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18.08.2014

14:54 Uhr

Fachkräftemangel

Kaum jemand will nach Deutschland

Obwohl es seit einem Jahr für gefragte Fachkräfte einfacher geworden ist, eine Arbeitserlaubnis zu bekommen, kamen nur 170 Fachkräfte aus Nicht-EU-Staaten nach Deutschland. Laut Experten ist auch die Politik schuld.

Kaum Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern: Grund sind mangelnde Sprachkenntnisse, schwierige Vergleichbarkeit der Abschlüsse – aber auch zu wenig Werbung. dpa

Kaum Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern: Grund sind mangelnde Sprachkenntnisse, schwierige Vergleichbarkeit der Abschlüsse – aber auch zu wenig Werbung.

BerlinDie Öffnung des deutschen Arbeitsmarktes für beruflich qualifizierte Fachkräfte aus Ländern außerhalb Europas ist bislang wenig erfolgreich. Binnen eines Jahres kamen nur 170 solche Fachkräfte nach Deutschland, wie aus Zahlen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervorgeht.

Gründe sind mangelnde Sprachkenntnisse möglicher Bewerber, Schwierigkeiten bei der Vergleichbarkeit von Abschlüssen, das Fehlen einer „echten Willkommenskultur“ – und auch das fehlende Marketing.

Seit Juli 2013 ist eine neue Beschäftigungsverordnung in Kraft, Arbeits- und Wirtschaftsministerium veröffentlichten kurz darauf eine Liste mit den Berufen, in denen Fachkräfte aus Staaten außerhalb der EU in Deutschland grundsätzlich arbeiten dürfen: etwa Mechatroniker, Klempner, Kranken- und Altenpfleger, zum Beispiel aus Thailand, Südafrika oder Russland.

Sie können deutlich einfacher eine Arbeitserlaubnis bekommen als Berufstätige in anderen Bereichen. Der damalige Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sprach von einem wichtigen Meilenstein bei der Fachkräftesicherung.

Die im vergangenen Sommer veröffentlichte Liste zeigte nach Ansicht der damaligen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), dass „Betriebe in etlichen Branchen händeringend nach qualifizierten Kräften suchen – nicht nur nach Ingenieuren, sondern auch nach Facharbeitern“. Die Liste erleichtere es den Unternehmen, ihren Bedarf „schnell und sicher zu decken“.

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Die Konflikte in der Ukraine und im Nahen Osten belasten die Konjunktur. Die Auswirkungen sind auch in der deutschen Wirtschaft und auf dem Arbeitsmarkt spürbar. Die Bundesagentur für Arbeit gibt sich pessimistisch.

Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) erklärte jedoch am Montag in Berlin, die Engpässe bei besonders gefragten Qualifikationen hätten sich kaum entschärft – und das trotz der Anstrengungen von Politik und Wirtschaft.

Das sei bedenklich. Insbesondere in Berufen, die eine duale Ausbildung erforderten, fehlten nach wie vor qualifizierte Fachkräfte. Hier gelinge es kaum, verstärkt Fachkräfte aus Drittstaaten zu beschäftigen. Die Arbeitgeber machen vor allem mangelnde Sprachkenntnisse und Schwierigkeiten bei der Vergleichbarkeit von Berufsabschlüssen verantwortlich.

Sie mahnen aber auch die Politik, mehr für die Etablierung einer echten Willkommenskultur zu tun. Experten zufolge sollte Deutschland auch offensiver um ausländische Fachkräfte werben. Im Jahresgutachten des Sachverständigenrates deutscher Stiftungen für Integration und Migration heißt es etwa, Zuwanderungsmöglichkeiten müssten beworben und nicht versteckt werden.

Die als bemerkenswert beurteilten Neuerungen in der deutschen Zuwanderungspolitik seien im Ausland viel zu wenig bekannt. Die Zuzugsregeln für Fachkräfte und Hochqualifizierte gehören laut dem Sachverständigenrat zu den liberalsten in den westlichen Industriestaaten. Bei Fachkräften aus Drittstaaten forderte der Rat aber neben mehr Werbung auch zusätzliche Anreize – zum Beispiel, um die Sprachhindernisse auszugleichen.

Von

afp

Kommentare (15)

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Herr Peter Kock

18.08.2014, 15:15 Uhr

Es könnte doch sein , dass die Interessenten sich im Vorfeld schlau machten durch Recherchen. Ich würde auch nicht dahin gehen wo die reale Arbeitslosigkeit nahezu 20 % ist und nur nach unten gelogen wird ! Da hätte ich Sorge um meinen Arbeitsplatz und dann mit einem Länderwechsel im Genick. Na toll !

Herr Fred Meisenkaiser

18.08.2014, 15:27 Uhr

Und dann kommt noch die miese Bezahlung hinzu. gesucht werden Billigkräfte, keine Fachkräfte.
Fachkräfte für < 40T€/Jahr, die gibts eben nicht mehr.

Vielleicht müssen die Unternehmen mal weniger in die Gewinne der Eigner sondern mehr in die Mitarbeiter investieren. Wer ordentlich zahlt, findet genug deutsche Mitarbeiter.

Herr Manuel Unbekannt

18.08.2014, 15:38 Uhr

Es gibt ihn, den Fachkräftemangel. In einzelnen Regionen und bei bestimmten Qualifikationen.

In der Breite. Eher kaum.

Warum?

Von 1990 bis heute ist die Anzahl der Arbeitnehmer (im produzierenden Gewerbe) von ca. 10 Mio auf ca. 7 Mio zurückgegangen ist. Im öffentlichen Dienst sind seit 20 Jahren kaum Beschäftigungszuwäche zu verzeichnen (die Zahlen sind schwer zu interpretieren, da Pensionäre nicht „herausgerechnet“ werden). Vor diesem Hintergrund relativiert sich das Geschrei um fehlende Arbeitskräfte.

Die realen Gehälter im deutschen Mittelstand sind durchwachsen.

Ingenieur-Mangel? Wohl kaum, sonst müssten die Löhne steigen und die arbeitslosen Ingenieure würden schon aus Spanien, Italien und Portugal kommen.

Aber sich kommen nicht. Warum?

Nehmen wir mal das Beispiel eines mittelständischen Ingenieurdienstleisters. Auf der Webseite sind zahlreiche Stellen für hochqualifizierte technische Spezialisten (ausschließlich mit Studium) zu finden. Auf das „junge Team“ wird hingewiesen. Bei der Bezahlung erlebt man eine Überraschung: Der Bank- oder Versicherungsangestellte (mit Ausbildung) erhält mit seinen ca. 25 Jahren (Abschluss der Ausbildung mit ca. 21 Jahren) ein identisches Gehalt wie der Universitätsabsolvent, der bei diesem Dienstleister anfängt (Beispiel: Tarifgruppe 4/5 mit üblichen Sonderzahlungen, Versicherungswesen: Bruttogehalt ca. 40 kEuro / Jahr). Zur Krönung gibt es oftmals einen befristeten Vertrag. Wenn doch der Mangel so groß ist, warum steigen dann nicht die Gehälter?

2.800 brutto im Monat, das sind ca. 1.750 netto. Damit kann man in München keine 2 Zimmer Wohnung mieten….

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