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27.05.2014

03:01 Uhr

Fachinstitut

Ökostrom-Umlage wird laut Experten erstmals sinken

Nach Berechnungen von Experten wird die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr zum ersten Mal sinken. Auch für 2016 wird mit einer Verringerung gerechnet. Der Verbraucher könnte sich über jährliche Einsparungen freuen.

Laut Experten soll die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr sinken. dpa

Laut Experten soll die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr sinken.

BerlinNach jahrelangem Anstieg wird die Ökostrom-Umlage im kommenden Jahr nach Berechnungen von Experten erstmals sinken. Auf Basis der bisher für die Umlage-Ermittlung angewandten Parameter errechneten das Öko-Institut und das Fachinstitut Agora Energiewende eine Umlage von netto 5,84 Cent je Kilowattstunde statt derzeit 6,24 Cent. Die Berechnungen liegen der Deutschen Presse-Agentur vor.

Damit müsste ein Haushalt bei einem Verbrauch von 3500 Kilowattstunden nur noch 204 statt derzeit 218 Euro Umlage im Jahr über den Strompreis zahlen, zuzüglich 19 Prozent Mehrwertsteuer. Auch für 2016 wird mit einer geringeren Umlage als heute gerechnet - Grund sei vor allem ein Milliardenüberschuss auf dem Umlagekonto, hieß es.

Beschlüsse zu Ökostromgesetz und Industrierabatten

Ausbau-Ziele

Der Ökostrom-Ausbau soll gezielter gesteuert werden: Bis 2025 soll er einen Anteil von 40 bis 45 Prozent am Verbrauch erreichen, bis 2035 von 55 bis 60 Prozent. Jährlich sollen maximal 2500 Megawatt Solar- und Windenergie an Land neu gebaut werden, sonst greifen Extra-Förderkürzungen. Beim Wind darf zusätzlich Ersatz für abgerissene Windräder installiert werden. Der Bau von Biogas-Anlagen soll drastisch auf 100 Megawatt begrenzt werden, da diese als teuer gelten und Mais-Monokulturen fördern. Mais ist Rohstoff für Biogas.

Wind auf hoher See

Bis 2020 sollen 6,5 Gigawatt installiert und bis 2030 dann 15 Gigawatt in Nord- und Ostsee gebaut werden. Dies ist weniger als früher vorgesehen. Dafür wurden aber die Förderkonditionen noch einmal vor allem auf Druck der Küstenländer leicht verbessert.

Förderhöhe

Die Fördersätze für Strom aus Neuanlagen sollen – bis auf Solar – überall nochmals gekürzt werden. Bei Windenergie an guten Standorten, vor allem der Küste, soll der garantierte Abnahmepreis um 10 bis 20 Prozent schrumpfen. Bei Biogas wird eine Reihe von Zuschlägen gestrichen.

Ökostrom-Vermarktung

Bislang verkaufen die Netzbetreiber die Energie an der Börse für die Anlagenbetreiber, diese erhalten wiederum auf 20 Jahre festgelegte Abnahmepreise. Künftig muss Strom aus allen größeren Anlagen selbst verkauft werden. Dazu gibt es eine Prämie, die die Lücke zu den garantierten Tarifen schließt. Ab 2017 soll die Prämie vorab als Aufschlag auf den Marktpreis per Auktion für Investoren festgelegt werden. Wer die geringste Prämie verlangt, bekommt den Zuschlag zum Bau eines Windparks oder einer Solar-Freiflächenanlage. Der Investor hat nun das Risiko sinkender und die Chance steigender Börsenpreise.

Industrie-Rabatte

Die EU hatte die Rabatte der Industrie von über fünf Milliarden Euro auf die Umlage der Verbraucher, mit der die Ökostrom-Förderung bezahlt wird, als verbotene Beihilfe angegriffen. Die jetzt erreichte Einigung wird im Mai verankert: Für 65 energieintensive Branchen werden 15 Prozent der Umlage fällig, aber nur bis zu einer Obergrenze von vier Prozent gemessen an der Bruttowertschöpfung des jeweiligen Unternehmens. Bei besonders großen Verbrauchern - etwa Aluminium- oder Stahlbetrieben - kann die Grenze bis auf 0,5 Prozent sinken. Unternehmen, die schon vor 2012 Rabatte bekommen hatten, aber nun nicht mehr unter die Kriterien fallen, müssen 20 Prozent der Umlage zahlen.

Rabatt-Rückzahlungen

Dass Unternehmen, die in den vergangenen Jahren in den Genuss der Rabatte gekommen sind, zu Rückzahlungen verpflichtet werden, konnte die Bundesregierung verhindern. Zudem sollen Übergangsregelungen für die neuen EU-Bedingungen möglich sein, die sich bis 2018 erstrecken dürfen.

