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16.05.2013

15:59 Uhr

Familien zahlen zu viel Mehrwertsteuer

Windeln statt Whiskas

VonDietmar Neuerer

ExklusivKäufer von Tierfutter und Pralinen zahlen den reduzierten Mehrwertsteuersatz, wer Kinderprodukte benötigt, wird voll zur Kasse gebeten. Das will die Familien-Lobby ändern. Die Steuerexperten haben aber ganz andere Pläne.

Auf einem Kassenbon sind die Mehrwertsteuersätze von 7 und 19 Prozent zu sehen (Archivfoto). dpa

Auf einem Kassenbon sind die Mehrwertsteuersätze von 7 und 19 Prozent zu sehen (Archivfoto).

BerlinIm Koalitionsvertrag hat Schwarz-Gelb vollmundig eine Mehrwertsteuerreform angekündigt. Treffen einer Reform-Kommission wurden aber immer wieder abgesagt. Und so kurz vor der Wahl wird sich bei diesem Thema nichts mehr bewegen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte die Hoffnung auf eine grundlegende Reform wegen fehlender Mehrheiten in Bundestag und Bundesrat sogar schon vor Monaten aufgegeben. Damit wird die nächste Bundesregierung den Dschungel der Ausnahmeregelungen der Mehrwertsteuer lichten müssen. Wohin die Reise gehen könnte, haben die Parteien teilweise schon durchblicken lassen.

Eine bestimmte Personengruppe spielt in den Überlegungen bislang gar keine Rolle: Familien. Dabei könnte die Politik bereits im Wahlkampf bei dieser Wählerschicht Punkte sammeln, wenn sie sich für eine generelle Ausweitung des reduzierten Mehrwertsteuersatzes auf Kinderprodukte und Dienstleistungen für Kinder stark machen würde.

Der Deutsche Familienverband (DFV) und der Deutsche Kinderschutzbund (DKSB) halten jedenfalls in diesem Bereich eine gesetzliche Änderung für überfällig. Der niedrigere Steuersatz gelte für Hundefutter, Hotelübernachtungen und Pralinen. Kleidung, Schuhe, Windeln und Autositze für Kinder würden dagegen mit 19 Prozent besteuert. „Das muss sich dringend ändern“, sagte die DFV-Vizepräsidentin Petra Nölkel Handelsblatt Online.

Familien leisteten „sehr viel“ für unsere Gesellschaft und sie schulterten hohe Ausgaben. Der reduzierte Mehrwertsteuersatz müsse deshalb endlich auch für Kinderprodukte und Dienstleistungen für Kinder gelten. „Das wäre ein deutliches, längst fälliges familienpolitisches Signal und ein Bekenntnis zur Familie“, sagte Nölkel.

Der Deutsche Kinderschutzbund unterstützt die Forderung einer Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Produkte und Dienstleistungen für Kinder von 19 auf sieben Prozent. „In besonderer Weise sind gerade Familien in Deutschland hoch belastet und tragen einen hohen Grad an Verantwortlichkeit für die Zukunft unserer Gesellschaft“, teilte der DKSB Handelsblatt Online auf Anfrage mit. Durch eine Reduzierung der Mehrwertsteuer könne „zukunftsweisend, wirksam und effektiv“ eine Entlastung von Familien erreicht werden.

Kommentare (29)

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16.05.2013, 08:07 Uhr

Es wäre doch blanke Ilusion, zu glauben, dass unsere etablierten Blockparteien sich auch nur einen Cent von den Umsatzsteuereinnahmen entgehen lassen werden. Ganz im Gegenteil, man wird diese Chance nutzen, noch höhere Umsatzsteuereinnahmen zu generieren, um noch mehr deutsche Steuergelder an angeblich so notleidende EU-Mitgliedsstaaten und sonstwohin in die Welt zu verschenken.

Uli1

16.05.2013, 08:21 Uhr

Mutiger Artikel! Möglicherweise wird sich heute noch die fleischgewordene Übermutter der abgeschobenen Hortkinder bei Ihnen melden und verdeutlichen, dass wir gerade auf dem besten Wege sind...blablabla. Wir leben in Zeiten, in denen ausschließlich das Kapital eine Bedeutung und damit auch die Deutungshoheit in der Politik hat. Entweder wir akzeptieren das oder ...?

Prophet

16.05.2013, 09:49 Uhr

Die Partei der Vernunft bietet eine alternative Lösung: Steuern auf freiwilliger Basis.
Generell sollte der Staat dankbarer für die erhaltenen Steuern sein und sie nur sinnvoll verwenden. Die heute übliche Selbstbedienungsmentalität unter Strafandrohung ist haarstreubend und gehört eher in das Mittelalter.

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