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21.02.2014

16:59 Uhr

Facebook schluckt WhatsApp

Zuckerbergs Mega-Deal ruft Politik auf den Plan

VonDietmar Neuerer

ExklusivDer Facebook-WhatsApp-Deal alarmiert die deutsche Politik. Die Grünen haben bereits wettbewerbsrechtliche Bedenken angemeldet. Die SPD will sich nun für einen schärferen Datenschutz stark machen.

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg setzt mit dem Kauf von WhatsApp zum ganz großen Sprung an. AFP

Facebook-Gründer Mark Zuckerberg setzt mit dem Kauf von WhatsApp zum ganz großen Sprung an.

BerlinNach der Übernahme des Mitteilungsdienstes WhatsApp durch Facebook dringt die SPD auf scharfe Datenschutzregeln. „Wir müssen über den politischen Weg ein hohes Datenschutz-Niveau sicherstellen. Es geht um klare Regeln und die Durchsetzung dieser Regeln auch gegenüber internationalen Konzernen, die in Deutschland und Europa agieren“, sagte der netzpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Lars Klingbeil, Handelsblatt Online. Hier seien in den vergangenen Jahren insgesamt zu wenige Anstrengungen unternommen. „Das müssen wir ändern.“

Mit Blick auf WhatsApp regte Klingbeil einen Wechsel des Dienstes an. „Jeder Nutzer sollte sich sehr genau über die Datenschutz-Standards seiner genutzten Apps und Plattformen informieren und sich gegebenenfalls nach sicheren Alternativen umsehen“, sagte der SPD-Politiker. „Wir müssen die Nutzer hier stärker sensibilisieren.“

Was an WhatsApp Kopfschmerzen bereitet

Laxer Umgang mit Datenschutz

WhatsApp überträgt die Kontakte im Adressbuch auf seine Server in den USA – in Zeiten mächtiger Geheimdienste kein angenehmer Gedanke. Hinzu kommt: Durch die Offenlegung der Handynummern erfahren andere Leute, dass man die App nutzt – zumindest, wenn sie diese auch installiert haben und im Adressbuch stehen.

Zweifel an der Verschlüsselung

Lange wurden die WhatsApp-Nachrichten unverschlüsselt übertragen. Auch an der inzwischen eingesetzten Verschlüsselungstechnologie hegen Experten Zweifel.

Sicherheitsbedenken

Schon mehrfach stand Whatsapp wegen des laxen Umgangs mit Sicherheitsfragen in der Kritik – das betrifft nicht nur die Verschlüsselung. So konnten eine Zeit lang Whatsapp-Nutzerkonten relativ leicht gekapert werden. Nach Einschätzung einer Sicherheitsfirma kann auch der Bezahlprozess ausspioniert werden.

Soziale Kontrolle

Für jeden App-Nutzer ist einsehbar, wann die Kontakte das letzte Mal den Dienst genutzt haben. Es kommt vor, dass darüber Mütter kontrollieren, ob ihre Babysitter zu Hause noch wach sind – denn die verdaddeln die Zeit oft genug mit WhatsApp. Die App ermöglicht also eine gewisse soziale Kontrolle.

Undurchsichtige Firma

Über die Firma WhatsApp ist wenig bekannt, die Macher meiden die Öffentlichkeit weitgehend. Das stärkt nicht gerade das Vertrauen. Auch der Anfang 2014 angekündigte Verkauf an Facebook stößt auf Skepsis – das Soziale Netzwerk gilt nicht wenigen als Datenkrake.

Das Online-Netzwerk Facebook von Mark Zuckerberg hatte am Mittwoch mitgeteilt, den beliebten Kurzmitteilungsdienst WhatsApp für die stolze Summe von 19 Milliarden Dollar (13,8 Milliarden Euro) zu übernehmen. WhatsApp ermöglicht es, Textmitteilungen, Fotos, Videos und Audiodaten kostenlos übers Internet zu verschicken. Der Dienst hat derzeit nach eigenen Angaben 450 Millionen Nutzer weltweit. WhatsApp soll weiter ein unabhängiges Unternehmen bleiben. Auch für seine Nutzer soll sich zunächst nichts ändern.

Der Europaabgeordnete Jan Philipp Albrecht äußerte wettbewerbsrechtliche Bedenken. „Die EU-Kommission muss prüfen, ob sie ein wettbewerbsrechtliches Verfahren einleitet. Es ist offenkundig, dass Facebook und WhatsApp zusammen eine marktbeherrschende Stellung einnehmen und zu Monopolisten in Europa werden“, sagte der Grünen-Rechtsexperte Handelsblatt Online.

Kommentare (4)

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Collmann

21.02.2014, 18:01 Uhr

Mich würde ja interessieren, wie viele der so teuer erkauften WhatsApp-Nutzer nicht sowieso ein Konto bei Facebook hatten... Unter diesem Gesichtspunkt ist die Übernahme sicher noch teurer - ein Return on Investment (ROI) ist wohl eher aussichtslos.

Nachwuchs

21.02.2014, 19:10 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Kommentator

21.02.2014, 19:23 Uhr

>>> Brüssel müsse jetzt handeln. Es gebe genügend Anhaltspunkte für eine Wettbewerbsverzerrung. „Facebook und WhatsApp stellen eine ziemliche Bedrohung für ihre Konkurrenz in Europa und die Verbraucher dar“, sagte Albrecht.

Aha? Finden nicht gerade wegen vergleichbarer Probleme die Verhandlungen zum Freihandelsabkommen hinter verschlossenen Türen statt? Viele, viele Arbeitsplätze für Europa? Wer´s glaubt....

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