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10.10.2013

15:47 Uhr

FDP-Bashing

Brüderle schlägt zurück

ExklusivFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle wehrt sich: In der Politik gebe es wie im Sport Sieger und Verlierer. Der Spott und die Häme, die jetzt über Partei und Abgeordnete hereingebrochen ist, widerspreche jedem Sportsgeist.

Ex-FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle: „Von manchen Kommentaren war ich unangenehm berührt.“ dpa

Ex-FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle: „Von manchen Kommentaren war ich unangenehm berührt.“

BerlinFDP-Fraktionschef Rainer Brüderle hat zu einem fairen Umgang mit den liberalen Abgeordneten und deren Mitarbeitern aufgerufen: „Politik ist immer Wettbewerb, es gibt wie im Sport Sieger und Verlierer. Aber so nachzutreten, das widerspricht einfach jedem Sportsgeist“, sagte Brüderle dem Handelsblatt (Freitagausgabe). Die FDP spreche manchmal eher die Vernunft als das Herz an. Aber deswegen die demokratischen Spielregeln zu ignorieren sei nicht in Ordnung. „Was mich besonders betroffen gemacht hat, dass die Häme auch an den Mitarbeitern ausgelassen wurde“, sagte Brüderle.

Seit der Bundestagswahl werden die Abgeordneten der FDP und ihre Mitarbeiter nicht nur in der Anonymität sozialer Netzwerke mit Häme und Spott überzogen. „Von manchen Kommentaren war ich unangenehm berührt“, sagte der Ex-Spitzenkandidat der FDP im Wahlkampf. Über seinen Gefühlszustand nach dem Rauswurf der FDP am Wahlabend sagte er: „Ich war tief enttäuscht, diese Gefühl hält bis heute an. Nach 40 Jahren in der FDP-Familie wird mich das noch lange beschäftigen“. Dass die FDP nicht mehr in die Regierung kommen würde, damit habe man rechnen müssen. „Ein Rauswurf aus dem Bundestag, das war für mich und für viele andere nicht vorstellbar“, sagte Brüderle.

Brüderle räumte eigene Fehler im Wahlkampf ein: „Sehen Sie mal, wir können jetzt auch noch viel über die Zweistimmenkampagne oder über die thematische Verengung der Partei auf Steuersenkungen oder den parteiintern umstrittenen Eurorettungskurs reden. Da gab es sicherlich Fehler, die auch der Parteivorsitzende und ich zu verantworten haben“, sagte er. Aber das bringe der neuen Parteiführung um Christan Lindner wenig. Beim Autofahren sei es auch wichtig, dass man nach vorne schaue und nicht dauernd in den Rückspiegel.

Den nordrhein-westfälischen Landeschef Christian Lindner bezeichnete Brüderle als den richtigen Mann für das Amt des neuen Parteichefs. „Er schlägt mit Nicola Beer eine fähige Generalsekretärin vor. Die beiden stehen für einen Aufbruch in der Partei. Der Kampf der FDP geht jetzt erst los“, sagte Brüderle. Nach seiner Meinung hat der Liberalismus in den nächsten vier Jahren im Bundestag keine Heimat. „Die Große Koalition wird sich wieder einmal auf den kleinsten gemeinsamen Nenner einigen, das werden die Bürger und die Wirtschaft im Geldbeutel noch spüren“, sagte Brüderle. Seine eigene berufliche Zukunft ließ er offen: „Ich nehme jetzt erst mal meine Reha-Maßnahmen für meinen Hand- und Oberschenkelbruch wieder auf. Alles andere wird sich finden.“

Von

sig

Kommentare (11)

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BorisU

10.10.2013, 16:29 Uhr

Genau dieses Missverständnis dass die Bürger alles über sich ergehen lassen müssen und die Politiker dieses als Sport sehen lässt mich jeglichen Respekt vor diesem Menschen verschwinden.

Die Politiker definieren mit ihren Entscheidungen unsere Zukunft. Das ist mehr als eine eigentlich recht unwichtige Sportentscheidung.

Account gelöscht!

10.10.2013, 17:45 Uhr

Tja nun, Herr Brüderle. Beim Sport ist in der Tat Sportsgeist angesagt, hier befinden wir uns aber in der Politik, einem Metier, bei dem auch absolute Versager gewinnen können - oder wie im Fallle der FDP - eben auch nicht.

eilendorf

10.10.2013, 18:42 Uhr

Der Opa sollte abtreten. Und zur FDP: Wer Lobbyisten bedient, für die Bürger nichts zustande bringt, wer durch Privatisierungen der sozialen Absicherung die Bürger über den Tisch zieht, wer seine Ideale an Merkel und Schäuble verkauft bei allem Euro- und EU-Wahnsinn, wer nicht mehr zum eigenen Parteiprogramm steht, der muss eliminiert werden. Der hat keine Existenzberechtigung mehr. Die Wähler haben den Fall erledigt. Und das ist gut für Deutschland. Auch die übrigen Blockparteien müssen gewaltig aufpassen, denn die Bürger wollen den Ausverkauf unseres Landes nicht, ebenso eine Vergemeinschaftung der Schulden nicht. Die AfD wird die Kontrollfunktion ausüben und bei jedem Fehler der Regierung mehr Zustimmung bekommen.

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