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21.01.2015

16:18 Uhr

Experte über die Anti-Islam-Bewegung

Für Pegida sind Merkel und Gauck „Verräter“

VonDietmar Neuerer

Wie ist der Aufstieg von Pegida zu erklären? Für den Politikwissenschaftler Walter hat das Phänomen auch mit Merkel und Gauck zu tun. Am Ende könnte die AfD profitieren – für den Preis eines deutlichen Rechtsrucks.

Teilnehmer einer Pegida-Demonstration in Dresden: Woher kommt der Unmut? dpa

Teilnehmer einer Pegida-Demonstration in Dresden: Woher kommt der Unmut?

Berlin„Was will das Volk?“ - das fragen sich in Zeiten von Pegida Kommentatoren, Forscher und Politiker. Die in Dresden gegründete islamkritische Bewegung trägt trotzig den Ruf „Wir sind das Volk“ aus dem Herbst 1989 vor sich her. Mit einer epochalen Friedlichen Revolution hat das jedoch nichts zu tun, ist der Göttinger Politikwissenschaftler Franz Walter überzeugt.

„Im Grunde muss man, wenn man erklären möchte, was da in Dresden eigentlich los ist, auf die Jahre 1990/91 zurückschauen“, sagte Walter der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“. „Da fing alles an: eine riesige Enttäuschung, ja Verbitterung, dass plötzlich alles kaputt ging, was zuvor richtig war und auch sozialen Halt gab.“ Den großen Versprechungen des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, an die viele euphorisch geglaubt hätten, sei eine Realität des Berufsverlusts, der fundamentalen Einbußen von Anerkennung und Würde gefolgt. „Seither, so Walter, „heißt es: „Lügenpolitiker“ und „Lügenpresse“.“

Die Köpfe der Pegida-Bewegung

Köpfe und Wortführer

Wer sind die Köpfe und Wortführer der islamfeindlichen Pegida-Demonstrationen in Dresden und anderswo? Einige Beispiele:

Kathrin Oertel

Sie ist die einzige Frau im zwölfköpfigen Organisationsteam von Pegida Dresden, die öffentlich in Erscheinung tritt. Laut Medienberichten ist sie 36 Jahre alt und arbeitet als Wirtschaftsberaterin. Neuerdings fungiert sie als Pegida-Sprecherin und Schatzmeisterin – und trat als Gesicht von Pegida bei Günther Jauch auf. In ihren Ansprachen schlägt Oertel vergleichsweise moderate Töne an, persönliche Angriffe überlässt sie anderen.

Sebastian Nobile

Veranstalter der Kögida-Demo in Köln und Pressesprecher der Pegida NRW, nennt sich „freiheitlich-christlicher Patriot“. Medienberichten zufolge war er Aktivist der „German Defence League“, die islamfeindlich und rechtsextrem ist. Laut Polizei hat er mehrfach Demos mit rechtsradikalen Anliegen angemeldet.

Melanie Dittmer

Sie organisierte zuletzt die Bonner „Bogida“-Demos. Medienberichten zufolge war die 36-Jährige im Landesvorstand der NPD-Nachwuchsorganisation „Junge Nationaldemokraten“. Dem „Spiegel“ sagte sie jüngst, es sei für sie unerheblich, ob es den Holocaust gegeben habe. Dittmer sitzt im Vorstand von Pro NRW. Pegida NRW teilte am Dienstag mit, wegen „inhaltlicher Differenzen“ sei die Zusammenarbeit mit Dittmer beendet.

Udo Ulfkotte

Ex-Journalist und Autor des Bestsellers „Gekaufte Journalisten“, gibt den „Lügenpresse“-Rufern Futter und sieht auch schon seit langem Europa von fanatischen Muslimen bedroht. Schon 2003 erschien dazu sein Buch „Der Krieg in unseren Städten“. In diese Richtung argumentierte auch das Buch „Heiliger Krieg in Europa“.

Karl Schmitt

Er organisiert in Berlin die Bärgida-Bewegung. Der promovierte Ingenieur (60) war 14 Jahre bei der CDU kommunal aktiv, trat 2008 aus und gründete die rechtspopulistische Partei „Die Freiheit“ mit. Die CDU habe zu wenig Distanz zur Linken gezeigt und die Gefahr der muslimischen Parallelgesellschaft in Deutschland nicht erkannt. Die „Freiheit“ verließ Schmitt auch nach einem Jahr.

Lutz Bachmann

Er war das Gesicht von „Pegida“ in Dresden: Bachmann rief die Facebook-Gruppe ins Leben, die das islamkritische Bündnis begründete. Er sei kein Rassist, betonte der wegen Diebstahls und Drogendelikten vorbestrafte 41-Jährige stets – doch er musste zurücktreten, da gegen ihn wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Zuvor waren ein Foto Bachmanns mit Hitler-Bart und ausländerfeindliche Facebook-Einträge öffentlich geworden.

Und mit ihrer Kritik meinen die Protestierenden nach Einschätzung Walters auch und gerade die Spitze des deutschen Staates, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundespräsident Joachim Gauck. „Dass gerade die beiden Vertreter aus dem Osten, Merkel und Gauck, jetzt so besonders „westlich“ reden und Verständnis für das Andere, das Fremde äußern, macht sie den Pegadisten offenkundig zu Verrätern“, erklärte der Politikwissenschaftler.

Inzwischen scheint Pegida eine weitere ostdeutsche Stadt in ihren Bann zu ziehen. Nach der Absage der jüngsten Pegida-Demonstration in Dresden ist für heute ein Protestzug in Leipzig angemeldet. Die Behörden rechnen mit mehreren zehntausend Teilnehmern. Pegida-Kritiker rufen zu insgesamt 19 Gegenkundgebungen und Mahnwachen in der Stadt auf. Rund 4.000 Polizisten werden im Einsatz sein.

Kommentare (39)

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Herr Peter Spiegel

21.01.2015, 16:47 Uhr

Eür Pegida sind Merkel und Gauck „Verräter“
Verrat setzt Wissen voraus und das kann man von den Kreigstreibern Islam-Murksel und dem Gaukler nicht behaupten

Herr Richard Wagner

21.01.2015, 16:56 Uhr

Was hat das mit Pegida zu tun? Das ist eine Feststellung, ein Fakt: Merkel und Gauck SIND Verräter! Und ich bin nicht bei Pegida und Parteilos. Jeder gute Deutsche fühlt sich verraten, die einzigen die sich nicht Verraten fühlen sind die ca. 1,1 Millionen parteilich organisierten Volksverräter von der SPDCDULINKEGRÜNE Partei.

Herr Marcel Europaeer

21.01.2015, 16:56 Uhr

Wer demokratisch gewählte und demokratisch agierende Volksvertreter als "Verräter" bezeichnet, schreit oder schreibt die eigene Dummheit, die eigene Ignoranz und die das eigene Unverständnis für ein demokratisches System in die Welt.

Was soll man mit solchen Leuten anfangen, denen die Realität soweit abhanden gekommen ist, dass sie in jeder Medienmeldung, die von den eigenen Vorstellungen abweicht, eine Lüge sehen und in jeder Entscheidung oder Stellungnahme eines Politikers, die nicht der eigenen Meinung entspricht, Verrat?

Nichts!!

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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