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17.12.2011

11:34 Uhr

EZB-Chefvolkswirt

Stark nennt politische Gründe für Rücktritt

EZB-Chefvolkswirt Stark hatte bislang immer „persönliche Gründe“ für seinen baldigen Rücktritt angeführt. In einem Interview erklärte er aber jetzt, er sei nicht zufrieden, wie „sich diese Währungsunion entwickelt hat“.

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, hat zum ersten Mal politische Gründe für seinen baldigen Rücktritt angeführt. dpa

Der Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank, Jürgen Stark, hat zum ersten Mal politische Gründe für seinen baldigen Rücktritt angeführt.

DüsseldorfDer Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB), Jürgen Stark, hat zum ersten Mal die Politik als Grund für seinen Rücktritt zum Jahresende genannt. „Da gibt es ein großes Thema, das dies begründet: dass ich nicht zufrieden bin, wie sich diese Währungsunion entwickelt hat“, sagte Stark der „Wirtschaftswoche“. Bislang hatte er immer „persönliche Gründe“ angeführt.

„Die EZB hat ihren Auftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten, voll erfüllt“, sagte Stark. Vor den Fehlentwicklungen der Euro-Zone habe die Zentralbank rechtzeitig gewarnt. „Die Politik hat das damals nicht als akutes Problem angesehen“, sagte Stark. Instrumente für die fälligen Anpassungen wären auf den nationalen Ebenen vorhanden gewesen, eine Korrektur solcher Fehlentwicklungen mit geldpolitischen Maßnahmen sei jedoch nicht möglich.

Zudem warnte Stark davor, im Kampf gegen die Schuldenkrise zu sehr auf die Staatsanleihen-Käufe der Europäischen Zentralbank zu hoffen. „Überfordern sie die Zentralbank nicht“, sagte er. Vielmehr sei es wichtig, die Beschlüsse des jüngsten EU-Gipfels rasch umzusetzen. Die Einigung auf eine Verringerung der Defizite und eine Verankerung der Schuldenstände in den nationalen Verfassungen sei ein „wirklicher Durchbruch“. Der weitere Kauf von Staatsanleihen durch die EZB sei dagegen keine Lösung. „Dieses Instrument ist von Zeit und Volumen her begrenzt, wir können nicht unbegrenzt unsere Bilanz ausweiten.“ Zudem sei es eine fundamentale Ausrichtung der Euro-Zone, die monetäre Finanzierung von Staatsschulden durch die EZB nicht zuzulassen.

Dem hoch verschuldeten Griechenland warf Stark mangelnde Reformbereitschaft vor. Seitdem Griechenland ein Schuldenschnitt signalisiert worden sei, habe das Land das Reformtempo gedrosselt. „Danach hat sich die griechische Regierung allein darauf konzentriert und die Reformen definitiv schleifen lassen.“ Auch unter der neuen Regierung sei die Lage nicht besser geworden. „Jetzt macht es sich Griechenland zu einfach, wenn es sagt, das Land würde unter einer systemischen Krise Europas leiden. Es geht nicht an, die Schuld irgendjemandem anderen zuzuweisen, wenn man selbst die Hausaufgaben nicht gemacht hat“, sagte Stark.

Die EU, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) beraten derzeit mit Griechenland über ein zweites Rettungspaket, an dem sich auch die Banken beteiligen und auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten sollen.

Kommentare (8)

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Account gelöscht!

