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06.04.2011

09:11 Uhr

Fachkräftemangel

Warum weniger Arbeitslose nicht nur eine gute Botschaft sind

VonDietrich Creutzburg

Die sinkenden Arbeitslosenzahlen sind nicht nur ein Grund zur Freude: Sie bedeuten auch, dass bald die Fachkräfte rar werden. Und dass es für die Deutschen nicht leicht sein wird, das Wohlstandsniveau zu halten.

Leere Warteräume in der Agentur für Arbeit wird es auch in Zukunft selten geben: Viele Langzeitarbeitslose sind zu schlecht ausgebildet, um die fehlenden Fachkräfte zu ersetzen. Quelle: ap

Leere Warteräume in der Agentur für Arbeit wird es auch in Zukunft selten geben: Viele Langzeitarbeitslose sind zu schlecht ausgebildet, um die fehlenden Fachkräfte zu ersetzen.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist im Wandel: Fachkräfte werden rar, und junge Akademiker haben von Jahr zu Jahr bessere Chancen. Doch das heißt nicht, dass der Wohlstand der Deutschen automatisch wächst, sobald Vollbeschäftigung erreicht ist. Denn ein Großteil der Arbeitslosen ist unterqualifiziert und nicht ohne weiteres integrierbar. Ohne erhebliche Anstrengungen in der Bildung und Fortbildung und ohne steigende Einwandererzahlen werden die Deutschen ihr Wohlstandsniveau nicht halten können.

Nach den Vorausberechnungen des Statistischen Bundesamts verliert Deutschland bis 2020 etwa zwei Millionen Arbeitskräfte – jedes Jahr rücken weniger jüngere nach, als ältere in Rente gehen. Danach wächst die Lücke dann deutlich schneller, bis 2030 auf voraussichtlich fünf bis sechs Millionen Arbeitskräfte. Dabei ist sogar schon unterstellt, dass jedes Jahr per saldo 100.000 Menschen zuwandern – obwohl 2008 und 2009 noch mehr Menschen das Land verließen als hierherkamen.

Die deutsche Politik sonnt sich lieber im Aufschwung, als dieses langfristige Problem anzugehen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) jubelt, das Land sei „auf der Schnellstraße zur Vollbeschäftigung“. Konjunkturforscher sagen für 2012 einen Rückgang der Arbeitslosenzahlen auf unter 2,5 Millionen voraus. Doch das liegt mindestens ebenso an der schrumpfenden Bevölkerung wie an der florierenden Wirtschaft. Das heißt: Der Rückgang der Arbeitslosenzahlen ist nicht nur eine gute Botschaft, sondern auch ein Vorbote des bevorstehenden Arbeitskräftemangels.

„Ob Deutschland sein Wohlstandsniveau langfristig halten kann, entscheidet sich daran, ob es hierzulande genügend Wertschöpfung gibt“, sagt Klaus Schrader vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Und das setzt vor allem voraus, dass genügend qualifiziertes Personal verfügbar ist.“ Doch eben das wird schwieriger – vor allem, wenn die Arbeitskräftebasis rascher als die Gesamtbevölkerung schrumpft.

Kommentare (17)

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SeriousSam

06.04.2011, 11:40 Uhr

Die Mär vom aktuellen und/oder bevorstehenden Arbeitskräftemangel gerade bei qualifizierten Berufen wird von den einschlägig betroffenen Kreisen seit Jahren durch die Medien getragen.

Wahr wird sie dadurch nicht. Denn nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage müssten bei einem Mangel die Preise kräftig steigen - hier also: die Einkommen.

Seit gut 15 Jahren aber sinken die Realeinkommen (und oft auch die Nominaleinkommen) selbst von Ingenieuren. Mehr noch: es gibt hunderttausende gut qualifizierte arbeitslose Ingenieure und Techniker.

Daher sieht die Realität ganz anders aus, als es die Krisenrhetorik glauben machen will: es gibt keinen Arbeitskräftemangel sondern einen Mangel an passenden und fair bezahlten Arbeitsplätzen.

Peter

06.04.2011, 11:41 Uhr

Ich kann es nicht mehr hören geschweige denn lesen, dieses ewige Märchen vom drohenden Fachkräftemangel. In den neunziger Jahren hatte in Brandenburg der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe in dieses Horn geblasen und wollte die jungen Leute zum Bleiben bewegen. Sie würden in ein paar Jahren hier dringend gebraucht. Inzwischen sind Sohn und Tochter groß geworden und haben in Hamburg Arbeit gefunden, mussten also auswandern, weil hier für einen Fahrzeugtechniker und eine Buchhalterin nichts zu finden war oder so miserabel bezahlt, dass wir als Eltern noch hätten zuzahlen müssen.
Heute lese ich, dass in vielen Landkreisen Brandenburgs und selbst in Berlin die Arbeitslosigkeit immer noch zwischen 10 und 15 % liegt.

gdopamin

06.04.2011, 11:42 Uhr

Bei 3 Mio. Arbeitlose und 4 Mio. Hartz IV Empfängern ist das eine Frechheit. Das würde bedeuten, die sind alle doof und faul.

Vielleicht sollten sich die Firmen mal endlich wieder ihrer gesellschaftlichen Verantwortung stellen und ausbilden. Also langfristig in sogenanntes „Humankapital“ investieren. Das dauert natürlich und kostet entsprechend. Da ist doch Hire and Hire viel bequemer.

Da wird das Rentenalter bis 67 angehoben, aber bei der Beschäftigungsquote der über 60ig Jährigen stehen wir am Ende im europäischen Vergleich.

Nee, lieber quaken, rumjammern, die Ausbildungskosten auf die Gesellschaft abwälzen aber die Gewinne möglichst in Luxemburg versteuren.

Die ganze Gesellschaft ist nur noch ein Pyramidenspiel. Angefangen und vorgemacht von den korrupten Banken und Politikern bis hinunter zum letzten „Geiz ist geil“ Käufer.

Nach uns die Sintflut.

Es k...... nur noch an.

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