Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

07.07.2012

08:55 Uhr

Familienpolitik

Zu viel Geld für wenige Kinder

VonDietrich Creutzburg, Thomas Sigmund, Peter Thelen

Die Deutschen bekommen immer weniger Nachwuchs. Gleichzeitig gibt der Bund aber immer mehr Geld für die Familienpolitik aus. Wirtschaftsverbände kritisieren diese „in jeder Hinsicht kontraproduktive Geldleistung“.

Die Familienpolitik von Kristina Schröder stößt auf Kritik - auch in ihrer eigenen Partei. dapd

Die Familienpolitik von Kristina Schröder stößt auf Kritik - auch in ihrer eigenen Partei.

BerlinDie Familienpolitik ist ein großes Rätsel - groß in jeder Hinsicht. Eine Übersicht des zuständigen Ministeriums listet auf zehn eng bedruckten Seiten insgesamt 152 Leistungen auf: vom Kindergeld über Mehrbedarfszuschläge für arbeitslose Alleinerziehende bis zur Schwangerenberatung. Das alles lässt sich der Staat jährlich 195,2 Milliarden Euro kosten.

Diese Zahl stammt allerdings von 2009 - neuere Daten gibt es wegen der schwer erfassbaren Vielfalt noch nicht. Gesichert ist aber: Allein seit 2006 hat sich die Summe um 14,4 Milliarden Euro erhöht. Und alles spricht dafür, dass der Trend weiter nach oben weist. Schon deshalb, weil 2013 das umstrittene Betreuungsgeld mit künftig bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr starten soll.

Ein anderer Trend weist dagegen verblüffend klar nach unten: der Trend der Geburten in Deutschland. Nach den vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamts wurden hierzulande im vergangenen Jahr 662 712 Kinder neu geboren. Das sind 2,2 Prozent weniger als 2010 und so wenige wie noch nie. Zwar drückt der demografische Wandel auf den Geburtentrend. Auch soll Familienpolitik nicht allein die Bevölkerungszahl hochtreiben. Doch dass Ausgaben und Geburten so auseinanderlaufen, liefert in Zeiten, in denen die Wirtschaft vor wachsendem Fachkräftemangel warnt, neuen politischen Zündstoff.

Es sei „offensichtlich, dass die milliardenschwere Familienförderung nicht dazu führt, dass mehr Kinder geboren werden“, moniert der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Joachim Pfeiffer. „Daher sollten alle familienpolitischen Maßnahmen mittelfristig auf den Prüfstand.“ Es gehe darum, Parallelförderungen „zu straffen oder zu bereinigen“. Noch deutlicher zeigt CDU-Wirtschaftsexperte Andreas Lämmel seine Distanz zum CSU-Projekt Betreuungsgeld: Vor der Einführung neuer familienpolitischer Leistungen sollte geprüft werden, ob die bestehenden Ausgaben „einen Anreiz zur Familiengründung darstellen oder wirkungslos verpuffen, aber die öffentlichen Haushalte belasten“.

Ausbau von Kita-Plätzen: Schröder stellt Ländern Ultimatum

Ausbau von Kita-Plätzen

Schröder stellt Ländern Ultimatum

Bis Ende September können die Bundesländer noch Mittel beantragen.

Dass Deutschland beim Geld für den Nachwuchs nicht knausert, belegt auch die Industrieländerorganisation OECD: Ein durchschnittliches Kind erhält vom Staat bis zum 18. Lebensjahr 146 000 Euro Unterstützung - 18 Prozent mehr als im OECD-Schnitt. Noch weiter liegt Deutschland vorn, misst man den Anteil der speziell an Eltern gerichteten Leistungen am Bruttoinlandsprodukt - dann hat es mehr als 30 Prozent Vorsprung. Doch auffallend knauserig ist Deutschland in genau einem Punkt: Es gibt im Vergleich weit weniger Geld für Schulen, Kindergärten und Krippen aus.

Kommentare (25)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DankeStimmtSo

07.07.2012, 09:38 Uhr

Es ist immer wieder beängstigend zu sehen, wie Sie Ihre fragwürdige Daseinsberechtigung durch Steuermittelverschleuderung zu rechtfertigen versucht.

Aber jeder weiß wie ja mittlerweile, wie überaus „kreativ“ manch Postenverteilung zustande kommt.

So ist das wahrscheinlich, wenn der Blinde mit dem Tauben Topfschlagen spielt.

Account gelöscht!

07.07.2012, 09:53 Uhr

ich denke ohne die ausgaben würde die bevölkerrung noch schneller abnehmen aber warum?

nunja wir bekommen doch heute schon in der schule beigebracht das eine frau nur was wert ist wenn sie möglichst studiert und im vorstand einer AG sitz. frauen die sich für familie entscheiden bzw für ihr/e kind/er werden doch mit allen möglichen und unmöglichen namen benannt.
das heutige idealbild ist doch ein paar das beide verdienen. kinder sollen abgegeben werden und fremdbetreut.
interessant ist im vergleiche die kinderfreundlichkeit der 'religiösen' menschen. dort sind im schnitt erheblich mehr kinder zu finden.

es liegt doch nahe das hier die gesellschaftlich vermittelte werte eine rolle spielen, wenn gruppen die einen anderen werte kanon haben soviel mehr kinder haben.


aso noch eins je erfolgreicher frau im beruf ist jeweniger kinder hat sie.

Mazi

07.07.2012, 10:03 Uhr

Wer kann es denn noch verantworten, die Wechsel, die deutsche Politiker auf unseren Nachwuchs ziehen, noch unserem Nachwuchs aufzubürden?

"Die Kleinen" sind doch absolut schuldlos und sie werden heute von Merkel, Schäuble und den 86 % unserer deutschen Bundestagsabgeordneten ihrer Zukunft beraubt.

Und dann stellt sich ein Kauder hin und ...

Mich ekelt's an!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×