Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.04.2013

06:14 Uhr

Exklusivumfrage

Deutsche finden den Euro gut

ExklusivSchuldenkrise? Zypern-Rettung? Haftungsrisiken? Egal: Die Deutschen stehen zum Euro. Fast drei von vier Bundesbürgern wollen ihn behalten, zeigt eine Umfrage. Das ist der beste Wert seit der Einführung der Währung.

Zurück zur D-Mark? Das ist für die meisten Deutschen kein Thema. dpa

Zurück zur D-Mark? Das ist für die meisten Deutschen kein Thema.

DüsseldorfGut elf Jahre nach der Einführung des Euros haben die Deutschen ihren Frieden mit der Einheitswährung gemacht. Wie eine repräsentative Umfrage des Forsa-Instituts für das Handelsblatt (Dienstagausgabe) zeigt, sind heute 69 Prozent der Deutschen dafür, das neue Geld zu behalten. Nur 27 Prozent wollen wieder zurück zur D-Mark. Noch im Jahr 2012 lehnte jeder Zweite die Gemeinschaftswährung ab.

Die Deutschen scheinen sich von Euro-Skeptikern in Euro-Befürworter zu verwandeln. Dabei gilt: je höher das Nettohaushaltseinkommen, desto stärker die Zustimmung zur Einheitswährung. Bei Nettoeinkommen ab 3.000 Euro steigt die positive Bewertung auf 79 Prozent.

Von den Anhängern der Grünen sprechen sich sogar 88 Prozent für den Euro aus, gefolgt von FDP-Wählern mit 83 und Anhängern von CDU/CSU mit 75 Prozent. „Die für viele nicht durchschaubare Euro-Krise ängstigt die Deutschen zwar. Die Einstellung zum Euro als Währungseinheit wird davon aber heute nicht mehr berührt“, erklärt Forsa-Chef Manfred Güllner den Stimmungswandel.

Die Kursentwicklung des Euro seit Einführung

1. Januar 1999

1. Januar 1999: Der Euro wird von den elf Gründerländern der Europäischen Währungsunion (EWU) aus der Taufe gehoben. Der Umrechnungskurs zur D-Mark beträgt 1,95583 DM je Euro.
Am 4. Januar startet der Handel in Sydney - der ersten großen Börse, die nach dem Datumswechsel öffnet - mit 1,1747 Dollar.

Dezember 1999

Der Euro fällt erstmals auf 1,00 Dollar.

Frühherbst 2000

Bei Kursen unter 0,85 Dollar wächst die Befürchtung, der schwache Euro könnte die Weltwirtschaft destabilisieren. Mit Unterstützung der Zentralbanken Japans und der USA greift die EZB der jungen Währung unter die Arme. Doch die Interventionen verpuffen rasch: Am26. Oktober ist ein Euro noch 0,8225 Dollar wert. Eine weitere Interventionsrunde im November hievt ihn wieder auf 0,86 Dollar.

Januar 2002

Die reibungslose Einführung des Euro-Bargelds honorieren die Finanzmärkte mit Euro-Käufen. Im Juli erreicht der Euro wieder die Ein-Dollar-Marke.

März 2003

Der Beginn des Irakkrieges geht zu Lasten des Dollar. Der Euro erreicht wieder sein Einführungsniveau.

September 2003

Finanzminister und Notenbanker der sieben führenden Industrieländer (G7) fordern flexiblere Wechselkurse, was an den Märkten als Signal für den Wunsch nach einem schwächeren Dollar interpretiert wird. Am 28. November 2003 steigt der Euro erstmals über 1,20 Dollar.

September 2007

Nach einer deutlichen US-Zinssenkung im Zuge der Subprime-Krise steigt der Euro über 1,40 Dollar.

Juli 2008

Der Euro erreicht mit 1,6038 Dollar ein Rekordhoch. Nur wenige Tage zuvor - am 11. Juli - hatte übrigens auch der Ölpreis mit 147,50 Dollar je Fass sein Allzeithoch erreicht.

Oktober 2008

Im Sog der Lehman-Pleite ziehen US-Investoren ihre Euro-Gelder ab und drücken ihn bis zum 28. Oktober auf 1,2328 Dollar ,den niedrigsten Stand seit April 2006.

Oktober 2009

Mit den Aktienmärkten steigt zwar auch der Euro - erstmals seit einem Jahr klettert er am 21. Oktober über 1,50 Dollar. Doch das Comeback ist von kurzer Dauer: Griechenland schockiert die Märkte mit der Ankündigung eines etwa doppelt so hohen Haushaltsdefizits wie bislang gedacht.

Dezember 2009, Januar 2010

Mit ersten Herabstufungen Griechenlands durch die Ratingagenturen Fitch, Standard & Poor's sowie Moody's beginnt der Euro seine Talfahrt.

