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26.09.2014

13:24 Uhr

Familienpolitik

Schwesig feiert „Elterngeld Plus“

Die Große Koalition plant, das Elterngeld künftig auf bis zu 28 Monate zu verlängern. Für Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig ist das moderne Familienpolitik. Doch ihre Vorstellungen sind umstritten.

Regierung plant Elterngeld Plus

Schwesig fordert trotz Job „gleichzeitig Zeit für Familie“

Regierung plant Elterngeld Plus: Schwesig fordert trotz Job „gleichzeitig Zeit für Familie“

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BerlinBundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) sieht in dem angestrebten „Elterngeld Plus“ einen weiteren Schritt zu einer modernen Familienpolitik. Der Gesetzentwurf der Koalition sieht vor, dass Eltern künftig bis zu 28 Monate lang Elterngeld beziehen können, wenn beide nach der Geburt eines Kindes Teilzeit arbeiten. Es diene auch den Unternehmen, wenn gut ausgebildete Frauen in Teilzeit frühzeitiger in den Beruf zurückkommen könnten, sagte Schwesig bei der ersten Lesung des Gesetzentwurfes am Freitag im Bundestag.

Schwesig verteidigte in der Debatte auch ihre bei der Union umstrittenen weitergehenden Vorstellungen von einer gemeinsamen, partnerschaftlichen „Familienarbeitszeit“ zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Kindererziehung. „Ob 35 oder 32 Stunden - das muss nicht vorgeschrieben werden. Wir werden das aber unterstützen.“

So funktioniert die Kinderbetreuung im Ausland

USA

Von einem Rechtsanspruch auf Kinderbetreuungsplätze sind Eltern in den USA weit entfernt. Viele haben nicht einmal eine Garantie auf unbezahlte Elternzeit. Landesweiter gesetzlicher Mindeststandard sind zwölf Wochen unbezahlte Freistellung rund um die Geburt - aber nur für Eltern in Firmen mit mehr als 50 Angestellten. Mütter in Kleinbetrieben haben überhaupt keinen gesetzlichen Schutz. Wenn sie nicht sofort nach der Geburt wieder arbeiten, können sie ihren Job verlieren. Einige Bundesstaaten haben aber großzügigere Gesetze.

Schweden

In Schweden gingen im vergangenen Jahr 77 Prozent der Ein- bis Dreijährigen in einen Kindergarten. Auch hier gibt es einen Rechtsanspruch ab dem ersten Jahr, vorausgesetzt beide Eltern arbeiten oder studieren. Die Kommunen haben Schwierigkeiten, dem hohen Bedarf an Betreuungsplätzen gerecht zu werden. Vielerorts dienen Containermodule als provisorische Kindergärten. Eltern zahlen für den Kindergarten maximal 137 Euro im Monat. Die Vorschule im letzten Jahr vor der Einschulung ist gratis. Das Betreuungsgeld wird kaum angenommen. 81 Prozent der schwedischen Mütter arbeiten.

Großbritannien

In Großbritannien haben Kinder ab dem dritten Lebensjahr einen Rechtsanspruch auf 15 Stunden kostenlose Betreuung pro Woche in einer staatlichen Kita. Wer sein Kind privat unterbringt, bekommt einen finanziellen Ausgleich. Für Kinder von Eltern mit wenig Geld gilt der Rechtsanspruch bereits ab dem zweiten Lebensjahr. Ab drei Jahren gehen sie kostenlos in die Vorschule.

Frankreich

Frankreich gilt in Europa als Kinderbetreuungsparadies. Es gibt umfassende staatliche Förderungen wie etwa Geburtsbeihilfe, Steuererleichterungen und Kindergeld. Hinzu kommen Zuschüsse für Lernmittel, Wohngeld oder Hilfen für Alleinerziehende. Familien mit zwei und mehr Kindern können Steuererleichterungen und weitere Zulagen bekommen. Krippen nehmen Kleinkinder ab zwei Monaten auf.

