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03.03.2016

11:49 Uhr

Facebook-Fans

AfD ist Social-Media-Champion

VonDietmar Neuerer

Soziale Netzwerke wie Facebook sind wichtige Hilfsmittel zur Wählermobilisierung. Die AfD saugt daraus ihren Honig wie keine andere Partei. Auf Bundes- wie auf Landesebene hinken CDU, SPD & Co weit hinterher.

Für die AfD geht es bei der Zahl der Facebook-Fans nur in eine Richtung: nach oben. dpa

AfD-Veranstaltung.

Für die AfD geht es bei der Zahl der Facebook-Fans nur in eine Richtung: nach oben.

BerlinPeter Tauber ist Generalsekretär der CDU – und ein großer Fan der sozialen Medien. Er selbst nutzt die Möglichkeiten des Web 2.0 aktiv selbst – mit einem eigenen Blog, über Twitter-Kommentare oder mittels Postings auf seiner Facebook-Seite. Tauber weiß, dass Social Media längst keine bloße Spielerei mehr ist. Neben den klassischen Instrumenten des Wahlkampfes, etwa der Plakatwerbung  oder des direkten Ansprechens von Bürgern,  finde inzwischen  ein Teil der Wahlauseinandersetzung im Internet statt, schreibt Tauber in einem von ihm erstellten Leitfaden zur Nutzung der Online-Plattformen

Und er betont die „großen Potenziale“ des Online-Wahlkampfs. „Nicht nur, dass der Kandidat seine Botschaft kostengünstig, schnell und vor allem zielgruppengenau an den Mann bringen kann, man erhält auch eine unmittelbare Rückmeldung. So entsteht im günstigsten Fall ein Dialog.“  Taubers Analyse liest sich wie ein Appell an seine eigene Partei, die sozialen Medien stärker für die politische Kommunikation zu nutzen. Mit dem Dialog auf der CDU-Facebook-Seite ist es jedoch nicht weit her.

Es wird zwar rege diskutiert, doch hat das die Zahl der Fans für seine Partei bei Facebook keinen großen Schub verliehen. Knapp 102.000 User haben die CDU-Seite bisher gelikt (Stand: Februar 2016; Februar 2015: 90.773 Fans). Zum Vergleich: Der rechtspopulistischen Alternative für Deutschland (AfD) folgen etwa 233.000 User (Februar 2015: 141.514 Fans). Die Fangemeinde der AfD bei Facebook wächst damit deutlich schneller als die der CDU. Auch die anderen etablierten Parteien hinken der Partei von Frauke Petry hinterher: Rund 96.900 haben derzeit das SPD-Profil gelikt, die Linkspartei hat rund 130.000 Fans und die Grünen rund 85.000.

Der Nazi-Jargon der AfD

Auffällige Nazi-Rhetorik bei einzelnen AfD-Politikern

Der Vorsitzende der Gesellschaft für deutsche Sprache, Peter Schlobinski, betont zwar, dass man nicht die gesamte (Alternative für Deutschland) AfD über einen Kamm scheren dürfe. „Doch einzelne Mitglieder pflegen eine auffällige Nazi-Rhetorik. Der Rhythmus, das sprachliche Diktum, die Emotionalisierung - es gibt einiges, was stark an die NSDAP-Sprache angelehnt ist.“ Und der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke sei ja schon „fanatisch in seiner Sprache“. Es folgen einige Beispiele.
Quelle: „Stern“, eigene Recherche.

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef

„3000 Jahre Europa! 1000 Jahre Deutschland!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (2)

„Erfurt ist … schön … deutsch! Und schön deutsch soll Erfurt bleiben!“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (3)

„Das Boot ist übervoll und wird kentern.“

Björn Höcke, Thüringen-AfD-Chef (4)

In einem Vortrag stellte Höcke das Bevölkerungswachstum Afrikas in einen Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise, was weithin als biologischer Rassismus bewertet wurde. Er sprach von einem „Bevölkerungsüberschuss Afrikas“ und erklärte, der „lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp“ treffe in Europa auf den „selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp“. Dann schlussfolgerte er: „Solange wir bereit sind, diesen Bevölkerungsüberschuss aufzunehmen, wird sich am Reproduktionsverhalten der Afrikaner nichts ändern.“

André Poggenburg, Chef der AfD in Sachsen-Anhalt

In ihrem auf Facebook verbreiteten Weihnachtsgruß vom 24.12.2015 sprach die AfD Sachsen-Anhalt unter anderem davon, in der Weihnachzeit über die „Verantwortung für die Volksgemeinschaft und nächste Generation“ nachzudenken. Der verwendete Begriff „Volksgemeinschaft“ löste daraufhin eine Diskussion aus. Denn, so der Politikwissenschaftler Samuel Salzborn von der Universität Göttingen bei „tagesschau.de“, der Begriff der Volksgemeinschaft sei historisch „eindeutig durch den Nationalsozialismus belegt“. Der Begriff sei in einer Demokratie unhaltbar, so der Professor, selbst wenn man sich auf den Standpunkt historischer Naivität zurückziehen würde. Die Idee einer Volksgemeinschaft sei generell nicht mit den Vorstellungen von Demokratie vereinbar.

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef

„Es wird Zeit, dass wir das Schicksal des deutschen Volkes, damit es ein deutsches Volk bleibt, aus den Händen dieser Bundeskanzlerin nehmen.“

Alexander Gauland, Brandenburg-AfD-Chef (2)

„Das Boot ist voll. Auch um der Flüchtlinge willen muss Deutschland jetzt die Notbremse ziehen.“

Frauke Petry, AfD-Bundesvorsitzende

„Die deutsche Politik hat eine Eigenverantwortung, das Überleben des eigenen Volkes, der eigenen Nation sicherzustellen.“

Markus Frohnmaier, Bundesvorsitzender der Jungen Alternative (JA)

„Ich sage diesen linken Gesinnungsterroristen, diesem Parteienfilz ganz klar: Wenn wir kommen, dann wird aufgeräumt, dann wird ausgemistet, dann wird wieder Politik für das Volk und nur für das Volk gemacht - denn wir sind das Volk, liebe Freunde.“

Für den Mainzer Politikwissenschaftler Kai Arzheimer liegt der Nutzen der sozialen Medien auf der Hand. Keine Partei könne es sich leisten, nicht auf Facebook präsent zu sein und damit auf eine direkte Kommunikation mit ihren potenziellen Wählern verzichten, sagt Arzheimer. Twitter sei in Deutschland dagegen eher „ein soziales Nischenmedium, über das Politiker untereinander und mit professionellen Politikbeobachtern über politische Inhalte kommunizieren“.

Vor allem mit Blick auf die kleine Bundestagswahl im März werden die Parteien ihre Aktivitäten in soziale Medien wie Facebook verstärken.  In Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz werden genauso wie in Sachsen-Anhalt am 13. März neue Landtage gewählt. In Stuttgart regiert derzeit eine grün-rote Koalition unter Regierungschef Winfried Kretschmann (Grüne), in Mainz ein rot-grünes Bündnis unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Der Wahlausgang gilt in beiden Ländern als völlig offen.

Als sicher gilt hingegen, dass die AfD in die Parlamente einziehen wird. Ihre momentane Stärke lässt sich auch anhand der Follower-Entwicklung auf den Facebook-Seiten der Landesverbände nachzeichnen. Eine Social-Media-Analyse der Plattform Pluragraph.de des Hamburger Politikberaters Martin Fuchs (@wahl_beobachter) für das Handelsblatt kommt dabei zu einem ernüchternden Ergebnis für die etablierten Parteien.

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