17.12.2011, 12:22 Uhr

PAPPERLAPAPP - GRIECHENLAND IST PLEITE!
Kritische Äußerungen aus berufenem Mund.
Klebe mal noch ein kleines Bonbon an den Kittel von Herrn Stark. Es fehlte auch von Anbeginn ein
"Maß für Lauterbarkeit"
beteiligter Staaten. Und ein
"Zeitlimit"
für Erträglichkeit unangemessener Staatspolitik.
Deshalb, wegen Ineffektivität, Inaktivität und Intoleranz der betroffenen wie nicht betroffenen Staaten ist die Staatsbankrottierung Griechenlands ein Muß.
Als klassisches Beispiel jüngster Tage gilt für mich Belgien: Zu lange, auch jetzt nicht, keine legitimierte Regierung. Geld-Einsammelmentalität für belgische Staatsanleihen innerhalb der belgischen Bevölkerung mit exakt zeitlich abgestimmtem Downgrading durch Fitch.
Wer da noch an Zufälle glaubt trägt seine Imbezilität zur Schau.

gerhard

17.12.2011, 12:27 Uhr

Die EZB hat ihren Auftrag, die Preisstabilität zu gewährleisten, voll erfüllt“, sagte Stark. Vor den Fehlentwicklungen der Euro-Zone habe die Zentralbank rechtzeitig gewarnt. „Die Politik hat das damals nicht als akutes Problem angesehen“, sagte Stark. Instrumente für die fälligen Anpassungen wären auf den nationalen Ebenen vorhanden gewesen, eine Korrektur solcher Fehlentwicklungen mit geldpolitischen Maßnahmen sei jedoch nicht möglich.
Das heißt also: Die EZB möchte aus ihrer Sackgasse herauskommen und versucht nun den „schwarzen Peter“ gewissen EU-Nationen direkt aufs Auge zu drücken, die dann „gemeinsam“ bail-out Schirme zu entfalten haben. Aber es gilt nach wie vor weiter die Kritik von Jürgen Stark : „Jetzt macht es sich Griechenland zu einfach, wenn es sagt, das Land würde unter einer systemischen Krise Europas leiden. Es geht nicht an, die Schuld irgendjemandem anderen zuzuweisen, wenn man selbst die Hausaufgaben nicht gemacht hat“,
Diese Hausaufgaben werden auch nicht mit dem nächsten Rettungspaket gemacht sein bzw. gemacht werden können. Griechenland sollte also Entwicklungshilfe anmelden und die Euro-Konsolidierung vergessen. Entwicklungshilfe wird dann also viel sparsamer fließen und hoffentlich nur in der direkten Verantwortung der Geberländer ausgegeben werden können.

hochfinanzsklaven

17.12.2011, 13:25 Uhr

Der Euro ist wie billiger Vodka. Wir sind wie ein Alkoholkranker. Der bekommt qualvolle Entzugserscheinungen, wenn man ihm den Alkohol entzieht. Würden die Zentralbanken die Zinsen stark erhöhen und die Geldschöpfung plötzlich bremsen, würde es uns ähnlich ergehen. Das System würde kollabieren. Deshalb sieht sich die Zentralbank gezwungen, immer mehr Geld bereitzustellen. Das aber macht das System noch krisenanfälliger. Ein Teufelskreis. Es werden sich weitere Blasen bilden, die irgendwann platzen und großen Schaden anrichten.Uns muss klar sein, dass viele Werte am Finanzmarkt fiktiv sind. Es sind Luftbuchungen, die an den Märkten gehandelt werden, die aber keinen realen Gegenwert besitzen. Wenn das Geld plötzlich weg ist, staunen die Leute: Wer hat denn jetzt mein Geld? Die Antwort ist: niemand. Es war ja nie wirklich da. Das ganze Dilemma, warum die Deutschen soviel Tages-,Festgeld, Bankanleihen, Bundeswertpapiere, Lebensversicherungen etc. halten ist der hartnäckige Glaube, dass die Bank und der Staat "Dein Freund" sind. Das wurde den Deutschen ja auch jahrzehntelang vorgegaukelt. Leider ist es aber so, dass man, wenn man Leute vom Gegenteil überzeugen will, nur müde belächelt, oder gar als gefährlicher Anarchist oder bedauernswerter Spinner dargestellt wird. Die Geldmengenvermehrung ist der Weg des kleinsten Widerstandes für Demokratien. Geldvermehrung ist eine Enteignung wehrt euch dagegen indem ihr Gold und Silber benutzt !!!

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