Frühjahr und Sommer 2011

EZB-Chef Jean-Claude Trichet signalisiert am 3. März überraschend für April eine Zinserhöhung. Im Juli folgt sogar eine zweite Zinsanhebung. Am 4. Mai notiert der Euro zeitweise über 1,49 Dollar. Spekulationen über einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone bremsen die Gemeinschaftswährung aber für den Rest des Sommers aus. Sie pendelt meist in einer Spanne von etwa 1,40 bis 1,45 Dollar.

Ende Februar 2012

Eine zweite EZB-Geldspritze lässt den Euro wieder steigen. Er schafft es fast bis auf 1,35 Dollar. Banken können sich bei der EZB für drei Jahre zum historisch niedrigen Leitzins von einem Prozent Geld leihen. Zusammen mit der ersten derartigen Aktion vom Dezember greifen die europäischen Banken rund eine Billion Euro ab.

Juni 2012

Die Angst der Investoren vor einer Eskalation der Staatsschuldenkrise ist größer denn je und belastet den Euro. Vor allem Spanien ist wegen seines taumelnden Bankensektors angezählt. Im Juni fällt der Euro bis auf 1,21 Dollar.

Juli 2012

Vor Investoren in London kündigt EZB-Chef Draghi am 26. Juli an, die EZB werde „alles nötige tun, um den Euro zu erhalten.“ Der vorläufige Wendepunkt in der Euro-Krise. Sofort steigt der Euro deutlich. Innerhalb eines Tages von 1,2118 auf 1,2287 US-Dollar. Wenige Wochen später machte Draghi klar, was das bedeutet: Im Notfall kauft die EZB unbegrenzt Anleihen der Krisenländer. Der Euro startet einen neuen Höhenflug.

Februar bis März 2013

Die Erleichterungs-Rally geht weiter: Anfang Februar steigt der Euro bis auf 1,37 Dollar. Das Hoch hält allerdings nicht lange vor. Wegen Unsicherheiten in Italien und Zypern fällt die Gemeinschaftswährung und notiert aktuell bei knapp unter 1,30 Dollar.

September 2014

Die EZB überrascht die Märkte mit einem neuen Zinssenkungszyklus. Der Euro nimmt seine Talfahrt wieder auf. Signale von EZB-Chef Mario Draghi für weitere Geldspritzen drücken den Euro bis zum Jahresende auf rund 1,21 Dollar.

06. Januar 2015

Der Euro fällt auf 1,1853 Dollar und erreicht damit das Tief von Februar 2006. Zugleich nimmt die Talfahrt der Ölpreise weiter Fahrt auf. Nordseeöl der Sorte Brent verbilligt sich um bis zu 1,7 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel (159 Liter).

Auch wenn die 1948 eingeführte D-Mark für die Westdeutschen jahrzehntelang identitätsstiftend war und die Bundesbank als Inbegriff deutscher Stabilitätskultur galt – inzwischen sehen die meisten Bundesbürger offenbar auch die Vorteile der Gemeinschaftswährung. Denn Fakt ist: Die größte Volkswirtschaft des Kontinents, die bei der Einführung des Euros noch als „kranker Mann Europas“ galt, zeigt sich so robust wie seit langem nicht. Die Arbeitslosenquote liegt bei 7,2 Prozent; im Schnitt der Euro-Zone ohne Deutschland ist die Quote mehr als doppelt so hoch.

Während Länder wie Spanien, Italien und Portugal 2013 in der Rezession verharren und Frankreichs Wirtschaft stagniert, erwartet die EU-Kommission für Deutschland ein Plus von 0,5 Prozent und 2014 ein Wachstum von zwei Prozent.

Kommentare (300)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Kritiker

09.04.2013, 06:45 Uhr

Oh Mann, was für ein Schwachsinn da aufgetischt wird und das Handelsblatt frisst den Köder auch noch.

"Wie eine representative Umfrage des Forsa-Instituts...." einfach nur lachhaft. Wenn 1000 Leute befragt werden, dann ist eine Umfrage representativ? Die Verdummung und Propaganda nimmt immer krassere Züge an, die Verdummung durch die Massenmedienw wird immer verrückter aber für normal denkende Menschen auch immer leichter zu durchschauen.

Vor wenigen Tagen noch auf "Focus" eine ähnliche Umfrage zum Euro ergab: 94% wollen den Euro nicht mehr.

Wir leben in einer Welt voller Lügen und Desinformation. Lasst euch nicht durch solche Propaganda einlullen. Der Zug ist abgefahren und EU und Euro fahren dem Abgrund entgegen.

Der_ewige_Spekulant

09.04.2013, 06:50 Uhr

79%, 88%

Das sind ja Umfragewerte wie zu Zeiten des Sozialismus - ob es wohl Parallelen gibt ?!

Dissident

09.04.2013, 06:58 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×