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22.06.2011

11:47 Uhr

Fachkräfte-Gipfel

In Deutschland studiert, im Ausland erfolgreich

VonBarbara Gillmann, Peter Thelen

Deutschland sucht händerringend qualifizierte Ingenieure und Ärzte. Die Regierung öffnet die Grenzen für Ausländer etwas weiter. Doch die besten Köpfe heuern anderswo an, selbst wenn sie in Deutschland studiert haben.

Nachwuchsforscher an der Uni München: Viele Akademiker lassen sich in Deutschland ausbilden und wandern dann aus. Quelle: dpa

Nachwuchsforscher an der Uni München: Viele Akademiker lassen sich in Deutschland ausbilden und wandern dann aus.

BerlinEs ist ein großer Schritt für die Bundesregierung – aber ein kleiner für die deutsche Wirtschaft. In ihrem Konzept zur Fachkräftesicherung kündigt die Regierung die Grenzöffnung für einen Teil ausländischer Ingenieure und Ärzte an. Konkret fällt ab sofort für die händeringend gesuchten Ingenieure im Maschinen- und Fahrzeugbau sowie in der Elektrotechnik und für Ärzte die „Vorrangprüfung“ weg. Diese schreibt generell vor, dass nur dann ein EU-Ausländer eine Arbeitserlaubnis erhält, wenn die Stelle nicht mit einem Deutschen besetzt werden kann.

Doch Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnte vor großen Hoffnungen: „Es werden nicht viele kommen, denn Deutschland hat lange signalisiert, dass wir niemanden brauchen. Und qualifizierte Ingenieure oder Ärztinnen haben weltweit viele Angebote.“

Die Lockerung ist Teil der „Fachkräftestrategie“, die das Kabinett heute auf den Weg gebracht hat. Anschließend traffen sich die Kanzlerin und einige Minister in Meseberg mit Vertretern von Wirtschaft und Gewerkschaften zu einem Gipfeltreffen. Dort wollen sie eine gemeinsame Erklärung zur Fachkräftepolitik verabschieden.

Punktesystem für die Zuwanderung

Das Grundprinzip

Das Grundprinzip: Wer von 100 möglichen Punkten mindestens 60 erreicht, würde zum Verfahren zugelassen; ab 80 Punkten winke ein Dauer-Aufenthaltsrecht. Zuwanderungswillige Akademiker erhalten umso mehr Punkte, je höher ihr Abschluss ist.

Fachkräfte

Bei Fachkräften soll dagegen vor allem zählen, wie gefragt ihre Qualifikation hier ist. Für beide Gruppen gäbe es umso mehr Punkte, je besser sie deutsch oder englisch sprechen. Zusatzpunkte gäbe es für Bewerber unter 40 und für solche mit Integrationsvorteilen – etwa inländischem Partner oder inländischem Bildungsabschluss. Zum Start, so Zimmermann, könne man ein Kontingent von 50000 Zuwanderern im Jahr vorsehen und dies bei Bedarf steigern.

Migranten

Dritte Säule wäre eine kleinere Gruppe von 10000 bis 20000 Migranten, die eine Arbeitserlaubnis für maximal drei Jahre für einen konkreten Job bekämen. So werde eine flexible Reaktion auf kurz- und langfristige Bedarfe möglich. Bisher herrscht im Ausland große Verwirrung, wer wann unter welchen Bedingungen in Deutschland arbeiten darf, klagen etwa die Auslandshandelskammern. Mit transparenten Kriterien – ähnlich wie Australien oder Kanada – könne man das Interesse potenzieller Zuwanderer erhöhen, die Bürokratie senken und zudem die Akzeptanz in der Bevölkerung für qualifizierte Zuwanderung erhöhen.

Die Erleichterung für Ingenieure und Ärzte ist jedoch vorerst die einzige substanzielle Neuerung – ansonsten fasst Merkels „Strategie“ nur Bekanntes zusammen. Vage stellt die Regierung eine „Prüfung“ in Aussicht, wie man Zuwanderung gezielt steuern könne und fordert eine „Willkommenskultur“. Das geht nicht über den Koalitionsvertrag hinaus. Hintergrund ist der Widerstand von CSU und CDU-Innenpolitikern.

Entsprechend nüchtern ist das Urteil der Wirtschaft:  Die Erleichterung für einige Ingenieurberufe und Ärzte „ist ein erster kleiner Schritt, um die Zuwanderung für Qualifizierte nach Deutschland generell zu erleichtern“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags, Hans Heinrich Driftmann, dem Handelsblatt. Die bisherige Vorrangprüfung habe „mit einer Willkommenskultur nichts zu tun“. Nun müsse regelmäßig untersucht werden, welche weiteren Berufe von der Prüfung ausgenommen werden könnten.

Kommentare (7)

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Kraeftemangel

22.06.2011, 12:12 Uhr

Gerade Ärzte und Ingenieure werden in der Regel zu schlecht bezahlt. Die steuerliche Benachteiligung der Mittelschicht tu dann ihr übriges. Wer glaubt, dass spricht sich nicht auch bei Gymnasiasten rum der irrt sich gewaltig. Die Kinder bekommen tagtäglich von Ihren Eltern vorgeführt, dass sich lange Studienzeiten und harte Arbeit nicht mehr lohnen. Studienfächer, insbesondere in der Medizin oder Ingenieurwesen werden abgewählt. Statt wieder attraktive Bedingungen zu schaffen, rufen die Arbeitgeber nach billigen Ausländern. Das Jahresgehalt soll sogar auf 40.000.- Euro gesenkt werden. Noch Fragen? Aber selbst qualifizierte Ausländer arbeiten für solche Hungerlöhne nur noch ungern oder nur dann, wenn Sie know how abziehen können. Einen schönen Tag.

abc123

22.06.2011, 12:20 Uhr

40 000 € brutto Jahresgehalt ist ganz bestimmt kein Hungerlohn, aber als Jahresgehalt für einen Ingenieur ziemlich hoch.
Für dieses Jahresgehlt stehen Deutsche und EU-Bürger doch Schlange!!

Account gelöscht!

22.06.2011, 12:46 Uhr

Vollste Zustimmung.
Im übrigen gilt dies mittlerweile auch für gute Lehrberufe. Lernen und sich Einsetzen lohnt sich nicht, denn auch nach guter Lehre ist die Aussicht auf einen festen Job gering. Gerade auch im Handel. Ausgebildete junge Fach-Verkäuferinnen werden nicht übernommen, aber als 400 €-Kräfte können sie bleiben.
Der Jugend wird ja gar keine Chance gegeben sich ein Leben aufzubauen.
Und da jammern unsere kriminellen Politiker s tändig über den demografischen Faktor?
Wer als junger Mensch heute ein Kind in die Welt setzt, aber nicht weiß, ob er morgen noch einen Job hat, der muß doch mit dem Klammerbeutel gepudert sein.

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