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05.02.2015

13:01 Uhr

EZB und Euro-Krise

Droht den Griechen der Bank Run?

VonDietmar Neuerer

ExklusivDie Entscheidung der EZB, den Druck auf die neue griechische Regierung massiv zu erhöhen, hat ein unterschiedliches Echo ausgelöst. Die Athener Regierung sieht den Beschluss gelassen. Ökonomen schlagen Alarm.

Die härtere Gangart der EZB könnte sich direkt auf die griechischen Sparer auswirken. AFP

Bank Run droht

Die härtere Gangart der EZB könnte sich direkt auf die griechischen Sparer auswirken.

BerlinDie härtere Gangart der Europäischen Zentralbank (EZB) gegenüber Griechenland könnte nach Einschätzung des Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schwerwiegende Folgen nach sich ziehen.

Die EZB hatte überraschend den Zugang der griechischen Banken zu frischem Zentralbankgeld erschwert. Sie hob die Sonderregelungen für den Einsatz griechischer Staatsanleihen als Sicherheiten auf. Die EZB begründete dies damit, dass derzeit nicht mehr mit einem erfolgreichen Abschluss der Überprüfung des laufenden Reformprogramms gerechnet werden könne.

Die wichtigsten Player bei den Verhandlungen mit Griechenland

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner?

Wer sind die wichtigsten Gesprächspartner in der Griechenland-Krise? Seit dem Sieg von Syriza ist das Verhandeln mit dem Staat von der Größe Brandenburgs komplizierter geworden...

Jean-Claude Juncker

Der 60-Jährihe gilt als Europäer aus Leidenschaft. Er war und ist eine der Schlüsselfiguren bei der Euro-Rettung. Acht Jahre lang (von 2005 bis 2013) war der Luxemburger Vorsitzender der Eurogruppe, der die Finanzminister der Staaten mit Euro-Währung angehören. In dieser Funktion hat Juncker seit 2010 maßgeblich die Rettungsprogramme für Krisenstaaten wie Griechenland ausgehandelt. Der Christsoziale war 18 Jahre lang (bis Ende 2013) Premierminister in Luxemburg – inzwischen ist er Präsident der EU-Kommission.

Mario Draghi

Der 67 Jahre alte italienische Bankmanager und Wirtschaftswissenschaftler ist seit November 2011 Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB). Unter seiner Führung pumpte die Notenbank billiges Geld in das Bankensystem, schaffte die Zinsen im Euroraum quasi ab und schuf ein Kaufprogramm, um notfalls unbegrenzt Anleihen von Euro-Krisenstaaten zu erwerben. Kritiker werfen ihm vor, die Befugnisse der Notenbank überdehnt zu haben.

Christine Lagarde

Die französische Politikerin steht seit Juli 2011 an der Spitze des Internationalen Währungsfonds (IWF). Zuvor war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in Paris. Die 59 Jahre alte Juristin erwarb sich während der Finanzmarkt- und Euro-Turbulenzen einen Ruf als umsichtige Krisenmanagerin. Auf ihr lastet jedoch, dass die französische Justiz gegen sie in einer Affäre um mutmaßliche Veruntreuung öffentlicher Mittel aus ihrer Zeit als Ministerin ermittelt.

Angela Merkel und Wolfgang Schäuble

Bundeskanzlerin Merkel hatte mit Beginn der dramatischen Finanzkrise in Griechenland auf die Bremse gedrückt. Die eiserne Devise von Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble: Keine Leistung ohne Gegenleistung, europäische Solidarität gegen griechische Anstrengung. In Athen wurde Merkel dann bei einem Besuch mit Plakaten begrüßt, auf denen sie mit Hitler-Bart zu sehen war. Nach dem Regierungswechsel in Athen ist Berlin für Kompromisse offen: Ein verlängertes Hilfsprogramm oder nochmalige Krediterleichterungen. Ein weiterer Schuldenschnitt wird aber abgelehnt.

Fratzscher sagte dazu dem Handelsblatt (Online-Ausgabe): „Wie zu erwarten war, so wird versucht, die EZB politisch zu instrumentalisieren.“ Kurzfristig könnten die Notfall-Liquiditätshilfen (Ela) die griechischen Banken zwar sicherlich stützen. „Aber dies ist ein gefährliches Spiel, denn Bürger und Investoren könnten das Vertrauen in die griechischen Banken verlieren und ihre Einlagen abziehen“, warnte der DIW-Chef. „Ein solcher Bank Run würde Griechenland in eine noch tiefere Krise stürzen.“

