Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.11.2014

09:21 Uhr

Familienunternehmer fordern Gesetzesreform

Kündigung ohne Begründung?

ExklusivDer Verband der Familienunternehmer schlägt eine Reform des Kündigungsschutzes vor. Arbeitgeber sollen Verträge ohne Begründung kündigen dürfen – unter einer Bedingung.

Private Internetnutzung

Privates Surfen auf der Arbeit: Grund für Kündigung?

Private Internetnutzung: Privates Surfen auf der Arbeit: Grund für Kündigung?

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

BerlinDie Familienunternehmer starten einen neuen Anlauf, eine Reform des Kündigungsschutzes auf die politische Agenda zu heben. Ihr Vorschlag für eine Gesetzesnovelle: Arbeitgeber, die Mitarbeitern eine Abfindung zusichern, dürfen das Arbeitsverhältnis auch ohne Begründung kündigen. Der Beschäftigte verzichtet auf sein Klagerecht und die Möglichkeit der Weiterbeschäftigung. So steht es in einem Positionspapier des Verbandes „Die Familienunternehmer“, das dem Handelsblatt (Donnerstagausgabe) vorliegt.

Der Verband erhofft sich mehr Flexibilität für die Unternehmen und eine Entlastung der Arbeitsgerichte: „Wir setzen nur die gängige Praxis um“, sagt Barbara Pommer, die im Verband die Kommission Arbeitsmarktpolitik leitet. In mehr als 95  Prozent der Fälle ende ein Kündigungsschutzprozess heute mit einem Vergleich. Dabei gehe es um die Höhe der Abfindung, selten um die Weiterbeschäftigung.

Das heutige Recht sei teuer, beschäftigungsfeindlich und führe zu „absurden Situationen“, heißt es in dem Positionspapier. Denn ein entlassener Mitarbeiter, der ein Kündigungsschutzverfahren einfach „aussitze“, könne vor Gericht in der Regel eine höhere Abfindung erwarten als jemand, der sich schon aktiv um einen neuen Arbeitsplatz bemühe. Für die Arbeitgeber dagegen seien die Folgen einer Kündigung kaum zu kalkulieren, deshalb hielten sie sich bei der Einstellung neuer Mitarbeiter zurück.

Voraussetzungen für eine betriebsbedingte Kündigung

Unternehmerische Entscheidung

Für eine betriebsbedingte Kündigung muss es eine unternehmerische Entscheidung geben, beispielsweise einen Vorstandsbeschluss.

Wegfall von Arbeitsplätzen

Die unternehmerische Entscheidung muss zum Wegfall von Arbeitsplätzen führen, es darf keine anderen, milderen Maßnahmen geben – etwa Teilzeit oder Umstrukturierungen – die einen Wegfall der Arbeitsplätze verhindern könnten.

Sozialauswahl

Der Arbeitgeber muss eine Sozialauswahl durchführen und je nach Alter, Betriebszugehörigkeit, Unterhaltsverpflichtungen und Schwerbehinderung entscheiden, welche Arbeitnehmer sozial am schutzbedürftigsten sind.

Weniger Schutzbedürftige

Die weniger schutzbedürftigen Arbeitnehmer können gekündigt werden.

Keine alternativen Jobs

Es darf keine alternativen Beschäftigungsmöglichkeiten im Unternehmen geben, ansonsten ist die betriebsbedingte Kündigung nicht möglich.

Als Höhe der Abfindung schwebt den Familienunternehmern ein halbes Monatsgehalt pro Beschäftigungsjahr vor – wie im Fall betriebsbedingter Kündigungen. Natürlich stehe es dem Gesetzgeber aber frei, eine andere Größenordnung festzulegen. In den ersten zwölf Monaten sollen Arbeitgeber ihren Beschäftigten jedoch auch ohne Abfindung fristgerecht kündigen dürfen.

Den vollständigen Bericht finden Sie als Digitalpass-Kunde hier zum Download.

Von

fsp

Kommentare (30)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fred Meisenkaiser

20.11.2014, 09:30 Uhr

Und das im Zeitalter des angeblichen Fachkräftemangels??? Wo doch jedes Unternehmen angeblich um Fachkräfte ringen muß???

Herr Mikk K.

20.11.2014, 09:55 Uhr

Ich glaube kaum, dass es dabei in der Mehrheit um Fachkräfte geht. Da geht es vermutlich v.a. um ungelernte und geringqualifizierte Arbeitskräfte.

Herr Tom Schmidt

20.11.2014, 10:07 Uhr

Tja, nur nach einer gewissen Zeit schleppt man im Unternehmen genügend Leute mit, die halt nicht performen. Nach einer gewissen Zeit sind die bzw. glauben die, dass sie unkündbar sind und demnetsprechend strengen sie sich an.

Bisher sucht dann das Unternehmen einen Vorwand/Verstoss um sie los zu werden. Z.B. Kassiererinnen die ein paar Cent eingesteck haben, oder Internet surfen am Arbeitsplatz.

Ihr habt vollkommen recht, einen guten Mitarbeiter, der seinen Job erledigt wird man nicht entlassen, wenn er in ruhigen Phasen im Web surft (bzw. das hoffe ich JETZT mal ganz schwer!!!!) ;-) aber beim Rest...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×