobei Clement, wie ihn Parteifreunde kennen, nicht nur Freundliches zur SPD einfallen dürfte.

Clements Tätigkeit beim zweitgrößten deutschen Energieversorger, wo Aufsichtsräten Jahrestantiemen von mehr als 20 000 Euro winken sollen, sorgt auch in der eigenen Partei für einige Unruhe. Die RWE-Spitzen wollen demnächst einen Antrag zur Verlängerung der Laufzeit des Atomkraftwerks Biblis A stellen, um eine frühe Abschaltung des Reaktors zu verhindern. Nicht nur in der Opposition gibt es Unmut darüber, dass sich mit Schröder und Clement zwei ausgeschiedene Regierungsmitglieder ausgerechnet in der Energiebranche engagieren. „Vetternwirtschaft“ befürchten etwa Umweltschützer, weil Clement als zuständiger Ressortchef dafür gesorgt habe, dass das Gesetz zum Emissionshandel für den Kraftwerksbetreiber RWE auffällig günstig ausgefallen sei.

Auch Schröders neueste Tätigkeit als juristischer Berater für die frühere Ruhrkohle gefällt nicht allen Sozialdemokraten - auch wenn der Ex- Kanzler für den Freundschaftsdienst an Clements Minister-Vorgänger Werner Müller, der inzwischen den Essener Energiekonzern leitet, kein Honorar berechnet.

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