Zudem werde die EZB auch bald keine Notfall-Liquiditätshilfe mehr geben dürfen, denn ein Verlust der Kreditwürdigkeit der Sicherheiten bedeute, dass viele griechische Banken nicht illiquide, sondern insolvent seien. „Ich befürchte jedoch, dass die EZB dennoch gezwungen sein wird, den griechischen Banken und dem griechischen Staat – entgegen den Prinzipien der EZB – Nothilfe leisten zu müssen“, sagte Fratzscher. „Denn die Politik in Griechenland und in Europa zeigt keinen ausreichenden Willen, die Krise in Griechenland schnell und nachhaltig lösen zu wollen.“

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Nach Einschätzung des Präsidenten des Münchner Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, würde die EZB mit ihrer Nothilfe-Garantie für griechische Banken möglicherweise Beihilfe zur Konkursverschleppung leisten. „Sofern Griechenland ein Drittel der Stimmen des EZB-Rates auf seine Seite bringt, kann sich die griechische Notenbank im Rahmen von ELA so viel Geld drucken, wie sie will, und es anschließend für beliebige Zwecke an die Banken verleihen“, sagte Sinn dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Zypern habe sich auf diese Weise im Jahr 2012 „ein halbes Sozialprodukt gedruckt, um seine Banken zu retten und russischen Oligarchen, griechischen Anlegern, Investoren aus London  und vielen anderen die Gelegenheit zu geben, sich aus dem Staube zu machen“. Die EZB habe damals „die Konkursverschleppung aus der Druckerpresse ein Jahr lang akzeptiert, bevor die nötigen zwei Drittel des EZB-Rates für die Betätigung der Reißleine zusammen kamen“, fügte Sinn hinzu. „Ich bin gespannt, was dieses Mal passieren wird.“

Wunsch nach Entlastung: Rolle rückwärts in Athen

Wunsch nach Entlastung

Premium Rolle rückwärts in Athen

Der griechische Finanzminister Varoufakis hat die Forderungen nach einem Schuldenschnitt zurückgezogen. Auf ihrer Tour durch Europa wird ihm und dem neuen Premier Tsipras klar: Die Geldgeber halten die Taschen zu.

Durch die EZB-Maßnahme erhält das Treffen des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis am heutigen Donnerstag mit seinem Kollegen Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin besondere Brisanz. Denn dass ab dem 11. Februar griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheit für EZB-Kredite genutzt werden können, ist ein schwerer Schlag für die griechischen Banken, die am Geldtropf der EZB hängen. Begründung der EZB: Es sei nicht sicher, dass die Überprüfung des griechischen Spar- und Reformprogramms erfolgreich abgeschlossen werde.

Kommentare (12)

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Herr Markus Bullowski

05.02.2015, 13:15 Uhr

Pfff, wenn jemand der pleite ist, statt dem einen Weg, nun auf anderem Weg ans Geld kommt, was ändert es? Da ist doch völlig absehbar, was passieren wird - nämlich dass jetzt halt der griechische Staat über Ela-Kredite am Leben gehalten wird.

Account gelöscht!

05.02.2015, 13:18 Uhr

Was schreibt der Neuerer hier wieder? Der Bank Run in GR läuft schon seit Wochen! Die leeren Kassen der Banken werden aber immer wieder mit Notkrediten der EZB aufgefüllt! Da sind sicherlich schon zw. 5-10 Mrd EUR abgeflossen, und das Geld wird nicht investiert, sondern gebunkert für (noch) schlechtere Zeiten! So sieht das aus. Und auch diese Beträge sind futsch vor ever aus Sicht der deutschen Steuerzahler ... Die griechischen Bankenaktien haben einen inherenten Wert von NULL, NADA, ZERO. Das sind eigentlich nur noch Geldautomaten-Zweigstellen der EZB! Nichts anderes. Im Süden herrscht das völlige Chaos und wird noch über Turnarounds u. ähnlichen Nonsens diskutiert! Wacht mal auf Leute, wird höchste Zeit.

Account gelöscht!

05.02.2015, 13:34 Uhr

Und dann ausgerechnet den Fratzscher wieder zitieren: Baut wieder Angstszenarien auf. Schlimmer als nichts zu ändern, geht ja wohl nicht mehr. Die Igniranz der Sozen-Politiker (inkl. Merkel und Schäuble a.k.a. CDU-Sozen) und diverser Lobbyisten-Volkswirte wie Fratzscher hat es doch erst so weit kommen lassen. Die warnenden Stimmen gab es schon vor der Einführung des EUR, aber was wurde diesen hochkompetenten und politisch unabhängigen Leuten wie Prof Hankel etc nicht alles vorgeworfen: Schwarzmaler, Dummschwätzer, Anti-Europäer etc. . Die wirklichen Anti-Europäer sitzen in Regierungsbänken und in Brüssel, die ruinieren seit Jahren den Wohlstand der Mittelschichten von Finnland bis Portugal, so sieht das nämlich aus!

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