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28.01.2014

20:54 Uhr

Facebook-Aktion gegen NPD

Katzen statt Glatzen

VonJonas Jansen

Die Facebook-Seite der NPD wird derzeit mit Sprüchen überflutet. Das Ziel der Aktion: Die Seite mit bunten und anti-rassistischen Kommentaren zu „überfremden“. Die NPD ist ratlos – und löscht.

„Wir überfremden die NPD!“ Mit der Aktion #Likeattack wollen Facebook-Nutzer die rechte Partei nerven. Das klappt. Quelle: Screenshot likeattack.de

„Wir überfremden die NPD!“ Mit der Aktion #Likeattack wollen Facebook-Nutzer die rechte Partei nerven. Das klappt. Quelle: Screenshot likeattack.de

DüsseldorfFlorian Schmidt ist sauer. „Links radikalen Vollidioten!“ ätzt er auf der Facebook-Seite der NPD in die Kommentarspalte unter den Demo-Aufruf der rechten Partei. Der Grund: Dutzende Nutzer überfluten die Facebook-Seite mit Kommentaren wie „Katzen statt Glatzen“ oder „Vielfalt statt Vaterland“. Aufgerufen hat dazu die Seite lautgegennazis.de, die der Hamburger Musikmanager Jörn Menge vor einigen Jahren gestartet hat. Mit der sogenannten Likeattack soll die Facebook-Seite der NPD „überfremdet“ werden. So bleibt der Aktionsaufruf ganz im Duktus der Rechten. Gestartet wurde die Aktion am 27. Januar, passend zum „Tag des Gedenkens der Opfer des Nationalsozialismus“.

Doch die Aktion war nicht auf einen Tag beschränkt. Derzeit (28.01., Stand 20:30 Uhr) laufen weiter dutzende Kommentare bei der NPD ein. So sieht das ganze dann aus:

Screenshot: Facebookseite der NPD

Screenshot: Facebookseite der NPD

Da gehen die Kommentare der „echten“ Nutzer leicht unter – auch wenn wohl eigentlich geplant war, die Botschaften als Bilder in die Kommentare zu posten. Diese Funktion hat die NPD aber offenbar abgestellt. Daher teilen die meisten Nutzer gerade die Links zur Aktion auf der Seite. Was dahinter steckt erläutert „Laut gegen Nazis“ im Video näher: Die NPD hetze gegen Mitbürger mit Migrationshintergrund. Und nun solle man sich wehren.

„Wir wollen eine Protestbewegung starten“, sagt Jörn Menge von „Laut gegen Nazis“. Er vermisst den Protest, den es auf den Straßen gegen die NPD gibt, im Internet. „Wir wollen nicht wegschauen, sondern online demonstrieren“, sagt Menge im Gespräch mit Handelsblatt Online. Weil sich die NPD an die Facebook-Richtlinien halte, würde es nichts bringen, die Seite zu melden. Deshalb diese Form des Protests - mit positiven Botschaften.

Klar ist: Die Seitenüberflutung kostet die NPD viel Zeit. Und anscheinend auch Nerven. Anruf bei der NPD-Parteizentrale: „Wir sind ratlos“, sagt ein NPD-Mann, der sich selbst bloß als „Faust W. von Goethe“ bezeichnen lassen will. Das sei ein ganz schöner Aufwand, sagt der kreative Künstlernamenträger. Eine richtige Idee, wie sie damit umgehen wollen, hat die Partei offenbar nicht. Das offizielle Organ der rechtsextremen Partei, der Pressesprecher Frank Franz ist nicht telefonisch zu erreichen.

Doch bei aller Arbeit, die die NPD gerade mit dem Löschen der Kommentare hat, ist die Wirkung der Aktion umstritten.
So fragt dieser Nutzer:

Zum Umdenken bringt es vermutlich eher wenige richtige Fans der Seite. „Glatzen statt Katzen“, skandieren dort auch die ersten. Einige scheinen richtig wütend zu sein über die „linken Spinner“, die ihre Seite zuspammen.

Was aber klar wird: Die Initiatoren wollen Flagge zeigen gegen rechtsextreme Parolen. Und was vielleicht hängen bleibt ist der Slogan: „Wir sind mehr. Wir sind bunt.“

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