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17.08.2015

17:22 Uhr

Facebook

Hass und Hetze gegen Flüchtlinge

VonTina Halberschmidt

„Was will man auch vom Gesindel erwarten?“: Auf vielen Facebook-Seiten werden offen Vorurteile gegen Flüchtlinge geschürt. Wer sich dagegen wehrt, gerät selbst in die Schusslinie.

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, um hier zu bleiben. dpa

Asylbewerber

Immer mehr Flüchtlinge kommen nach Deutschland, um hier zu bleiben.

DüsseldorfEin ganz normales Facebook-Profil. Der Name klingt nach Allerwelt, die Fotos zeigen eine Familie. Glücklich lachende Kinder, Vorstadt-Idyll. An der Pinnwand wird über das lauschige Nachbarfest geplaudert, der Heimsieg des Lieblingsclubs bejubelt – und gegen Flüchtlinge gehetzt.

„Wir Deutschen werden doch verarscht“, ist da zu lesen. Und dann der Link auf einen Blog, der angeblich aufgedeckt haben will, dass jeder Flüchtling 2.800 Euro vom Staat erhält. In den Kommentaren Empörung pur. „Diesem Pack wird viel zu viel in den Rachen geschoben“, schreibt einer, und er ist noch lange nicht fertig: Wegen der vielen Ausländer könnten sich auch die Frauen hierzulande nicht mehr sicher fühlen. „Die trauen sich nicht mehr raus, sobald es dunkel wird. Soweit ist es gekommen“, wettert er. 29 Menschen sind derselben Meinung. Like. Like. Like.

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Dabei sind in dem Blog, in dem eine nicht näher benannte „Killerbiene“ etwas von Begrüßungsgeld fabuliert, nicht nur wilde Verschwörungstheorien rund um den 11. September zu lesen. Auch eine Hitlerrede ist als Video eingebunden, hat die internationale Koordinationsstelle zur Bekämpfung von Internetmissbrauch, mimikama.at, recherchiert. Ganz und gar keine seriöse Quelle also. Aber das stört in der Facebook-Community offensichtlich kaum jemanden.

Auf vielen auf den ersten Blick ganz normalen Profilseiten werden Tag für Tag schräge Geschichten gepostet, die einzig und allein ein Ziel haben: Flüchtlinge zu diskreditieren. Auf der Seite netz-gegen-nazis.de hat die Amadeu-Antonio-Stiftung einige der hartnäckigsten Gerüchte aufgelistet: Zum Beispiel die Meldung, dass eine Französin von muslimischen Frauen fast tot geprügelt wurde, nur weil sie einen Bikini trug. Oder dass Kinder in Container ziehen müssen, weil ihre Schule für Flüchtlinge gebraucht wird.

Fakten zur Flüchtlingsdebatte

Flüchtlingszahlen steigen

Stellten im Juni 2012 rund 4.900 Personen einen Asylantrag in Deutschland, waren es drei Jahre später mit 35.400 mehr als siebenmal so viele.

Herkunftsländer

Die wichtigsten Herkunftsländer waren im Juni 2015 Syrien mit 7.600 Personen, Albanien mit 5.900 und Serbien mit 2.200. Insgesamt entfiel auf die sechs Westbalkanstaaten Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien mit 12.600 rund ein Drittel der Asylanträge.

Kaum Chance auf Asyl

Diese Flüchtlinge haben allerdings kaum eine Chance auf Anerkennung in Deutschland: Nur 65 der 22.200 Entscheidungen über Asylverfahren von Westbalkanflüchtlingen waren im zweiten Quartal 2015 positiv.

„Sichere Herkunftsländer“

Tatsächlich wurden Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Serbien bereits zum 6. November 2014 in die Liste „sicherer Herkunftsstaaten“ aufgenommen. Das heißt: Asylanträge von Personen aus diesen Ländern können direkt abgelehnt werden, wenn der Bewerber nicht nachweisen kann, dass ihm im Herkunftsland tatsächlich politische Verfolgung droht.

Immer mehr Anträge

Eigentlich sollte diese Eingruppierung dazu führen, dass die Zahl der laufenden Asylverfahren deutlich zurückgeht. Jedoch ist die Zahl der am Monatsende anhängigen Verfahren von Personen aus den drei genannten Ländern weiter angestiegen und lag mit 41.000 im April 2015 deutlich über dem April 2014 (24.700 Verfahren). Insgesamt waren Ende April 2015 knapp 275.000 Asylverfahren anhängig, wovon mehr als 87.000 auf Westbalkan-Flüchtlinge entfielen.

Kosovo

Im Kosovo hat man damit begonnen, die Menschen darüber zu informieren, unter welchen Voraussetzungen sie in Deutschland als Flüchtlinge anerkannt werden – die Antragszahlen von Personen aus dem Kosovo hatten im März 2015 mit 11.700 einen historischen Höchststand erreicht, bis Juni sind sie nun auf 1.600 zurückgegangen.

Eins haben diese Nachrichten gemein: Sie stammen allesamt von rassistischen Blogs, in denen Stimmung gegen Zuwanderer gemacht wird. Und sie werden bei Facebook geteilt, hundertfach, Tag für Tag.

Kommentare (30)

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Account gelöscht!

17.08.2015, 17:32 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Account gelöscht!

17.08.2015, 17:40 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Adolf Schikelgruber

17.08.2015, 17:46 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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