Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.12.2016

08:34 Uhr

Fake-News

„Lug und Trug im Netz“

Beim Umgang mit Fake News bekleckern sich weder Politik, noch Facebook, Google oder die traditionellen Medien mit Ruhm, meint Ex-Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Ein Gastkommentar.

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war Bundesjustizministerin und ist Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. dpa

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger

Sabine Leutheusser-Schnarrenberger war Bundesjustizministerin und ist Vorstand der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

Das vermeintliche Allheilmittel der Politik, wenn man nicht mehr weiter weiß, lautet bekanntlich: neue Strafrechtsbestimmungen. Wenig verwunderlich, dass jetzt auch das Problem der „Fake News“ so gelöst werden soll. CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer warnte in düsteren Worten vor der Gefahr einer verfälschten Bundestagswahl 2017 und forderte rechtliche Konsequenzen wie die Aufnahme von „Desinformationskampagnen als Straftatbestand“. CDU-Rechtspolitiker Patrick Sensburg meint gar, eine staatliche Prüfstelle solle Propagandaseiten aufdecken und kennzeichnen. Vorschläge, an deren Umsetzbarkeit wohl nicht einmal die Betreffenden selbst glauben. Schließlich geht es mehr als nur Internettrolle und automatisierte Computerprogramme.

„Fake News“ sind bewusst gestreute Falschmeldungen, um Verwirrung zu schaffen, den politischen Gegner zu diffamieren oder schlicht durch hohe Aufmerksamkeit Geld zu verdienen. Neu ist der bewusste Einsatz in sozialen Netzwerken, indem virale Effekte ausgenutzt werden und so schnell enorme Reichweiten erzeugt werden können. Dabei bleiben deren Urheber und damit auch die Absicht dahinter meist gut versteckt im Verborgenen. Verstärkt wird die Wirkung durch den verbreiteten Einsatz von Bots und Algorithmen. Ob etwa deutsche Kommentare für die autoritäre Politik Erdogans von Bots, echten Menschen oder sogar extra bezahlten Schreibern stammen, lässt sich für andere User kaum erkennen. Meinungen und Öffentlichkeit entstehen trotzdem. Oft werden bewusst Auslassungen vorgenommen, die den Sinn verfälschen. Und völlig selbstverständlich werden Lügen in die Welt gesetzt.

Social Bots, Fake-News, Hacking: Wie könnte die Bundestagswahl manipuliert werden?

Social Bots, Fake-News, Hacking

Wie könnte die Bundestagswahl manipuliert werden?

Falschmeldungen, Hacker-Angriffe, Einsatz von Programmen, die sich als normale Nutzer ausgeben: Experten fürchten, der Bundestagswahlkampf könne aus dem Netz beeinflusst werden. Die möglichen Methoden im Überblick.

Angesichts des tiefgreifenden Wandels des Mediennutzungsverhaltens ist die Wirkung groß. Fast 90 Prozent der Jugendlichen nutzen das Internet täglich, Tageszeitungen werden hingegen nur von 19 Prozent konsumiert. Insbesondere führende Onlinedienste wie Facebook, Google oder Twitter sind entscheidend für die virale Verbreitung von Falschmeldungen. Sie stehen zu Recht in der Kritik, nicht streng genug gegen Lug und Trug vorzugehen.

Traditionelle Medien machen es sich arg einfach, wenn sie mit dem erhobenen Finger auf Bots und Algorithmen zeigen. Das Medienangebot war noch nie völlig objektiv und kann es auch gar nicht sein. Die Entscheidung über den Wert einer Nachricht ist immer ein Stück weit subjektiv, jede Meldung braucht schließlich Kontext.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

16.12.2016, 09:33 Uhr

Ich lese nur die System-Medien und werde immer richtig informiert, insbesondere über Herrn Trump und die USA. Die Meldungen über Herrn Putin haben einen besonderen Wahrheitsgehalt,
vor allen Dingen dann, wenn er vor der glorreichen Kanzlerin auf die Knie geht, wie an der Krim und Syrien zu sehen war. Auch die Lüge von der Aufnahme von tausenden von syrischen Deserteuren in das deutsche Sozialsystem, wurde sofort entlarvt. Die Beiträge zu den Rettungsschirmen sind unübertroffen und zählen zur besten Unterhaltungsliteratur. Wie gut daß wir eine freie Presse haben.

Herr otto dest

16.12.2016, 09:53 Uhr

danke für den Kommentar. Es sind wohl in der Tat Nebelkerzen, die da in München und Berlin geworfen werden - wieder einmal. Wenn man in die genannte Richtung denkt, dann sollten doch zuerst mal die Druckmedien und das sog. öffentl. rechtliche Staatsfernsehen haftbar für Falschmeldungen gemacht werden. Z. B. wenn der jüngste Atomdeal mit Bildern monströser furchterzeugender Kühltürme von Braunkohlekraftwerken verbunden wird und nirgendwo erklärt wird, das in den 70er Jahren die SPD die Konzerne fast mit Gewalt in die Kernenergie gezwungen hat (Matthöfer).
Lug und Trug ist in dieser Gesellschaft doch allgegenwärtig. Und sei es der Yoghurtbecher mit der aufgedruckten Erdbeere.
Doch diesmal geht es um die gut dotierten Posten der etablierten Parteien. Das Establishment lässt grüßen.

Herr Grutte Pier

16.12.2016, 10:49 Uhr

"Die Mehrheit der Menschen orientiert sich an Fakten."

Genau aus dem Grund glauben immer weniger den "Qualitätsmedien".

Wenn das, was man jeden Tag in seinem Umfeld erlebt, in den selbsternannten Qualitätsmedien "nicht vorkommt", nur noch verharmlosend oder gar verdreht dargestellt wird, kann was nicht stimmen......

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×