Belgien

In Belgien gibt es kein verbrieftes Recht auf einen Krippen- oder Kitaplatz – die Chancen der Eltern auf einen Platz für ihr Kind sind aber durchwegs gut. Landesweit sind etwa 40 Prozent der unter Dreijährigen untergebracht. Eltern müssen für den Krippenplatz ihres ersten Kindes mit rund 250 Euro pro Monat rechnen. Mit zweieinhalb Jahren wechseln praktisch alle belgischen Kinder in die Vorschule.

Russland

Die russische Verfassung garantiert Kindern einen Platz in einer Krippe oder einem Kindergarten. Experten kritisieren allerdings, mit der Realität habe das wenig zu tun. Derzeit warten rund 1,3 Millionen Kinder auf einen Betreuungsplatz. Um einen der begehrten Plätze zu bekommen, zahlen manche Eltern Schmiergeld – geschätzt rund 2.500 Euro. In vielen Kommunen gibt es allerdings eine Art Betreuungsgeld: monatlich 5.000 Rubel (rund 125 Euro).

Tschechien

Die Zahl der Kitas ist wegen mangelnder Nachfrage seit dem Ende des Sozialismus dramatisch gesunken. Anfang der 1990er Jahre gab es landesweit noch 1.000 Krippen für unter Dreijährige, inzwischen sind es nur noch 45. Einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz gibt es erst im letzten Jahr vor Schulbeginn.

Österreich

In Österreich gibt es eine Kindergartenpflicht: Alle fünfjährigen Kinder müssen in der Alpenrepublik für ein Jahr an mindestens vier Tagen pro Woche in den Kindergarten gehen. Der Besuch ist dann landesweit gratis.

Griechenland

In Griechenland hat jedes Kind ab sechs Monaten einen Anspruch auf einen Kitaplatz. Bei der Vergabe der Plätze werden das Einkommen und andere soziale Kriterien berücksichtigt. Wer mehr verdient und sein Kind in einen öffentlichen Kindergarten schicken will, muss je nach Einkommen einen Beitrag von 50 bis 500 Euro im Monat zahlen. Um den Bedarf zu decken, werden zusätzliche Kitaplätze mit EU-Mitteln subventioniert.

Australien

Kinderbetreuung in Down Under ist sehr teuer. Ein Kita-Platz kostet im Schnitt umgerechnet 1.650 Euro pro Monat. Die Plätze sind trotzdem knapp. Neben einer Einmalzahlung zur Geburt überweist der Staat viereinhalb Monate den Mindestlohn als Elterngeld. Das sind immerhin rund 1.700 Euro im Monat.

Mit dem „Elterngeld Plus“ sollen ab 2015 jene Elternpaare unterstützt werden, die sich partnerschaftlich um die Kinderbetreuung kümmern und zugleich über eine Teilzeitbeschäftigung ins Berufsleben zurückkehren wollen. Bei gleichzeitiger Teilzeitarbeit können Eltern künftig doppelt so lange Elterngeld beziehen - ohne dass der Teilzeitlohn die Gesamtsumme des ausgezahlten Elterngeldes mindert.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Frau Margrit Steer

26.09.2014, 13:45 Uhr

Wenn ich das richtig verstehe, will man also mit aller Gewaltu verhindern, dass Mütter die esten Jahre zuhause bleiben und sich liebevoll um ihe Kinder kümmern.
Ja, ja, ganz DDR
Als nächstes kommt bestimmt der Arbeitszwang für Frauen

Herr Ylander Ylander

26.09.2014, 14:13 Uhr

Ob da ein ausgeklügeltes System dahinter steckt, weiß ich nicht. Glaub ich eher nicht, strategisches Denken scheint nicht Stärke der meisten Parteipolitiker zu sein.

Vielmehr scheint es sich um billige Profilierungssucht auf Kosten der Steuerzahler zu handeln.

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