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26.10.2015

12:08 Uhr

Faktencheck Flüchtlinge

Asozial, kriminell, faul?

Vorurteile über Flüchtlinge gibt es viele: Angeblich nehmen sie anderen die Jobs weg, bedrohen die Sicherheit in unserem Land und überfordern die Republik. Doch was sagen die Fakten?

Angekommen? Ein Flüchtling am Bahnhof in Berlin. imago

Vorurteile gegen Flüchtlinge gibt es viele

Angekommen? Ein Flüchtling am Bahnhof in Berlin.

BerlinRechtsextreme und Fremdenfeinde hetzen lautstark gegen Asylbewerber. Aber auch andere warnen vor einer Überforderung des Landes durch die wachsenden Flüchtlingszahlen – und vor angeblich bösen Folgen für Sicherheit und Wohlstand. Es kursieren zahlreiche Vorurteile und Gerüchte. Ein Blick auf die Fakten.

Nehmen Flüchtlinge Arbeitsplätze in Deutschland weg?
Asylbewerber dürfen zunächst gar nicht in Deutschland arbeiten. In den ersten drei Monaten ist ihnen das komplett verwehrt. Erst nach 15 Monaten fällt zudem die „Vorrangprüfung“: Steht ein Deutscher oder ein EU-Bürger für den Job zur Verfügung, bekommen Asylbewerber keine Beschäftigungserlaubnis.

Die Arbeitgeber fordern eine Senkung dieser Fristen – denn der Bedarf an Arbeitskräften ist groß. Allerdings haben die Betroffenen auch aus anderen Gründen oft Schwierigkeiten, einen Job zu finden. So fehlen ihnen oft in Deutschland anerkannte Qualifikationen und Abschlüsse.

Was Bürger für Flüchtlinge tun können

Wie erfahre ich, wo Hilfe benötigt wird?

Ein paar Telefonanrufe helfen in der Regel weiter: Die örtlichen Kirchengemeinden, das Rote Kreuz, Caritas oder Diakonisches Werk wissen normalerweise, wo es in der Nähe Flüchtlingsunterkünfte gibt und wer gerade Helfer sucht. Ansprechpartner auf der Verwaltungsebene ist meist das Ordnungsamt, da meist hier die Bereiche Asyl und Migration angesiedelt sind. In jedem Bundesland gibt es zudem einen Flüchtlingsrat, der Kontakte vermitteln und weiterhelfen kann.

Wie kann ich mich tatkräftig engagieren?

Neu ankommende Flüchtlinge sind auf zupackende Unterstützung angewiesen: Helfer können Flüchtlinge mit dem neuen Wohnumfeld vertraut machen, sie zu Behörden und zum Arzt begleiten, Deutschunterricht geben, Hausaufgabenbetreuung anbieten und Kontakte zu Sportvereinen und Freizeiteinrichtungen herstellen. Manche Flüchtlingseinrichtungen vermitteln "Patenschaften", um den Flüchtlingen feste Ansprechpartner für Alltagsfragen anzubieten. Sprachliche und berufliche Vorkenntnisse sind bei Helfern oft nicht so wichtig – was zählt, ist die Einsatzbereitschaft.

Werden Sachspenden benötigt?

Oftmals ja – wobei immer gilt: Zunächst direkt bei der Flüchtlingsunterkunft nachfragen, was gerade gebraucht wird. Nachfrage besteht oft nach Spielzeug, Kleidung, Hygiene- und Gesundheitsartikeln, Bustickets, Telefonkarten, Sanitäranlagen oder Möbeln. Auch Handwerkerleistungen sind gefragt.

Machen Geldspenden Sinn?

Viele Flüchtlingshilfe-Organisationen sind auf private Spenden angewiesen. Auf internationaler Ebene gibt es etwa das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, in Deutschland gibt es Vereinigungen wie Pro Asyl und auf kommunaler Ebene gibt es eine Vielzahl von Projekten. Die Spenden können steuerlich als Sonderausgaben abgesetzt werden, wenn die Empfänger als gemeinnützig anerkannt sind. Flüchtlingshelfer regen an, etwa bei Jubiläumsfeiern oder Geburtstagen auf das Beschenktwerden zu verzichten und Gäste um Spenden für Flüchtlinge zu bitten.

Kann ich Flüchtlinge bei mir daheim aufnehmen?

