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27.12.2014

12:01 Uhr

Fachkräftemangel

Handwerk will mehr Flüchtlinge als Azubis

Zehntausende Ausbildungsplätze bleiben in Deutschland unbesetzt. Handwerksbetriebe würden gern mehr junge Flüchtlinge aus Krisengebieten wie dem Irak und Syrien einstellen.  Doch es gibt bürokratische Hindernisse.

Azubi bei BMW: Vielen Betrieben fehlt der Nachwuchs. dpa

Azubi bei BMW: Vielen Betrieben fehlt der Nachwuchs.

BerlinViele Handwerksbetriebe in Deutschland würden gern junge Flüchtlinge als Lehrlinge einstellen, es fehlt aber an Planungssicherheit für die Firmen. Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer fordert deshalb ein begrenztes Bleiberecht für ausbildungswillige Flüchtlinge sowie andere Erleichterungen. „Unter den Flüchtlingen sind sehr viele mit guter Schulbildung, zum Beispiel aus dem Irak und Syrien, und viele, die großes praktisches Geschick haben“, sagte Wollseifer der „Rheinischen Post“.

Zum gesetzlichen Stichtag (30. September) waren noch 37 100 Lehrstellen unbesetzt, 3400 mehr als im Vorjahr. „Wenn wir einen jungen Flüchtling ausbilden, muss aber auch klar sein, dass er über die gesamte Lehrzeit in Deutschland bleiben darf“, argumentierte ZDH-Präsident Wollseifer. „Hier ist die Politik gefordert, denn unsere Betriebe brauchen Planungssicherheit.“ Die jungen Leute müssten dann rasch Deutschkurse besuchen, um in Betrieb und Berufsschule mithalten zu können.

Neben unbesetzten Lehrstellen gibt es in Deutschland allerdings auch viele junge Menschen ohne Ausbildungsplatz. Im Herbst galten noch 81 200 junge Menschen als unversorgt. Unter ihnen sind auch zahlreiche Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur.

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Die Bedeutung der Zuwanderung für den Standort Deutschland hebt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hervor. „So wie uns nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Flüchtlinge und Vertriebene beim Aufbau unseres Landes genützt haben und später die Gastarbeiter, so brauchen wir auch heute Zuwanderung“, sagte Schäuble der „Bild“-Zeitung.

Die Bundesregierung hat das Ziel ausgegeben, die durchschnittliche Dauer der Asylverfahren von jetzt etwa sieben Monaten auf drei zu verkürzen. Derzeit liegen bei der zuständigen Behörde jedoch noch 163 000 offene Verfahren. 15 000 davon sind älter als zwei Jahre.

In Deutschland wird nur ein Teil der Schutzsuchenden als Flüchtling anerkannt und bekommt ein Bleiberecht: Zuletzt lag die Quote bei knapp 30 Prozent.

Darüber hinaus leben in Deutschland derzeit mehr als 100 000 Geduldete – also Menschen, deren Asylantrag keinen Erfolg hatte, die aus verschiedenen Gründen aber nicht abgeschoben werden. Die Bundesregierung hatte Anfang Dezember umfangreiche Änderungen im Aufenthaltsgesetz auf den Weg gebracht. Sie sehen auf der einen Seite ein Bleiberecht für gut integrierte Migranten vor. Zugleich sollen kriminelle Ausländer, aber auch andere Menschen ohne Aufenthaltsberechtigung einfacher abgeschoben werden.

Kommentare (1)

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Herr Wolfgang Trantow

29.12.2014, 10:31 Uhr

Vom Prinzip her richtig. Auch die Leute in den Entwicklungsländer müssen geschult werden, damit Sie die Heimat, auch zwangsweise, aufbauen. Nur will aber unsere Wirtschaft nur billige Arbeitskräfte mit einem Jahreseinkommen von "1" Euro, damit die unfähigen Manager noch mehr Geld sich nehmen können. Warum gibt es in Deutschland "keine" Qualität mehr?

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