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25.07.2016

21:21 Uhr

Explosion in Bayern

Verdacht auf IS-Selbstmordanschlag in Ansbach

Die Bundesanwaltschaft geht dem Verdacht nach, dass in Deutschland erstmals ein terroristischer Rucksackbomber des IS zugeschlagen hat. Die Behörden vermuten damit ein islamistisches Motiv beim Ansbach-Anschlag.

Der mutmaßliche Täter hatte am Sonntagabend bei einem Musikfestival einen Sprengsatz gezündet und sich damit selbst getötet. Er habe die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei dem Fest mit etwa 2500 Besuchern zünden wollen. dpa

Bombenanschlag in Ansbach

Der mutmaßliche Täter hatte am Sonntagabend bei einem Musikfestival einen Sprengsatz gezündet und sich damit selbst getötet. Er habe die Bombe mit scharfkantigen Metallteilen in seinem Rucksack bei dem Fest mit etwa 2500 Besuchern zünden wollen.

Ansbach/BerlinDas Bombenattentat in Ansbach war nach Erkenntnissen der Behörden der lange befürchtete erste islamistische Selbstmordanschlag in Deutschland. Die Bundesanwaltschaft prüft den Verdacht, dass der 27-jährige Täter aus Syrien Mitglied in der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) war. Einen radikal-islamischen Hintergrund der Bluttat mit 15 Verletzten in der fränkischen Stadt sieht auch die Landesregierung in München. Es sei ein Bekennervideo auf dem Handy des Flüchtlings gefunden worden, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) am Montag.

Der Generalbundesanwalt übernahm die Ermittlungen - unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung. Das IS-Sprachrohr Amak behauptete, der Attentäter sei „Soldat des Islamischen Staates“. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) äußerte sich am Nachmittag allerdings vorsichtiger: „Ein Bezug zum internationalen Terrorismus des sogenannten Islamischen Staates ist aus meiner Sicht ebenso wenig auszuschließen wie das Vorliegen einer besonderen Labilität dieser Persönlichkeit oder eine Kombination von beidem.“

Es war die dritte Bluttat in Bayern innerhalb einer Woche. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nannte die Sicherheitslage „ernst und bedrohlich“. Es helfe nicht, an der Realität vorbei zu diskutieren, sagte er dem „Münchner Merkur“ (Dienstag). „Bei uns leben viele Flüchtlinge, die ein schweres Schicksal haben und denen wir helfen sollten. Aber unter ihnen gibt es leider Menschen mit einem erschreckenden Gewaltpotenzial.“

Newsblog zu Ansbach-Anschlag: Attentat hat islamistischen Hintergrund

Newsblog zu Ansbach-Anschlag

Attentat hat islamistischen Hintergrund

Nach den Bluttaten von Syrern dringt die Polizeigewerkschaft auf eine stärkere Überprüfung von Flüchtlingen. Ein Bekennervideo auf dem Handy des Attentäters offenbart den islamistischen Hintergrund. Der Tag im Newsblog.

De Maizière sagte, er verstehe Sorgen der Bevölkerung. Er mahnte zugleich Besonnenheit an und warnte vor einem Generalverdacht gegen Flüchtlinge. „Wir wissen, dass Flüchtlinge weder Heilige noch Sünder sind“, sagte der Minister am Montagabend im ZDF. Man könne nicht sagen, dass von ihnen eine besondere hohe Gefahr ausgehe. Er empfehle den Bürgern deshalb, Flüchtlingen freundlich, aufgeschlossen, nicht misstrauend, aber auch nicht naiv gegenüberzutreten. Es gebe zwar Verunsicherung. Aber: „Ich kann nicht erkennen, dass unsere deutsche Bevölkerung voller Angst ist.“

Herrmann sagte zu einem Bekennervideo des 27-jährigen Flüchtlings aus Aleppo: „Die Polizei hat bei der Auswertung der Handys, die bei dem Täter gefunden worden sind, unter anderem eine Videoaufnahme entdeckt, in der sich der Täter klar zum islamistischen Kampf bekennt und auch ankündigt, dass er mit einem Anschlag sich an Deutschen rächen will.“ Es sei für ihn „klar, dass es ein Anschlag mit islamistischem Hintergrund ist. Ob der Täter selbst einen unmittelbaren Kontakt zum IS hatte, das ist noch Gegenstand der Ermittlungen.“

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