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22.04.2016

14:57 Uhr

Exzellenzinitiative

Kein großer Wurf

VonBarbara Gillmann

Der Staat verlängert seine „Exzellenzinitiative“ für Elite-Universitäten. Das Programm greift aber bei weitem zu kurz, um ein deutsches Harvard zu schaffen. Es fehlt an radikalen Ansätzen und an Geld. Eine Analyse.

Deutsche Hochschulen sollen international wettbewerbsfähiger werden. Darum fördern Bund und Länder mehrere Spitzen-Universitäten. dpa

Hörsaal einer Universität

Deutsche Hochschulen sollen international wettbewerbsfähiger werden. Darum fördern Bund und Länder mehrere Spitzen-Universitäten.

BerlinEndlich ist klar, wie es mit der „Exzellenzinitiative“ für die besten deutschen Forschungsuniversitäten weiter geht: Es bleibt bei rund zehn Elite-Unis, dazu kommt weiterhin die Förderung von Exzellenzclustern, also Forschungsverbünden, zu einem Thema. Nur die Ausbildung der Doktoranden in „Graduiertenschulen“ wird nicht mehr gefördert.

Völlig neu ist, dass die Hilfe des Bundes, der drei Viertel der jährlich 533 Millionen Euro beisteuert, in eine Dauerförderung umgewandelt wird. Die Länder – und damit ihre Unis – müssen also nicht mehr fürchten, dass der gesamte Wettbewerb irgendwann wegen knapper Bundeskassen wegfällt oder stark eingedampft wird. Das hat die Änderung des Grundgesetzes möglich gemacht.

Halten Sie die Exzellenz-Initiative in Deutschland für eine gute Idee?

Ansonsten aber ist die Vereinbarung von Bund und Ländern kein großer Wurf. Warum? Kommen wir damit dem Traum von einem deutschen Harvard näher? Nein. Dafür wäre eine radikale Umkehr nötig gewesen. Denn die privaten amerikanischen Eliteunis spielen in einer völlig anderen Liga.

Das Budget der gesamten Exzellenz-Initiative entspricht im Jahr etwa der Summe, die in Harvard eine Fakultät ausgeben kann. Zudem hätte man damit beginnen müssen, die herausragenden Forschungsstätten außerhalb unserer Universitäten – allen voran die Max-Planck-Institute – zu integrieren. Das jedoch wäre eine revolutionäre Tat, zu der dem System insgesamt sowohl der Mut als auch der Wille fehlt.

Die ideale Schule

Engagierte Lehrer

...fordern 94 Prozent der Lehrer und 92 Prozent der Eltern.

Gut ausgebildete Lehrer

...fordern 85 Prozent der Lehrer und 83 Prozent der Eltern.

Gute Organisation des Schulalltags

...fordern 77 Prozent der Lehrer und 74 Prozent der Eltern.

Klassengröße

Kleine Klassen wünschen sich 76 Prozent der Lehrer und 80 Prozent der Eltern.

Förderung

Eine gezielte Förderung nach Begabung wünschen sich 75 Prozent der Lehrer und 78 Prozent der Eltern.

Platz

Geeignete Räumlichkeiten fordern 72 Prozent der Lehrer und 64 Prozent der Eltern.

Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung auf das Berufsleben ist für 51 Prozent der Lehrer und 67 Prozent der Eltern ein wichtiger Faktor für die ideale Schule.

Fremde Kulturen

Die Möglichkeit zum Schüleraustausch ist für 27 Prozent der Eltern und 39 Prozent der Eltern wichtig.

Kommen die künftigen Elite-Unis mit der nun beschlossenen Fortsetzung des Wettbewerbs denn wenigstens in die Nähe der beneideten ETH Zürich? Nein, selbst das nicht. Dafür wäre es nötig, möglich und angezeigt gewesen, die Mittel auf drei oder vier Unis zu begrenzen – so wie das zu Beginn der Exzellenzinitiative 2005 diskutiert wurde und zumindest die Unions-Fraktion nun auch gern gehabt hätte. Doch das haben die Länder, denen naturgemäß an einer breiten Verteilung des Bundesknete gelegen ist, verhindert – und der Bund nicht ernsthaft angestrebt.

Wissenschaftsstandort Deutschland: Millionen für die Spitzenforschung

Wissenschaftsstandort Deutschland

Millionen für die Spitzenforschung

Die „Exzellenzinitiative“ Teil drei steht. Die Pläne von Bund und Ländern für die Forscher-Elite an Hochschulen kosten 533 Millionen Euro jährlich. Die Spitzenforschung in Deutschland soll dauerhaft ausgebaut werden.

Wird denn wenigstens die deutsche Hochschulforschung insgesamt deutlich verbessert? Selbst das ist unklar. Denn schon mit Blick auf die ersten zehn Jahre der Exzellenzinitiative lässt sich nicht schlüssig nachweisen, dass die Wettbewerbssituation deutlich besser geworden ist. Auch die vielzitierte erhöhte „Sichtbarkeit“ ist nicht wirklich messbar. Zumindest fiel dem Präsidenten der Stanford-University auf die Frage, welche deutsche Uni er spitze findet, lediglich die TU München ein.

All das heißt nicht, dass man es auch lassen könnte: Denn ein Wegfall der Bundesmittel würde schweren Schaden anrichten. Die Fortsetzung der Exzellenzinitiative ist nötig, um den erreichten Status Quo in der Forschung zu halten. Klar ist aber auch: Das Problem der immer schlechter werdenden Grundfinanzierung der Hochschulen insgesamt – vor allem der Lehre – bleibt hochgradig virulent. Hier wartet die nächste Baustelle, wo der Bund wohl in die Dauerförderung einsteigen muss.

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