Eigenstrom

Von der Industrie selbst erzeugter Strom bleibt von der Umlage komplett befreit. Neue Anlagen werden bei Handel und Gewerbe mit der Hälfte und bei der übrigen Industrie mit maximal 15 Prozent belastet. Ein Viertel des Industriestroms erzeugen die Betriebe selbst.

Bahn

Die Deutsche Bahn als größter deutscher Stromverbraucher muss nach Sonderregeln nun 20 Prozent der Umlage zahlen. Der Konzern hatte angekündigt, Belastungen auf die Ticketpreise umzulegen.

Strompreise für Haushalte

Die Regierung macht nach den Reformen keine Hoffnung auf sinkende Strompreise, will die Umlage zur Ökostrom-Förderung auf den Rechnungen aber zumindest stabil halten. Da die Industrie unterm Strich sich nach dem EU-Kompromiss nicht mehr an der Umlage beteiligt, wird dies den Privatverbraucher auch nicht entlasten. Die Umlage beträgt 6,24 Cent pro Kilowattstunde oder gut 200 Euro im Jahr für den Durchschnittshaushalt.

Zeitplan

Das Gesetz soll bis Ende Juni den Bundestag passieren und im Juli den Bundesrat. Damit soll es Anfang August in Kraft treten.

Die Zahlen preisen bereits die geplante Neuregelung bei den Industrie-Rabatten und der Ökostrom-Vergütung ein, sowie Annahmen der für die Umlageberechnung zuständigen Übertragungsnetzbetreiber zur Ökostromproduktion und zur Preisentwicklung an der Strombörse. Die Verbraucher zahlen die Differenz zwischen dem für den Strom erzielten Preis und dem auf 20 Jahre garantierten Vergütungssatz.

Die Umlage für das nächste Jahr wird am 15. Oktober veröffentlicht.

Von

dpa

Kommentare (4)

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27.05.2014, 08:54 Uhr

Bei einem für 20 Jahre fixierten Vergütungssatz und bei einem weiteren Ausbau der Ökostrom-Anlagen können die Gesamtkosten für diesen Strom nicht sinken. Das ist trivial.

Vielleicht wird die vom Privatverbraucher zu zahlende EEG-Umlage ein Jahr sinken - das wäre aber auf Einmal-Effekte zurückzuführen (z.B. falsche Prognosen der vergangenen Jahre). Und wenn außerdem die Industrie mehr EEG-Umlage abführt, zahlen wir Endverbraucher die Zeche trotzdem - entweder über weitergegebene Kostenerhöhungen oder aber (falls letzteres nicht möglich ist) über abwandernde Arbeitsplätze.

Und wenn der Ökostromausbau weitergehen soll, brauchen wir Stromspeicher, weil Sonne und Wind bestimmen, wann Strom produziert wird. Dann kommen gigantische Kosten auf uns zu - viel höher als die aktuellen Kosten, die auch nicht von schlechetn Eltern sind: momentan geben wir in Deutschland alle 22 Minuten eine Million EUR für Ökostrom aus.


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27.05.2014, 09:11 Uhr

Mag sein, dass die EEG-Umlage etwas sinken wird. Aber wir sollten uns auf steigende Netznutzungsentgelte einstellen.
Die Netze müssen ja noch ausgebaut werden, was die nächste Kostenlawine erzeugen wird. Denn leider findet sich niemand auf der Welt der Deutschland eben mal einige tausend zusätzliche Kilometer an Stromnetzen schenkt. Und damit noch immer nicht genug. Speicher gibt es auch nicht um sonst, wenn man sich entschließt welche zu bauen, dann wird es nochmal teurer. Der Ausbau der "Erneuerbaren" ist ja erst der Anfang der Energiewende.

Account gelöscht!

27.05.2014, 09:47 Uhr

Neben den Netzen brauchen wir auch noch Energiespeicher und Netzsteuerungstechnik. Warten Sie mal ab. Es ist nicht mehr lange, dann muss in jedem Haushalt ein intelligenter Stromzähler mit Zusatzkosten verbaut sein. Und das alles unter dem Aspekt, dass wir gerade mal die ersten 25 Prozent an Ökostrom geschafft haben. Wenn wir die zweiten 25 Prozent in Angriff nehmen umd dann mal irgendwann bei 50 Prozent zu landen, verdoppeln sich die Kosten nicht etwa, sie verdreifachen sich.
Das wird noch ganz ganz lustig.

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