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06.01.2004

09:03 Uhr

Experten: „Ohne Gebühren geht es nicht“

Ja zur Eliteuni – aber wer zahlt die Zeche?

VonBarbara Gillmann

Die Forderung der SPD- Spitze, in Deutschland Eliteuniversitäten zu gründen, ist von Hochschulexperten zurückhaltend bewertet worden. Die SPD will heute auf ihrer Klausurtagung in Weimar die Notwendigkeit von Elitehochschulen erörtern, die Teil des Innovationskonzepts der Partei sind.

BERLIN. Um ein herausragendes Universitätsniveau wie etwa das der US- Hochschule Harvard zu erreichen, müsse der Staat selbst viel Geld investieren, die Unis frei unter den Bewerbern auswählen lassen und auch die international üblichen Studiengebühren einführen, sagte der Chef des Centrums für Hochschulentwicklung, Detlef Müller-Böling, dem Handelsblatt. Gebühren für ein Erststudium sind aber zumindest in der SPD nach wie vor tabu. Darüber hinaus passten die jüngsten Mittelkürzungen des Bundes beim Hochschulbau und der Projektförderung nicht zu dem Vorstoß, ergänzte der Vorsitzende des Wissenschaftsrates, Karl M. Einhäupl. Auch Unions- und FDP-Politiker kritisierten, es mache keinen Sinn, über Eliteuniversitäten zu fabulieren und gleichzeitig die Gelder allein für den Hochschulbau um 135 Mill. Euro zu verringern.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) begrüßte hingegen den SPD-Vorstoß. Eliteuniversitäten seien der Motor für Forschung und Innovation und könnten dringend benötigten hoch qualifizierten Nachwuchs für die Wirtschaft ausbilden, teilte die BDA mit. Allerdings dürften Eliteuniversitäten nicht staatlich sein, sie müssten vielmehr als privatrechtliche Stiftungen organisiert werden. Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie sprach von einem Schritt in die richtige Richtung, vermisst aber noch den „roten Faden“ im Innovationskonzept der SPD.

Die Diskussion angestoßen hatte am Wochenende SPD-Fraktionschef Franz Müntefering, als er sagte: „Es darf nicht sein, dass wir den erstklassigen Hochschulen in England oder Amerika scheinbar oder anscheinend nichts Adäquates entgegenzusetzen haben.“ Und Generalsekretär Olaf Scholz fordert in seinem Innovationspapier für die Klausurtagung in Weimar mindestens eine Eliteuniversität nach amerikanischem Vorbild.

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