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26.12.2012

17:38 Uhr

Fachkräftemangel

2030 fehlen mindestens eine Million Gesellen

ExklusivÜber eine Million Fachkräfte werden Deutschland 2030 fehlen – und das auch nur aus der Perspektive von Optimisten. Sollte die Bildungspolitik ihre Ziele nicht erreichen, droht diese Marke noch einmal deutlich zu steigen.

Eine Auszubildende im Beruf der Zerspanungsmechanikerin mit ihrem Meister. dpa

Eine Auszubildende im Beruf der Zerspanungsmechanikerin mit ihrem Meister.

Im Jahr 2030 werden in Deutschland mehr als eine Million Fachkräfte der mittleren Ebene, also solche mit Berufsausbildung fehlen. Das gilt jedoch nur unter der optimistischen Annahme, dass die Bildungspolitiker und die Berufsausbilder all ihre ehrgeizigen Ziele erreichen - also weit weniger Jugendliche ohne Abschluss in die Berufswelt entlassen und weit mehr von ihnen den Weg in eine Berufsausbildung zu ebnen. Gelingt das nicht, wächst der Mangel an Gesellen in Lauf der nächsten 17 Jahre sogar auf rund 1,7 Millionen.

Das ergab nach Information des Handelsblatts eine Prognose des Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und dem Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit. Der Präsident des BiBB, Friedrich Hubert Esser, mahnte angesichts der Zahlen, es reiche nicht aus, Schüler optimal zu fördern und sie besser in eine Ausbildung zu begleiten. Parallel dazu sei „Deutschland massiv auf berufliche Weiterbildung und Zuwanderung angewiesen“, um den Mangel zu dämpfen.

Aktuell liegt die Gesamtzahl der Fachkräfte mit Berufsausbildung in Deutschland bundesweit zwei Millionen über dem Bedarf. Dennoch gibt es bereits jetzt in einigen Regionen und Berufen Fachkräftemangel, etwa im der Pflege, den Kindergärten und der Gastronomie. Spätestens ab 2024 wird die Gesamtzahl der Beruflich Qualifizierten unter den Gesamtbedarf sinken.

Bund und Länder hatten sich auf dem Bildungsgipfel 2008 vorgenommen, die Quote der Personen ohne Schulabschluss in der Gruppe der 18 - 24jährigen auf unter zehn Prozent zu drücken, derzeit sind es 12 Prozent. Die Quote der Schulabgänger ohne Abschluss soll bis 2015 auf vier Prozent sinken - zuletzt waren es noch 6,5 Prozent. Auch die finanziellen Ziele sind unerreicht: Eigentlich sollten die Bildungsausgaben bis 2015 auf sieben Prozent des BIP steigen - bisher sind es nicht mal sechs Prozent.

Doch selbst wenn all das gelingt, „kann der voraussichtliche Fachkräftemangel gedämpft, aber nicht verhindert werden“, warnt die Studie.

Mit Blick auf die deutlich kleinere Gruppe der Hochqualifizierten - also Akademiker, Techniker und Meister - lässt die Prognose hingegen ein deutliches Überangebot erwarten. Erreichen die Bildungspolitiker alle Ziele - wozu auch die Steigerung des Akademikeranteils auf 42 Prozent eines Jahrgangs gehört - wird es im Jahr 2030 rund 1,5 Millionen Hochqualifizierte „zuviel“ geben.

Und selbst wenn die Bildungspolitik ihre Ziele grob verfehlt, ergibt sich noch eine Überdeckung von mehr als eine Million. Derzeit halten sich hier Angebot und Nachfrage in etwa die Waage. Dennoch drängt vor allem die Wirtschaft wegen des Mangels in den technischen Fächern auf mehr Akademiker. Zudem wird generell erwartet, dass künftig in nahezu allen Bereichen prozentual mehr Hochqualifizierte nachgefragt werden.

Von

bag

Kommentare (9)

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Bildungsminister

26.12.2012, 19:01 Uhr

Das wird vor allem ein Problem der Leute sein, die es nicht zur Fachkraft geschafft haben ...

Nachwuchs

26.12.2012, 19:04 Uhr

Mangel? Seit ca. 1990 hat sich die Wirtschaft in Deutschland geweigert Leute aus zu bilden und forderte statt dessen Einwanderung. Wieso dürfen die Polen in Polen keine alten Leute mehr pflegen? Geht mehr Menschenverachtung durch unsere deutschen Politiker und Manager?

Cheftaste

26.12.2012, 19:32 Uhr

Die ,,kostenlosen Urlaubsreisen" müssen ja ganz schön toll sein das unsere Politiker so Land und Bevölkerung verkaufen.
Der heutige Weg eines Jugendlichen schaut vereinfacht so aus. Schule->Ausbildung->Studium->Ausland.
Deutschland bildet teuer aus, woanders zahlt man Steuern.
Und ich nehme es den Leuten nicht einmal übel.
Als Geselle verdienen sie kein Geld und als Akademiker dann auch kaum mehr.
Die Tolerierung von Praktikantenstellen, Zeitarbeit usw. muss endlich mal aufhören. Und Tarif muss Tarif bedeuten.
Unser Binnenmarkt wird durch die niedrigen Löhne kaputt gemacht, ich möchte nicht das irgendwann ganz Deutschland ausschaut wie Bremerhaven oder Hoyerswerda.
Was wir derzeit erleben ist das man versucht die Kuh zu schlachten, die man eigentlich melken möchte.
Würde man die Gesellen in Deutschland angemessen bezahlen, gebe es diese Diskussion nicht.


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