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29.03.2011

21:07 Uhr

Experten warnen

Strom-Turbulenzen bei AKW-Abschaltung möglich

Exklusiv Im Mai gehen neben den acht schon abgeschalteten AKW weitere Meiler wegen Revisionen vom Netz. Damit fallen mehr als 75 Prozent der Leistung aus den 17 AKW aus. Das birgt ungeahnte Risiken, warnen Experten.

Strommasten. Quelle: dpa

Strommasten.

Berlin/Düsseldorf

Mit der Abschaltung von bis zu 13 Kernkraftwerken im Mai könnte der Einsatz der Notstromaggregate zur Kühlung der Reaktoren erforderlich werden. Fachleute warnen im Handelsblatt vor diesem ungeplanten und risikoreichen Test für den Ernstfall.

Grund ist, dass im Mai voraussichtlich 13 von insgesamt 17 deutschen Meilern still stehen. Sieben sind im Zuge des Moratoriums abgeschaltet, der Reaktor Krümmel ist und bleibt ohnehin abgeschaltet; für fünf weitere Meiler stehen im Mai mehrwöchige Revisionen an. "Das wird eng. Es stellt sich die Frage, ob wir dann noch ausreichend gesicherte Leistung haben. Außerdem wird sich erst noch erweisen müssen, ob die Netzkapazitäten ausreichen, um den Strom dann dort hin zu leiten, wo er gerade gebraucht wird", sagte Stephan Kohler, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena), dem Handelsblatt. Voraussichtlich fallen im Südwesten gleich mehrere Kernkraftwerke weg, es müssen also große Strommengen dorthin transportiert werden, um die Versorgung zu gewährleisten. Die Netze werden dadurch stark belastet.

Die Situation lasse sich nur bewältigen, wenn es gelinge, alte fossil betriebene Kraftwerke schnell genug ans Netz zu bringen. "Außerdem müssen wir akzeptieren, dass dann der Importanteil steigt", sagte Kohler. Den raschen Wegfall so großer Erzeugungskapazitäten könne man jedenfalls "nicht so einfach freizeichnen", warnte Kohler. Die Gefahren für die Versorgungssicherheit und die Netzstabilität seien erheblich.

Für den Meiler in Grohnde (Eon) ist die jährliche Überprüfung am 3. Mai geplant. Quelle: dpa

Für den Meiler in Grohnde (Eon) ist die jährliche Überprüfung am 3. Mai geplant.

Sollte das Netz den Anforderungen nicht gerecht werden, könnte das ungeahnte Konsequenzen haben. "Netzausfälle bergen erhebliche Sicherheitsrisiken für die Reaktoren", sagte Kohler. "Wenn es zu Turbulenzen im Netz kommt, ergeben sich unschöne Situationen", sagte Lothar Hahn, bis Frühjahr 2010 Geschäftsführer der Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit (GRS), mit Blick auf den Kühlbedarf der Reaktoren.

Denn auch abgeschaltete Reaktoren benötigen Strom, damit die Kühlung funktioniert. Fällt das Netz aus, muss auf die Notstromaggregate zurückgegriffen werden. Einschlägigen Studien zufolge wachsen mit einem Netzausfall und dem Einsatz der Notstromversorgung die Unfallrisiken erheblich.

Die Leiterin der Abteilung "Energie, Verkehr und Umwelt" am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, betonte indes im Gespräch mit Handelsblatt Online, dass der Kühlbedarf von Reaktoren immer sichergestellt sein müsse. Und auch die Notstromversorgung müsse "immer und grundsätzlich sicher gestellt" sein. Kemfert hält daher nichts von der Panikmache der GRS. "Die Androhung, dass Notstromaggregate durch die Abschaltung von Kernkraftwerken nicht mehr funktionieren, schürt unnötige Angst der ohnehin schon verunsicherten Bevölkerung."

Kommentare (15)

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AndreAdrian

29.03.2011, 21:32 Uhr

Drohkulisse?

Die Atomindustrie ist wenigstens so ehrlich dem Verbraucher nicht zu erzählen das die Altmeiler für die Stromversorgung in Deutschland nötig sind. Um eine Drohkulisse zu konstruieren ist es schon nötig etliche weitere Meiler abzuschalten.
Das Kräftemessen der Atomindustrie kann leicht nach hinten losgehen. Was macht denn die Atomindustrie wenn die Abschaltung im Mai ohne Probleme über die Bühne geht? Die Grünen werden dann zu Recht sagen: Seht her, die Drohkulisse hat nicht funktioniert, der Atomausstieg kann noch weiter beschleunigt werden.
Nebenbei: Denken die Atommanager wirklich das ein Kraftwerksleiter bei dem Hasadeur-Spiel mit dem Reaktor und dem Notstromaggregat mitmachen um den Politikern und den Wählern etwas zu "beweisen"? In Japan haben nicht die Mauscheleien des Managements den Reaktor in die Knie gezwungen sondern ein Erdbeben und ein Tsunami.

KFR

29.03.2011, 21:32 Uhr

Jetzt hab ich aber richtig Angst, wo die Auslastung eh nur 75% beträgt und jederzeit ausreichend Strom auf der Börse ist.
Wer glaubt denn da wieder mal was für seine Aktien tun zu müssen ??

Realist

29.03.2011, 21:50 Uhr

Man merkt leider, dass die Aufklärung in der Bevölkerung nicht angekommen ist. Nicht die bösen Strommultis haben Probleme wenn die AKWs abgeschaltet sind (außer natürlich enorme finanzielle Einbußen), sondern die Netzbetreiber. Es war schon ohne die Abschaltung der AKWs häufig eng und kurz vor regionalen Black-Outs. Die Gefahr dieser Ausfälle steigt nun enorm. Das hat nichts mit Geldschneiderei, Drohgebärden oder Panikmache zu tun, sondern mit Physik.
Die Grünen haben gute Ziele, nur leider sind sie nicht so ehrlich wie der Weg dahin aussieht. Da müssen sie endlich mal Flagge zeigen und bei all den guten Wünschen auch die Realität und auch harte Wahrheit zeigen. Ohne AKWs müssen andere konventionelle Kraftwerke in Betrieb gehen, da die erneuerbaren Energien nicht Grundlastfähig sind.

Also Augen auf und sich lieber eine Vision schaffen und kein Trugbild. Die ist dann auch machbar.

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