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18.04.2012

18:52 Uhr

„Fairwohnen“

Die Linkspartei entert den Immobilienmarkt

Die Abgeordneten der Linksfraktion wollen mit einer Genossenschaft unter dem Namen „Fairwohnen“ um die Wohnungen der TLG mitbieten. Die SPD nimmt das Engagement der Partei nicht ernst.

Ein leerer Stuhl mit einer Tasche der Partei „Die Linke“. dpa

Ein leerer Stuhl mit einer Tasche der Partei „Die Linke“.

BerlinDie Linkspartei stürzt sich in den Immobilienmarkt und will mit einer Genossenschaft um die 11.500 Wohnungen der bundeseigenen Treuhandliegenschaftsgesellschaft TLG mitbieten. „Wohnen ist ein fundamentales Grundbedürfnis der Menschen, und sie müssen eine faire Chance haben, ihr Leben in Würde, ohne Angst vor sozialer Not zu leben“, erklärte die wohnungsbaupolitische Sprecherin der Linksfraktion, Heidrun Bluhm, am Mittwoch in Berlin. „Fairwohnen“ heißt die linke Genossenschaft. Die SPD sprach von einem „Witz“.

Laut Bluhm will die Linke vor allem die Mieter der heutigen Treuhandwohnungen als Genossenschaftsmitglieder gewinnen. „Natürlich können die Gründungsmitglieder aus der Fraktion nicht auf Dauer zu Wohnungsverwaltern werden, und das wollen sie auch nicht“, sagte Bluhm. Ihre Partei werde vielmehr beweisen, „dass Renditejagd und Privatisierungswahn nicht alternativlos sind und dass auch in einer Marktwirtschaft soziale Zwecke durchaus effektiv und demokratisch zu erreichen sind“.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Schneider, nannte die Gründung der Genossenschaft einen „Witz, um das Thema zu transportieren“. Die Genossenschaft werde das nötige Kapital nicht aufbringen, sagte er der Onlineausgabe der „Mitteldeutschen Zeitung“.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Hans-Joachim Hacker erklärte: „Ich halte es für problematisch, dass sich Parteien in das Wirtschaftsgeschehen reinhängen, auch wenn es sich hierbei um TLG-Immobilien handelt.“ Hacker plädierte dafür, den Verkauf der Wohnungen zurückzustellen und den Einfluss der öffentlichen Hand in diesem Bereich zu sichern.

Das Bundesfinanzministerium will die TLG in einem zweiten Anlauf an Investoren verkaufen. Der aus der Treuhand hervorgegangenen Gruppe gehören unter anderem 11.500 Wohnungen und gewerbliche Immobilien in Berlin, Dresden und Leipzig. Laut Ministerium ist sie das führende Immobilienunternehmen in Ostdeutschland.

Der erste Versuch war im Herbst 2008 wegen der Finanzkrise abgebrochen worden. Das Immobilienvermögen der TLG-Gruppe betrug laut Bundesfinanzministerium Ende 2010 rund 1,7 Milliarden Euro.

Von

dapd

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