In manchen Bundesländern ist das bereits erlaubt, in anderen nicht. Ansprechpartner vor Ort ist in der Regel das Ordnungsamt, an das entsprechende Angebote für Privatunterkünfte zu richten sind. Hilfe bei der Vermittlung leistet die private Internetseite www.fluechtlinge-willkommen.de. Flüchtlingshelfer berichten, dass die Behörden nicht immer auf solche Angebote reagieren - möglicherweise aus Überlastung oder aus logistischen Gründen, weil es für die Verwaltung einfacher ist, Flüchtlinge zentral an einem Ort unterzubringen. In solchen Fällen raten Flüchtlingshelfer: Nicht aufgeben, immer wieder nachfragen.

Wie kann ich Verständnis für Flüchtlinge wecken?

Der Schulunterricht ist ein guter Ort, auf die gegenwärtige Lage einzugehen. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR bietet umfassendes deutschsprachiges Unterrichtsmaterial und vermittelt Schulbesuche von Flüchtlingen. Ganz allgemein raten Flüchtlingshelfer: Treten Sie beherzt ein gegen fremdenfeindliche Sprüche in ihrer Umgebung, suchen Sie Kontakt mit Flüchtlingen.

Dabei herrscht in vielen Berufsgruppen Fachkräftemangel, etwa in technischen oder Pflegeberufen. Mehr als ein Drittel der Betriebe fürchtet laut einer Umfrage dadurch Wettbewerbsverluste. Unterm Strich sind Arbeitskräfte aus dem Ausland nach offiziellen Prognosen durchaus nötig für Deutschland.

So würde die Zahl der Menschen, die für den Jobmarkt in Betracht kommen, laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ohne Einwanderung von derzeit 45 Millionen Menschen bis zum Jahr 2050 auf unter 29 Millionen sinken. Ausländer in Deutschland zahlen laut einer Studie im Schnitt 3.300 Euro mehr Steuern und Sozialabgaben als sie staatliche Leistungen erhalten.

Hunderttausende von Flüchtlingen werden dieses Jahr in Deutschland Asyl beantragen. Was denken sie? Was wollen sie? Weil die Neuankömmlinge noch immer vielsprachig sprachlos sind, will das Handelsblatt ihnen eine Stimme geben: Auf 50 Seiten sprechen und schreiben Künstler und Unternehmer, Schriftsteller, Ärzte und Ingenieure, Männer und Frauen aus Afghanistan, Iran und und Irak, Syrien, Eritrea aber auch dem Kosovo über Merkel und Europa, Heidenau und das Schleppergeschäft – aber auch die Sorgen der Deutschen, mit denen sie nun konfrontiert werden. Das komplette Dossier als PDF zum Download.

Überfordert der Zustrom von Flüchtlingen die Bundesrepublik?
Laut offizieller Prognose werden in diesem Jahr insgesamt rund 800.000 Asylbewerber in Deutschland erwartet. Inoffizielle Schätzungen liegen deutlich darüber. Die Flüchtlingszahlen sind in den vergangenen Jahren und Monaten rasant gestiegen und liegen nun so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der Bundesrepublik. EU-weit ist Deutschland das Hauptzielland für Flüchtlinge.

Ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt, nehmen andere EU-Staaten wie Schweden allerdings mehr Asylbewerber auf. Und Staaten aus der Region rund um das Bürgerkriegsland Syrien - wie die Türkei, Jordanien oder Libanon – sind ohnehin weit stärker von den großen Flüchtlingsbewegungen betroffen.

Kommentare (117)

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Herr Walter Gerhartz

26.10.2015, 12:14 Uhr

Merkel CDU Parteitag 01.02.03 Leipzig:
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Manche unserer Gegner können es sich nicht verkneifen uns in der Zuwanderungsdisskussion in die rechtsextreme Ecke zu rücken nur weil wir im Zusammenhang mit der Zuwanderung auf die Gefahr von Parallellgesellschaften aufmerksam machen.
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Das ist der Gipfel der Verlogenheit und eine solche Scheinheiligkeit wird vor den Menschen wie ein Kartenhaus in sich zusammenbrechen.
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Deshalb werden wir auch weiter eine geregelte Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung fordern!

Herr Walter Gerhartz

26.10.2015, 12:15 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Walter Gerhartz

26.10.2015, 12:16 Uhr

Sehenswert / Hörenswert: https://www.youtube.com/watch?v=mqHZ27Yt7A4
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Wir sind wohl auf das Ausland angewiesen, um die Wahrheit über die SCHRECKLICHEN VORGÄNGE im eigenen Land zu erfahren. Hier wird vertuscht und gelogen !!!!

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